75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Dienstag, 16. Juli 2024, Nr. 163
Die junge Welt wird von 2849 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 11.07.2024, Seite 8 / Ansichten

Feldjäger des Tages: Bodo Ramelow

Von Felix Bartels
8_portrait.jpg
Im Auftrag des Friedens unterwegs

Bodo … Nein, nicht der rote. Anders als der neulinke Filou, den Degenhardt besang, hat der hier keine revoluzzende Vergangenheit, die er abstreifen musste. Von Anbeginn kenntlich als Sohn des Mittelstands – evangelische Erziehung, kaufmännische Ausbildung, bissel Gewerkschaft – kam Bodo Ramelow in den Neunzigern als Teil der westdeutschen ­Nomenklatura in den Osten, um dort freigewordene Stellen zu besetzen. 1994 gesellte er sich der PDS und heutigen Partei Die Linke zu, stets an deren rechtem Rand bleibend. Seit 2014 ist er, mit 28 Tagen Unterbrechung, Ministerpräsident von Thüringen. Ein Reisender, der nie aufbrechen musste.

Es versteht sich, dass der Ministerpräsident auch in der Ukraine-Frage stabile Haltung wahrt. Sonder Zweifel reiht er sich ein in die Parade der transatlantischen Falken. Fordert Waffen zur Unterstützung eines Kriegs, der nicht zu gewinnen ist. Entschlossen, diesen Krieg, den er nicht begonnen hat, wenigstens nicht enden zu lassen. Ob er das Kalkül der NATO begreift, demnach eine möglichst lange Bindung der globalen Konkurrenz Russland (im Kampf um Ressourcen, Arbeitskräfte, ­Absatzmärkte, Distributionswege) in einen blutigen und Mittel verschleißenden Konflikt freie Hand in anderen Regionen schafft, bleibt unklar. Gut möglich, dass er das alles auch aus Nächstenliebe tut.

Sein neuester Tanzschritt: »256.000 junge Männer aus der Ukraine, im wehrfähigen Alter, leben derzeit in Deutschland. Wie sollen wir uns als Behörden dazu verhalten? Ich bin weiter für die Lieferung von Waffen, aber was ist mit Wehrpflicht und Soldaten?« In die Welt gesetzt hat er die »sehr bedrückende Frage« auf X. Ohne Hintergedanken natürlich. Man wird ja wohl noch fragen dürfen. 256.000 Menschen, die sich Besseres vorstellen können, als fürs Vaterland zu sterben? Bodo in Sorge.

Großes Kino für kleines Geld!

75 Augaben für 75 €

Leider lässt die Politik das große Kino vermissen. Anders die junge Welt! Wir liefern werktäglich aktuelle Berichterstattung und dazu tiefgründige Analysen und Hintergrundberichte. Und das zum kleinen Preis: 75 Ausgaben der gedruckten Tageszeitung junge Welt erhalten Sie mit unserem Aktionsabo für nur 75 €!

Nach Ablauf endet das Abo automatisch, Sie müssen es also nicht abbestellen!

  • Leserbrief von Holger K. aus Frankfurt (11. Juli 2024 um 14:15 Uhr)
    Vielleicht hat ja San Bodo zu viel in der Bibel und da im AT genascht und sich da an dessen Exodus berauscht. Möglicherweise wittert er in der Ukraine das gelobte Land, in das die zuvor Asylsuchenden gefälligst zurückkehren sollen. Könnt allerdings auch sein, dass er einer der politischen Vorreiter des Rauswurfs der hierher geflüchteten Ukrainer ist. Etliche der hiesigen Staatsfiguren träumen ja schon von einem solchen Schritt, zunächst »nur« überlegend, dann etwas später auch ausführend. Ramelow sagt sich ggf. »dabei sein ist alles«, nur ja nicht den Zug verpassen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wenn derlei Sauerei umgesetzt wird. Irgendeinen Vorwand, irgend einen Anlass wird sich dann schon finden, es sei denn in der hiesigen Bevölkerung erfolgt Widerstand gegen derlei Pläne.
  • Leserbrief von Dr. Kai Merkel aus Wuppertal (11. Juli 2024 um 11:24 Uhr)
    Wegen diesem %$&$ … bin ich u. a. vor einem Jahr aus der Partei Die Linke ausgetreten. Wie glaubwürdig kann eine sogenannte »proggresive«, linke »Friedens«-Partei sein, die sich einen Ministerpräsidenten leistet, welcher Kriegsflüchtlinge »zurück an die Front« schicken will??!! (Für die allgemeine Wehrpflicht und Waffenlieferungen in Kriegsgebiete hat er sich ja schon früher ausgesprochen.) Wo bleibt der Widerspruch aus dem (ja ohnehin ähnlich denkenden) linken Parteivorstand? Darauf kann man lange warten, ist ja nicht Sahra Wagenknecht. Doppelmoral eben. Gleichzeitig brachte Die Linke mit Carola Rackete eine Spitzenkandidaten ins Europaparlament, welche Flüchtlinge aus dem Mittelmeer rettet und für offene Grenzen wirbt. Will Bodo diese dann auch als neues Kanonenfutter nach Kiew, oder in andere Kriegsgebiete schicken?! Wie wäre es mit einer Deutschen Fremdenlegion? (sic). Bodo kann Flüchtlingen ja das Bleiberecht versprechen, wenn die in der Ukraine für die »Freiheit des Westens«, oder andere geopolitische Interessen verschleiernde Phrasen den Heldentod (sic) sterben. Wie tief kann diese Partei noch sinken? Und mit solchen Aussagen will Die Linke in Thürigen in den Wahlkampf einsteigen? Lol. Immerhin geht man den Weg der »disruptiven Erneuerung« (zur zweiten grünen transatlantischen Kriegspartei) konsequent weiter. Auf Bodo ist Verlass. Der Letzte macht dann das Licht aus.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Peter S. aus Berlin (11. Juli 2024 um 07:55 Uhr)
    »256.000 Menschen, die sich Besseres vorstellen können, als fürs Vaterland zu sterben? Bodo in Sorge.« Das ist bestimmt die vielbeschriebene christlich-evangelische Nächstenliebe. Oder befürchtet er, dass seine eigenen Kinder und Enkel ein schlechtes Vorbild erblicken könnten, womöglich sogar darüber nachdenken, ob es das Vaterland ist oder doch jemand Anderes, der Kriegsprofite einstreicht? Man weiß es nicht …
  • Leserbrief von Hans Wiepert aus Berlin (11. Juli 2024 um 01:39 Uhr)
    Der Joe Biden von Erfurt weiß also nicht so recht, ob er Menschen, die vor Krieg flüchten, nicht doch zum Kanonenfutter degradieren will. Bei der Fußball-EM wurde medial kürzlich die Vokabel »Spielermaterial« diskutiert. Bodo Ballermann legt noch einen drauf und möchte einem anderen Komiker (Selenskij) gleich mal Menschenmaterial ausliefern. Oder vielleicht auch nicht. Der dämmernde Ministerpräsident ließ im letzten Wahlkampf allen Ernstes »Bodo oder Barberei« plakatieren. Wer immer das sein mag – dann lieber diese Barbara …
  • Leserbrief von Peter Balluff aus Vöhl (10. Juli 2024 um 20:25 Uhr)
    Bodo hat noch nicht erkannt, dass es nicht der Krieg der 250.000 Ukrainer und der 200.000 Russen ist, die in den Westen geflohen sind, sondern der Krieg der NATO, der EU, der multinationalen Konzerne und der Oligarchen der ganzen Welt, die auf eine Neuordnung der Welt hinarbeiten und dafür soll Mann/Frau auf dem Schlachtfeld sterben … ? Wenn Bodo sich jetzt aber meldet, um freiwillig den Don Quijote im Olivgrün an der Front gegen Osten zu machen, melde ich mich als sein Sancho Panza.

Mehr aus: Ansichten