Skandalnudelsender
Von Pierre Deason-Tomory
Beim Rundfunk Berlin-Brandenburg werden in naher Zukunft fünf namhafte Radiopersönlichkeiten mit DT64-Vergangenheit ausgemustert. Betroffen sind Marion Brasch, Knut Elstermann, Johannes Paetzold und Andreas Ulrich, wie die Berliner Zeitung vorige Woche meldete. Schon länger war bekannt, dass Jörg Wagner gecancelt wird; er könnte wegen der kritischen Berichterstattung in seinem Medienmagazin über den Affärentsunami im Haus in Ungnade gefallen sein. Bei den anderen vier Kollegen soll eine neue Rentenregelung der Grund sein. Der RBB würde »wegen seiner Sparmaßnahmen nun Mitarbeiter, die das Rentenalter erreicht haben«, nicht weiter beschäftigen, erklärte DJ und Foodcaster Pätzold im Interview mit der Berliner Zeitung. Beklagen will er sich nicht: »Ich gehe ohne Groll.«
Aus dieser Haltung spricht die sprichwörtliche Sanftheit des Mannes, geklagt wird jedoch tatsächlich viel in der Anstalt. Zum Beispiel darüber, dass Intendantin Ulrike Demmer Ende September ihren Buddy Robert Skuppin als Programmdirektor durchgedrückt hat. Gegen den Einspruch des Personalrats: Der Exmoderator habe immer wieder dafür gesorgt, »dass Menschen weinend die Mitarbeitendenvertretungen« angerufen hätten. Außerdem habe Skuppin »wenig Gespür für Compliance-Regelwerke«, ein bemerkenswerter Einwand nach der Schlesinger-Ära. Aber am Ende werden Skuppin damit Qualitäten attestiert, die beim Skandalnudelsender gefragt zu sein scheinen. Davon abgesehen dürfte bei seinem Aufstieg zum Direktor geholfen haben, dass er anders als Brasch, Ulrich und Co. nicht vom Ostradio kommt.
Programmtipps für die nächsten sieben Tage im Radio: Die Reihe »Im Fokus« nimmt »Peter Thiel, J. D. Vance und Amerikas Gotteskrieg« in denselben (Mi., 16.05 Uhr, Ö 1). Ein unblutiger Glaubenskrieg tobt seit 50 Jahren um die Bewertung eines Livealbums von Keith Jarrett, den Frontverlauf sondieren die »Jazzfacts« in »Mythos ›Köln Concert‹« (Do., 21.05 Uhr, DLF). Kein Mythos ist der antiasiatische Rassismus auf Bühnen und in Orchestergräben: »Ein Misston in Europas Klassikszene« beschäftigt das Schweizer Kulturradio (Fr. 20 Uhr, SRF 2 Kultur).
Am Wochenende laufen »Eine Lange Nacht über die Schriftstellerin Anna Seghers« (Sa., 0.05 Uhr, DLF Kultur; 23.05 Uhr, DLF) und das Hörspiel »Halbinsel« nach dem Roman von Kristine Bilkau (Ursendung, Sa., 18.05 Uhr, NDR Kultur). In der neuen Ausgabe von »Lorettas Leselampe« wird Jenny Kellner auf dem Podium des Roten Salons Hamburg zu einem spektakulären Ansinnen befragt: »Lässt sich der Kommunismus neu erfinden?« (Sa., 20 Uhr, FSK).
Wenn ja und er taugt was, machen wir Revolution, gleich, vorher geht’s noch in die Oper: Zu »Alice in Wonderland« von Unsuk Chin, live aus dem Theater an der Wien (Sa., 19 Uhr, Ö 1), oder zu Mozarts »Così fan tutte«, aufgenommen am 5. November in der Mailänder Scala (Sa., 20.03 Uhr, BR Klassik, HR 2 Kultur, NDR Kultur, Radio 3, SWR Kultur, WDR 3).
Der Platz in dieser Programmvorschau reicht gerade noch für etwas Mord und Apokalypse. Da wären finstere Machenschaften von »Mr. Arkadin« im Hörspiel nach dem gleichnamigen Orson-Welles-Roman (BR, WDR 1996, So., 15.05 Uhr, Bayern 2) und ein fröhlicher »Weltuntergang mit den Science Busters« (So., 21.30 Uhr, Ö 1), die schlüssige Antworten haben auf Fragen wie diese: Wieviel Schnaps muss man trinken, um klimaneutral zu werden?
Korrektur:
In einer früheren Version haben wir geschrieben, dass namhafte Radiopersönlichkeiten mit DT64-Vergangenheit zum Jahreswechsel ausgemustert werden. Das ist falsch. Einige von denen werden erst im Laufe des Jahres 2026 ausgemustert, eine Journalistin erst im Jahre 2027, jeweils nach Erreichen des Rentenalters.
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