Reparatur
Von Jürgen Roth
Es war ein herkulisches Unternehmen gewesen. Wochenlang hatte ich versucht, mit dem uns vertrauten Handwerksbetrieb aus dem Nachbarort unten im Tal einen Termin zu vereinbaren.
Ich lasse auf den Chef und seine Mitarbeiter nichts kommen, sie erfüllen die ihnen aufgetragenen Aufgaben exzellent – sofern sie Zeit für sie finden.
Acht- oder achtundzwanzig Mal hatte ich angerufen und danach vergeblich auf eine Rückmeldung zwecks Terminabsprache gewartet, und plötzlich klingelte es um halb acht. Man sei in einer Stunde da.
Als Fachmann für Öffentlichkeitspflege und -manipulation stach ich die Sache, nachdem alles erledigt worden war, unter einer schnell erfundenen, sehr überzeugenden und einprogrammierten Nummer an die Presse durch.
Zwei Tage später erschien in unserem Gammelblatt folgende Meldung, basierend auf Formulierungshinweisen von mir:
»Fränkische Landeszeitung – Wie die Polizei Heilsbronn mitteilt, erreichte ein Anwesen in N. vor wenigen Tagen ein Anruf der angeblichen Firma S. aus B. Die sofort eingeleiteten Ermittlungen ergaben flugs, dass es sich um keinen Betrugsanruf gehandelt hatte. Der Hausverwalter konnte deshalb beruhigt werden, so dass er sich bereit erklärte, kurz darauf zwei Mitarbeitern der tatsächlichen Firma S. aus B. die Haustür ohne weiteres zu öffnen.
Die beiden Mitarbeiter der Firma S. aus B., Lohneis und Seitzinger, nahmen ihre Tätigkeiten in kellerlichen Räumlichkeiten unverzüglich auf und montierten unwahrscheinlich geschwind, nämlich innerhalb von zwei Stunden ein neues Fallrohr, welches aus Kunststoff besteht.
Der Hausverwalter dankte artig und überreichte den zwei Mitarbeitern der Firma S. in B. ein Trinkgeld in Höhe von zwanzig Euro, und zwar mit den Worten, sie mögen es ›versaufen‹. – ›Gerne. Heute abend‹, protokollieren die Akten ihre Antwort. Die Sache wird kein Nachspiel haben.«
Man merke: So werden Nachrichten produziert.
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