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Aus: Ausgabe vom 18.11.2025, Seite 15 / Natur & Wissenschaft
Klimawandel

Langsamer gegen die Wand

Am Rande der COP 30: Global Carbon Budget 2025 dokumentiert düstere Aussichten
Von Felix Bartels
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Auch das Konklave ist ein Faktor beim CO2-Ausstoß

Das enervierende Betragen der mittlerweile etwas in die Jahre gekommenen Berufsjugendlichen aus Stockholm ändert ja nichts am Sachverhalt. Weltlage ist Klimalage, und die ist mindestens ebenso dramatisch wie Thunbergs histrionische Persönlichkeit. Man muss es sich immer wieder klarmachen: Alle Bemühungen um eine Senkung des CO2-Ausstoßes haben kaum zu Senkungen geführt. Es geht, wenn man die Entwicklung vom Resultat her betrachtet, noch lange nicht darum, den Prozess umzukehren oder auch bloß aufzuhalten. Es geht darum, ihn weniger schnell fortschreiten zu lassen.

Auch in diesem Jahr 2025 haben die weltweiten CO2-Emisssionen aus fossilen Brennstoffen einen neuen Rekordwert erreicht. Mit 38,1 Milliarden Tonnen liegt der Ausstoß 1,1 Prozent höher als im Jahr 2024. Das geht aus dem neuesten Report »Global Carbon Budget 2025« hervor, der termingerecht zur Weltklimakonferenz COP 30 in Brasilien veröffentlicht wurde. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre liege demnach bei 52 Prozent über den Werten des vorindustriellen Zeitalters. Bereits 2024 waren die Emissionen so stark gestiegen wie nie davor. Die Ziele des Pariser Abkommens von 2015 sind im mindesten nicht erreicht worden. Prognosen zufolge hält der Erdball strammen Kurs auf eine 2,8-Grad-Erwärmung gegenüber vorindustriellen Werten.

Dem »Global Carbon Report 2025« zufolge stieg der von Kohle verursachte Ausstoß um 0,8 Prozent, der von Erdöl um ein Prozent und der von Erdgas um 1,3 Prozent. In Europa, wo man sich gern als Vorreiter in puncto Klimaschutz inszeniert, ist die Kohleverbrennung entsprechend zurückgegangen, die von Öl und Gas aber gestiegen. Auch die guten Nachrichten des Reports lassen sich eher als weniger schlechte beschreiben. Was den gesamten, also nicht allein durch Verbrennung fossiler Stoffe verursachten CO2-Ausstoß betrifft, hat sich das Tempo der Zunahme verlangsamt. Im Vergleich zum Jahrzehnt zwischen 2005 und 2015 nämlich. Der Ausstoß liege »für 2015 bis 2025 bei 0,3 Prozent im jährlichen Durchschnitt, zuvor bei 1,9 Prozent«, berichten Autor Pierre Friedlingstein von der University of Exeter und seine Kollegen.

Außerdem haben weltweit 35 Länder ihren fossilen Ausstoß wenigstens relativ zu ihrem jeweiligen Wirtschaftswachstum gesenkt. Bei Indien und China ist das am deutlichsten. Mit einem Anstieg von 0,4 Prozent (China) und 1,4 Prozent (Indien) verzeichnen die beiden Staaten einen deutlichen Rückgang gegenüber den Vorjahren, allerdings gilt auch hier: Der Rückgang ist ein Rückgang im Tempo des Anstiegs.

Für die europäischen Staaten, wo die Emissionen 2024 noch um 2,6 Prozent abgenommen hatten, hat sich die Tendenz nicht bestätigt. Der Report prognostiziert einen Anstieg von 0,4 Prozent bis Ende 2025. »Zwar nimmt die Kohlenutzung ab und die Solarenergie zu. Doch wetterbedingter Rückgang bei Wasserkraft und Windenergie haben zu einer Zunahme der Stromerzeugung aus Erdgas geführt«, so die Autoren. In Deutschland sei der Ausstoß um 3,5 Prozent gesunken, die Fallhöhe allerdings ist enorm. Mit 0,6 Milliarden Tonnen hat die Bundesrepublik einen Anteil von 1,5 Prozent an den weltweiten Emissionen und liegt damit auf Rang elf. Energiebedingt, also ohne Landnutzung, liegt der deutsche Pro-Kopf-Ausstoß bei etwa 6,8 Tonnen CO2-Äquivalenten jährlich.

Unterm Strich kommt der »Global Carbon Report« zu dem Schluss, dass das 1,5-Grad-Ziel nicht mehr erreichbar ist und das Zwei-Grad-Ziel eigentlich bloß noch theoretisch. »Das verbleibende Kohlenstoffbudget für das 1,5-Grad-Ziel liegt bei 170 Milliarden Tonnen CO2 und wird noch vor 2030 verbraucht sein«, schreiben Friedlingstein und Kollegen. Das Budget für das Zwei-Grad-Ziel werde bei fortgesetztem Trend in spätestens 25 Jahren verbraucht sein.

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  • Leserbrief von Emmo Frey aus Dachau (20. November 2025 um 10:25 Uhr)
    Greta Thunberg als Aufmacher zum CO2-Anstieg in unserer Lufthülle? Na ja – aber was ist bitte eine »histrionische Persönlichkeit«? Greta als Schauspielerin? Was soll das?
    Immerhin, 425,7 ppm CO2 als neuer Höchststand in der Atmosphäre ist schon ein Hammer. Als ich vor 50 Jahren Chemie studierte, war in den Lehrbüchern von ca. 340 ppm die Rede. Es gibt kaum noch ein Produkt in unserer glitzernden Werbewelt, das nicht als »klimaneutral« und »nachhaltig« angepriesen wird, man wird mit Kompensationszertifikaten eingedeckt und könnte daraus schließen, dass der Lufthülle bald das CO2 ausgehen wird – alles der reine Schwindel! Wozu braucht die Menschheit noch Kriege? Reicht der Krieg gegen die Natur nicht? Ich fasse es nicht mehr.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (18. November 2025 um 12:41 Uhr)
    Der Artikel hätte gut auch ohne die ersten zwei Sätze auskommen können. Es sind nicht die Mahner, vor denen wir Erschrecken zeigen sollten. Sondern erschrecken sollten uns die Gefahren, denen die Welt sehenden Auges ausgesetzt wird. Trump beispielsweise lässt alle Bemühungen bewusst an die Wand fahren, den Kohlendioxidausstoß zu mindern. Und er findet im Artikel noch nicht einmal am Rande Erwähnung als bewusster Klimakiller der besonderen Art. Er verübt grandiose Verbrechen an der gesamten Menschheit. Und erbosen sollen wir uns über Greta Thunberg?
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (17. November 2025 um 22:24 Uhr)
    »Gegen die Wand«? Das dystopische Szenario wird nicht so trivial abgehen. »Die Wand« sind die Schotten, die die Abschotter dichtmachen. Diejenigen, die es sich leisten können, werden in »Resorts« »resilient« sein und sich auf den Klimawandel einstellen. Mit Klimaanlagen und Zugang zu Wasser und anderen Ressourcen. Alle Signale deuten in diese Richtung, besonders die letzten militärischen Aktionen des Wertewestens. Merz weiß schon, warum er gerne andere die Drecksarbeit machen lässt. So sieht die Blaupause nämlich aus.

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