Kapital drängt gen Osten
Von Kurt Terstegen, Frankfurt am Main
Während westliche Politiker weiter gegen die Volksrepublik China austeilen, zeigt sich die deutsche Finanzelite pragmatischer: Auf dem »China Day« der Euro Finance Week trat die Frankfurter Finanzwelt am Montag geschlossen für eine Vertiefung der wirtschaftlichen Kooperation mit Beijing auf. Unter dem Motto »Brücken bauen« warben Banker und Finanzmanager für eine langfristige gemeinsame Strategie in zentralen Zukunftssektoren.
Bundesbankvize Sabine Mauderer lobte China als Vorreiter bei Produktion und Entwicklung »grüner« Technologien. Als der chinesische Konsul Yiyang Huang anschließend dazu aufrief, systemische Differenzen beiseitezulegen und den Fokus auf gemeinsame Interessen zu richten, reagierte das Publikum mit geschlossenem Applaus. Ein Signal, das kaum klarer ausfallen könnte – und das zeigt, wie weit die Strategien der Bundesregierung und des hiesigen Kapitals auseinandergehen.
Andreas Scholz, Vorsitzender der Dfv Euro Finance Group, berichtete zu Beginn der Konferenz sichtlich beeindruckt von seiner jüngsten Reise nach Shanghai und kündigte an: »Der Kanzler wird später für interne Gespräche eintreffen. Wir werden mit ihm sprechen, damit wir eine neue Epoche einleiten.« Gemeint waren vor allem günstigere Rahmenbedingungen für Auslandsinvestitionen aus der Volksrepublik, ein Anliegen, das im Saal breite Zustimmung fand.
Dann kam die chinesische Seite zu Wort: Generalkonsul Yiyang Huang lobte die Reise des deutschen Finanzministers Lars Klingbeil nach Beijing, die am Mittwoch zu Ende ging. Die BRD und China, so Huang, täten gut daran, ideologische Differenzen beiseitezulegen und ihre wirtschaftlichen Beziehungen auszubauen. Das chinesische Volk sehne sich nach Stabilität, die von der Führung in Beijing politisch wie ökonomisch gewährleistet werde.
Der Präsident der Chinesischen Volksbank, Penghui Jin, stellte des weiteren die jüngsten chinesischen Investitionen in Europa vor. Einige der Projekte wurden im Rahmen der »Neuen Seidenstraße« realisiert, darunter die Zugverbindung zwischen Budapest und Belgrad und der Ausbau des Hafens von Piräus. Insgesamt investierte die Volksrepublik im vergangenen Jahr umgerechnet 5,9 Milliarden Euro auf dem europäischen Kontinent, wie Penghui erklärte.
Offen ist, welchen Kurs die Bundesregierung künftig einschlagen wird. CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bei einer jüngsten Wirtschaftskonferenz erneut betont, er wolle den Einsatz chinesischer Komponenten im 6G-Telefonnetz verhindern. Während Berlin also weiterhin am transatlantischen Bündnis festhält, setzt China auf eine multipolare Weltordnung. So auch im Bereich des internationalen Zahlungsverkehrs: Vina Cheung, verantwortlich für die globale Entwicklung des Handels mit Renminbi (RMB), warb auf dem Podium für eine neue internationale Währungspolitik und verwies auf den Bedeutungszuwachs des RMB gegenüber dem US-Dollar. Hailu Wang von der Frankfurter Niederlassung der Industrial and Commercial Bank of China rief die Anwesenden gleichfalls auf, den Ausbau der Euro-RMB-Kooperation voranzutreiben.
Während die Bundesregierung im Spannungsfeld des Wirtschaftskrieges zwischen Washington und Beijing weiterhin die ökonomischen Konsequenzen der US-Politik fürchtet, drängt das deutsche Kapital auf Investitionen aus der Volksrepublik. Obwohl sich große Teile der deutschen Wirtschaft öffentlich zum Dogma der Deregulierung und des freien Marktes bekennen, hat die wirtschaftliche Bedeutung Chinas inzwischen ein solches Ausmaß erreicht, dass hiesige Unternehmen schlicht nicht umhinkommen, mit chinesischen zu kooperieren und sich davon mehr Verlässlichkeit zu versprechen als von den USA unter einer erratischen Politik der Regierung Trump.
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