»Hochburgen allein tun es nicht«
Von Jürgen Georg
Wie nehmen Sie von Aachen aus den Zustand der deutschen Rugbygemeinde wahr?
Als ich 1979 aktiv wurde, war Hannover dominant. Heute ist es Heidelberg. Obwohl ich da jedem einzelnen größtes Engagement unterstelle, ist das nicht gut für unseren Verband. Auch nicht gut finde ich die Dominanz des Siebenerrugbys. Für mich, für uns – wir haben das sogar in unserer Vereinssatzung stehen – ist Rugby erst mal Fünfzehnerrugby. Das kann man anders sehen, völlig okay. Aber in anderen, im Rugby herausragenden Ländern gibt es völlig andere Strukturen. Das ist es selten, dass ein Fünfzehnerrugbyspieler Siebenerrugby spielt. In Deutschland hat man aus meiner Sicht den Breitensport »Fünfzehner« einfach fallengelassen. Die Olympiaförderung haben die Siebenerjungs sportlich verdient, gar kein Thema. Aber da ist vieles auf der Strecke geblieben. Die Bundesrepublik Deutschland hat bei über 83 Millionen Einwohnern weniger Aktive als die Niederlande.
Steht denn noch im Raum, dass Sie ein Amt im Bundesverband übernehmen?
Für mich nicht mehr. Ich hatte meine Bereitschaft für den Fall erklärt, dass der Streit zwischen Hannover und Heidelberg weiter eskaliert und nur aus Rache ein Hannoveraner Präsident werden will. Dann hätte ich dagegen kandidiert. Ich hatte einen guten Kontakt mit Harry Hees (Expräsident, jW) und habe gesagt, ich wäre in diesem Fall bereit. Harry hat dann unglücklicherweise einen Fehler gemacht, nachdem Michael Seidler gewählt worden war. Der ist ja der neue Präsident.
Ein Berliner.
Ja, aber jetzt lebt er hier in Nordrhein-Westfalen, in Solingen. Und nachdem er gewählt worden war, hat Harry gesagt: »Aber ab November steht ja Helmut zur Verfügung.« Was einen neuen Präsidenten verunsichern kann. Da habe ich Michael Seidler sofort angerufen, und wir haben uns bei mir getroffen, eine Stunde lang. Wir haben eine Ebene. Ich brauche wirklich kein Präsidentenamt, weder in Aachen noch in Deutschland. Ich finde, der Michael ist offen, ist gut gestartet. Ich unterstütze ihn voll. Es entwickelt sich, und ich hoffe sehr, dass es vorangeht. Das braucht der deutsche Rugbyverband.
Auf welcher Ebene braucht er Ihre Unterstützung?
Auf der breiten Ebene. Ich unterstütze, dass wir in Nordrhein-Westfalen mehr Klubs kriegen. Wir sind nie aus dem deutschen Rugbyverband ausgetreten. Wir zahlen zwei Mitgliedsbeiträge – in Holland und in Deutschland – und verstehen uns als deutscher Verein. Wenn der deutsche Rugbyverband jetzt endlich Konsequenzen zieht und in die Breite geht … Hochburgen allein tun es nicht. Nehmen wir Berlin, das hat sich gut entwickelt. Nehmen wir Bayern, wo es ja auch eine Entwicklung gibt. Diese Bundesländer haben das verdient. Dass wir solche Fortschritte haben, zeigt: Über die Breite kommst du in die Spitze.
Helmut Wallrafen, Jahrgang 1956, Präsident des Rugby Clubs Aachen, ist Buchautor und Geschäftsführer eines kommunalen Unternehmens mit 900 Mitarbeitern. Der von ihm mitgegründete Verein spielt mit seiner ersten Mannschaft auf hohem Niveau in der ersten niederländischen Liga. Der Klub hat deutsche Topspieler wie Mustafa Güngör (unter anderem RG Heidelberg) und Eric Marks (Erstligaprofi in Frankreich) hervorgebracht
Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug
Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Mehr aus: Sport
-
Was hat der Fußball mit Klassenkampf zu tun?
vom 19.11.2025 -
Mariachi
vom 19.11.2025