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Punkte

Von Helmut Höge
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Früher sammelte man beim Einkauf Rabattmarken, die man in ein Heftchen klebte. Sie wurden irgendwann abgeschafft, aber es gibt sie wieder – als Punkte. Die Supermärkte werben damit: »Punkte sammeln!«, »Punkten wie nie!«, »Hier gibt’s Punkte!«, »Punkte ohne Ende«.

Banken werben mit drei Punkten: »Wir. Fördern. Berlin.« Die Grünen werben mit einem Punkt: »Berlin: Grün und Gerecht.« Ebenso eine Bäckerei: »Herbst Brot.« Ein Zoo wirbt mit zwei Punkten: »Tiere sehen. Arten schützen.« Ebenso Aldi: »Täglich frisch. Immer günstig.« Im Stadtbild sieht man, was Werbung anbelangt, andauernd Sprüche mit Punkten.

1968 warb die FDP erstmalig mit drei Punkten: F. D. P. Was für große Aufmerksamkeit sorgte. Journalisten fragten sich, was das soll, machten sich darüber lustig. Sprachpuristen meinten, drei Punkte sollten für Auslassungszeichen reserviert bleiben.

»Nun mach mal ’nen Punkt!« bedeutet dem Gegenüber, den Grad der Verstiegenheit der Argumentation zu reduzieren, endlich zum Kern der Sache zu kommen oder schlicht die Klappe zu halten. Auch Lektoren schätzen Punkte, um so mehr, je länger die Sätze ihrer Autoren sind. Kurze Sätze bedeuten viele Punkte. Im Gespräch drückt »punkten« etwa die Überlegenheit des Gesprächspartners aus. Beim Sport geht es darum, möglichst viele Punkte zu holen. Der Philosoph Michel Serres schrieb, dass in Diskussionen und beim Fußball ähnliche Regeln gelten: Der Ball ist das Argument, es/er kann hin und her sausen, man kann ihn/es weiterspielen, damit dribbeln. Aber irgendwann sollte der Ball im Netz landen, dem Argument nichts mehr entgegnet werden können.

Horst Heldt, heute Geschäftsführer des 1. FC Union Berlin, wurde mal gefragt: »Der 1. FC Union steht gegen den FC Bayern mit elf Punkten auf Rang zehn. Rechnet man diese Punkteausbeute hoch, würde Union am Ende der Saison in etwa bei den angestrebten 40 Zählern landen. Zufrieden?«

Bei Wikipedia findet man zum Thema »Punkt«: »Das älteste Zeugnis stammt aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. Eine nach dem König Mescha von Moab benannte Stele berichtet in 34 Zeilen von dessen Sieg über Israel unter erstmaliger Verwendung von Satzzeichen: Zwischen allen Wörtern wurde ein Punkt gemeißelt (…). Damit war der Punkt als grafisches Zeichen zur Worttrennung erfunden.«

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