Neben Waffen auch Kinder
Von Barbara Eder
An einer der Wände im Klagenfurter »kärnten.museum« hängt eine ungewöhnliche Karte. Sie wurde von Elsa Logar und Jakob Holzer im Auftrag des Zveza koroških partizanov – des Verbands der Kärntner Partisanen – entworfen und verzeichnet rund 102 Orte, an welchen Spuren des Widerstands gegen den Naziterror im südlichsten Bundesland Österreichs zu finden sind. Wer den farblich markierten Wegen der Kärntner Partisanen folgt, entdeckt eine stille Topographie des Widerstands: provisorische Grabkreuze in Wäldern, verwitterte Mauersteine über ehemaligen Verstecken, Monumente sozialistischer Erinnerungskultur.
Die Karte ist Teil der zweisprachigen Ausstellung »Partizanke Art. Die Kunst des weiblichen Widerstands in Jugoslawien und Kärnten«, kuratiert von Elena Messner, Brigita Malenica, Julia Stolba, Sabina Ferhadbegović und Goran Lazičić. Ihr Thema ist das Zusammenfallen von Leben, Widerstand und künstlerischer Praxis, getragen von Frauen, deren Anteil am antifaschistischen Kampf in Jugoslawien und Österreich jahrzehntelang vernachlässigt wurde. Erst ab den 1970er Jahren begann man, deren maßgebliche Rolle an der Befreiung Österreichs vom Nazifaschismus zu würdigen. Anders als die heroischen Ikonographien der Nachkriegszeit erzählt »Partizanke Art« aus der Perspektive jener, die neben Waffen auch Kinder trugen. Für die organisatorischen und logistischen Strukturen des Widerstands war ihre Arbeit unentbehrlich.
Die Ausstellung macht mit jedem ihrer Artefakte sichtbar, dass die Grenze zwischen Produktion und Reproduktion verschiebbar ist: Wer sorgt, trägt, heilt, versteckt, kocht, organisiert oder trauert, arbeitet nicht wie ein Maulwurf an der Geschichte, sondern mitten in ihrem Zentrum. Besonders die Tafeln zur AFŽ, der Antifaschistischen Front der Frauen in Jugoslawien, zeigen, dass Frauen schon 1941 in Bosnien und Kroatien Ausschüsse gegründet und den zivilen Widerstand organisiert hatten – bis sie ihn schließlich in den bewaffneten Kampf gegen den Faschismus überführten. Bis zu zwei Millionen Frauen beteiligten sich daran; rund 100.000 kämpften mit der Waffe in der Hand in der jugoslawischen Volksbefreiungsarmee. Für viele war dies nicht nur eine ideologische Entscheidung. Der Besatzungsterror entzog ihnen zunehmend alle Lebensgrundlagen, zerriss ihre Familien und veränderte sämtliche Geschlechterrollen. Inmitten dieses Zusammenbruchsszenarios schuf die Partisaninnenbewegung die Möglichkeit zur Selbstverteidigung.
Wenn die Ausstellung von »Partizanke Art« spricht, meint sie nicht nur diesen existenziellen Kampf, sondern auch die Kunst von und aus der Erfahrung des weiblichen Widerstands heraus: Kunst, die tägliche Reproduktionsarbeit nicht nur als Voraussetzung für den bewaffneten Kampf sieht. Kunst, die erzählt, wie Frauen Sabotageakte vorbereiteten, Spionage betrieben, Kollaborateure entlarvten oder bei ihren Botendiensten gefährliche Routen beschritten. Kunst, die zeigt, dass Widerstand kein Ausnahmezustand ist, sondern eine Praxis, die sich auch gegen patriarchale Hierarchien richtet.
Besonders deutlich wird dies auch in den Arbeiten von Elsa Logar, die mit ihren Comics, Texten und fotografischen Miniaturen eine neue Sprache für die Weitergabe des antifaschistischen Erbes findet. Schnelle, klare Striche, lakonische Bilder, reduzierter Humor – Logars Zeichnungen zeigen das Alltagsleben im Widerstand: die Nachbarinnen, die bis zum letzten Sonnenstrahl auf dem Hof bleiben und dann die Wäsche zusammenlegen; die Ziehharmonika im Vereinslokal, in dem jemand ein altes Partisanenlied spielt; die schwere Jacke des Großvaters im Schrank, die nach kaltem Rauch riecht und nach einem Leben, das die Tochter nicht mehr versteht. »Partizanke Art« erzählt nicht vom Mythos, sondern vom Alltag – mit Comics und Karten, die Gegenden neu kartographieren.
Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug
Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
IMAGO/Xinhua22.04.2024»Neutralität ist der Pfeiler der Zweiten Republik«
Darko Vojinovic/AP/dpa03.12.2022Alles, was ihm zustieß
picture alliance / brandstaetter images/Votava20.09.2022Zünftiges Pogrom
Regio:
Mehr aus: Antifaschismus
-
In Francos Schatten
vom 19.11.2025