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Aus: Ausgabe vom 11.07.2024, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Energiewende

Beijing will Wachstum bremsen

Regierung reagiert auf Überproduktionskrise in Solarindustrie: mehr Eigenkapital und Forschungsetats
Von Wolfgang Pomrehn
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Im vergangenen Jahr wurden die Produktionskapazitäten der Solarindustrie in China stark ausgeweitet

Die chinesische Regierung plant, das Wachstum der Solarindustrie einzuhegen. Es solle mehr in Forschung und Weiterentwicklung der Solaranlagen investiert werden, teilte die in Hongkong erscheinende South China Morning Post am Mittwoch mit.

Die Produktionskapazitäten sind in China im vergangenen Jahr stark ausgeweitet worden. Nach Angaben der Unternehmensberatungsfirma Wood Mackenzie wurden 2023 umgerechnet rund 120 Milliarden Euro in die Expansion gesteckt. Eine Reihe neuer, kleinerer Unternehmen ist entstanden, die um Anteile am rasch wachsenden Markt für Solarmodule kämpfen. Zwar hat auch die Nachfrage im vergangenen Jahr erheblich zugelegt. Allein in China wurden 2023 mehr als doppelt so viele Anlagen wie noch im Jahr zuvor installiert. Solarmodule mit einer Leistung von 216 Gigawatt gingen ans Netz, was knapp dem Dreifachen aller in Deutschland Ende 2023 laufenden Anlagen entspricht. Aber das Angebot der Hersteller ist noch schneller gewachsen.

Da China rund 80 Prozent aller Lieferketten vom Quarzsand bis zum fertigen Solarmodul beherrscht, sind im Ergebnis auch auf dem internationalen Markt die Preise gepurzelt. Für potentielle Kunden, die sich Solaranlagen aufs Hausdach oder die Fabrikhalle schrauben wollen, sind das gute Nachrichten – und tatsächlich scheint der Preisverfall der Verbreitung von Solaranlagen in Afrika einen Schub gegeben zu haben. Auch dort wurde 2023 mit rund 15 Gigawatt mehr neue Solarleistung ans Netz gebracht als je zuvor.

Für die Hersteller sowohl in China als auch in anderen Ländern ist der Preissturz eine weniger gute Nachricht. Indien und die USA haben Sonderzölle auf chinesische Solarmodule eingeführt, um den Aufbau einer heimischen Solarindustrie zu unterstützen. Chinesische Hersteller versuchen diese zum Teil zu umgehen, indem sie Fabriken in südostasiatischen Nachbarländern errichten. Der starke Rückgang der Preise hat die Wirksamkeit der Einfuhrzölle allerdings zuletzt stark gemindert, so dass im Mai in den USA die Abgaben von 25 auf 50 Prozent hochgesetzt wurden.

Auch in der EU erhebt die Industrie immer wieder die Forderung nach Einfuhrzöllen auf chinesische Solarpaneele. Bisher hat die EU-Kommission dem jedoch nicht nachgegeben. Wie in den USA stehen sich in dieser Frage die Interessen der heimischen Hersteller auf der einen sowie der installierenden Handwerker und der potentiellen Kunden auf der anderen Seite gegenüber. Tatsächlich sind die Anlagen schon seit einigen Jahren so günstig, dass der größere Teil der Wertschöpfung nicht in ihrer Herstellung, sondern beim vergleichsweise arbeitsintensiven und schwer zu rationalisierenden Aufbau erfolgt. Außerdem beschleunigt der Fall der Preise den Umbau der Energieversorgung und macht Solarstrom inzwischen in vielen Ländern zur kostengünstigsten Option.

Derweil leidet die chinesische Solarindustrie erheblich unter den niedrigen Preisen und hat mit einbrechenden Gewinnen zu kämpfen. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur sind die Produktionskapazitäten derzeit nur zu rund 50 Prozent ausgelastet, was ein Zeichen einer klassischen Überproduktionskrise ist. Allerdings nur einer temporären, wenn man davon ausgeht, dass die Weltwirtschaft so rasch wie möglich auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden muss. Unterdessen will Beijing die weitere Expansion erst einmal etwas ausbremsen, indem den Unternehmen ein höherer Eigenkapitalanteil an neuen Investitionen und mehr Ausgaben für Forschung und Entwicklung vorgeschrieben werden.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (10. Juli 2024 um 21:31 Uhr)
    Wenn’s halt nur die Module wären … Hier, bei etwa 55 Grad nördlicher Breite könnte ich mich mit 22 Quadratmetern Sonnenzellen von 14 Prozent (antiqiertem) Wirkungsgrad elektrisch autark machen. Aber: Um in den Monaten November, Dezember, Januar und Februar genug Strom zu haben, müsste ich 200 bis 300 Kilowattstunden Speicher installieren, die dann von März bis Oktober wieder gefüllt werden müssten. Problem klar? Geheizt würde dann immer noch mit Gas. Eine Wärmepumpe würde den Jahresstromverbrauch verdoppeln und den größten Verbrauch genau von Oktober bis Februar haben. Also 600 Kilowattstunden Akku und Sonnenzellen mit 22 Prozent Wirkungsgrad und ein paar Quadratmeter mehr davon. Problem jetzt klar? Für Herrn Habeck habe ich schon einen Fahrradgenerator im Gartenhaus geplant. Wenn er 300 Watt 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche tritt, brauche ich weder Fotovoltaik noch Akku. Halt, Akku doch. Für’n Toaster, Mikrowelle, Kochplatte, Kaffeemaschine und so. Zwei, drei Kilowatt will ich ihm doch nicht zumuten, da müssten noch Scholz, Lindner und mindestens Pistorius mit ins Gartenhaus. Baerbock für besonders knackige Brötchen?

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