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Aus: Ausgabe vom 15.10.2025, Seite 11 / Feuilleton
Pop

Glück für Fleetwood Mac

Reissue: Lindsey Buckinghams und Stevie Nicks’ »Buckingham Nicks«
Von Alexander Kasbohm
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Doppelt hält besser: Stevie Nicks und Lindsey Buckingham

In den späten 1970ern kam das sonderbare Phänomen des »Adult Oriented Rock« (AOR) auf – gemeint ist Popmusik, die sich explizit nicht länger an die Jugend richtete, nicht mehr eine irgendwie rebellische Gegenkultur vertrat, sondern sich an die arrivierten Erwachsenen wandte.

Fleetwood Mac, die ehemalige britische Bluesrockband, wurde spätestens mit der Integration des Gitarristen Lindsey Buckingham und der Sängerin Stevie Nicks (beide US-Amerikaner) zum Paradebeispiel für diese Suche nach dem wahren Leben im falschen – in dieser Zeit von Holz und Muffigkeit, sehr selbstbewussten Farben, sehr künstlichen Zitrusgerüchen in Seifen und Reinigern, sehr künstlich schmeckenden Lebensmittelzusätzen, dem Geruch von Kunstleder, Synthetikkleidung und Zigaretten. Musik, die Eltern nicht wehtat und viele Jahre noch danach einen schlechten Ruf hatte. Aber wie jedes Genre hatte auch AOR bessere und schlechtere Vertreter, und Fleetwood Mac mit Buckingham und Nicks gehörten eindeutig zu den besseren.

Bevor Buckingham und Nicks 1975 zu Fleetwood Mac stießen, hatten sie 1973 bereits ein gemeinsames Album veröffentlicht. Es verkaufte sich sehr schlecht, doch beide hatten hier bereits demonstriert, dass sie hervorragende Songschreiber waren und dass Nicks zudem über eine ungewöhnliche, gleichwohl ansprechende Stimme verfügte. »Buckingham Nicks« wurde bis in die frühen 1980er gelegentlich nachgepresst, eine offizielle Veröffentlichung als CD stand freilich aus. Angesichts der musikalischen Qualität und der riesigen potentiellen Zielgruppe schwer zu erklären. Zumal sowohl Buckingham als auch Nicks mehrfach Interesse an einer Wiederveröffentlichung bekundet hatten.

Produzent Keith Olsen hatte damals ein gutes Ohr dafür, was die Songs brauchen. Er holte die Elite der Westcoast-Musiker ins Studio: Waddy Wachtel spielte Gitarre, Jerry Scheff Bass und Jim Keltner Schlagzeug. »Crystal«, geschrieben von Nicks, gesungen von Buckingham, wurde für das 1975er Album »Fleetwood Mac« noch mal aufgenommen, doch auf »Buckingham Nicks« ist die Aufnahme schon so komplett, dass bei der Neuaufnahme strukturell nichts Wesentliches geändert, sondern nur etwas »Gloss« hinzugefügt wurde. Der Sound auf »Buckingham Nicks« ist noch mehr Folkrock als AOR, doch alles, was die nächsten fünf Alben Fleetwood Macs prägen sollte, ist bereits angelegt, das Spannungsverhältnis zwischen Massentauglichkeit und künstlerischer Ambition deutlich spürbar. Was noch fehlte, war die Radiofreundlichkeit des Sounds. Mick Fleetwood, John McVie und Christine McVie erkannten das Potential und waren so angetan von dem Album, dass sie Keith Olsen gleich mitengagierten, als Produzenten für das Neustartalbum »Fleetwood Mac«.

Die nächsten Jahre waren geprägt von exorbitanten Albenverkäufen, Beziehungsdramen in wechselnden Konstellationen innerhalb der Band und Bergen von Koks. Der Höhepunkt der Entwicklung war das Doppelalbum »Tusk«. Die Band konnte sich nach dem Millionenseller »Rumours« alles erlauben. Und sie tat es auch. Die kokainbedingte Abstumpfung der Musiker resultierte in einer extrem sonderbaren Abmischung (»Mach mal das Schlagzeug lauter! Ich glaube, ich kann das Schlagzeug gar nicht hören!«), und Buckingham ließ zwischen den Hits, geschrieben von ihm selbst, Nicks und Christine McVie, seiner Ambition freien Lauf. Auf jeden Fall ist »Tusk« ein Monument seiner Zeit. Es verkaufte natürlich nur halbsoviel wie »Rumours«. Was folgte, war ein längerer Come-down. Ausgangspunkt für die ganze Geschichte ist »Buckingham Nicks«.

Lindsey Buckingham & Stevie Nicks: »Buckingham Nicks« (Rhino Records)

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