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Aus: Ausgabe vom 11.07.2024, Seite 8 / Ansichten

Reiche und Kanonen

Bericht über Finanzvermögen
Von Arnold Schölzel
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Wer Steuern spart, kauft sich ein Boot. Etwa auf der gleichnamigen Messe in Düsseldorf

Es war wieder ein schönes Jahr für die Superreichen weltweit und speziell in der Bundesrepublik. Die am Mittwoch veröffentlichte Studie der Boston Consulting Group bestätigt, was die satten Unternehmensgewinne, die Inflation und die Reallohnverluste der vergangenen Jahre ahnen ließen: Die Vermögen der Multimilliardäre wachsen überproportional. Je größer der jeweilige Geldhaufen, desto mehr kam dazu. Selbst die Bürgerpresse teilt von Zeit zu Zeit mit, dass die soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik weit über dem EU-Durchschnitt liegt und auf dem Globus eine Spitzenstellung einnimmt. Das gehört sich so für einen starken Kapitalismus. Das ist sein Zweck. Wenn sich der Bundeskanzler jüngst im Bundestag zur Begeisterung der FDP einen »funktionierenden Kapitalismus« wünschte, lässt das darauf schließen, dass Olaf Scholz und seine Koalition das Tempo der Umverteilung von unten nach oben noch für unzureichend halten. Es kommt noch nicht genug in den oberen Etagen an.

Das zu ändern, sind SPD und Bündnis 90/Die Grünen besonders willig. Sie schufen mit der »Agenda 2010« vor gut 20 Jahren das erste bundesdeutsche Programm, das per Gesetz Armut schuf, etwas, was sich die CDU/CSU in dieser Form bis dahin nicht getraut hatte – wie auch keinen Angriffskrieg à la 1999 in Jugoslawien oder 2001 in Afghanistan. Alle CDU-Kanzler hüteten sich zudem, die Rentenversicherung zu schröpfen oder zum Würfeln im Börsencasino freizugeben. Selbst die Schröder/Fischer-Regierung war beim Rentenklau nur zaghaft und brachte etwa den Murks der Riester-Rente hervor. Die jetzige Koalition hat unterm FDP-Druck wenigstens ein bisschen Aktienrente durchgesetzt. Das Kratzen am Bürgergeld und die Beerdigung der Kindergrundsicherung – Peanuts.

Da geht es um lächerliche Summen, über die sich zum Beispiel die zehn reichsten Deutschen, die zusammen fast 230 Milliarden US-Dollar flüssig haben – weitaus mehr als die Hälfte aller Bundesbürger zusammen besitzt – amüsieren dürften. Der größte Brocken im Bundeshaushalt ist aber der Zuschuss zur Rentenversicherung, an dem scheiden sich die Klasseninteressen. Am Mittwoch drehte Bundesbankpräsident Joachim Nagel im Tagesspiegel mal wieder die Gebetsmühle von der Alterung, die Rentenkürzung verlange. Das geht seit mindestens 40 Jahren so, wurde durch die Realität zigmal widerlegt, bleibt aber Lieblingslüge aller Koryphäen der herrschenden Klasse. Nun kommt aktuell hinzu: Neben mehr Reichtum für die Reichsten sollen auch mehr Kanonen produziert werden. Die armen Schlucker vom Ural wollen schließlich wieder einmal den Deutschen alles wegnehmen und stehen gefühlt schon an der Oder. Da hilft nur eins: Kriegstüchtigkeit in Rüstungskonzernen und in den Köpfen des besitzlosen Pöbels, und endlich ran an die unverschämt hohen Renten. Nagel hat’s angewiesen, das Berliner Personal wird übernehmen.

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  • Leserbrief von Peter Groß aus Bodenseekreis (11. Juli 2024 um 16:20 Uhr)
    »Ding Dong! The Witch Is weg«. Vielleicht muss man Menschen, die Margret Thatcher ähnlich sind und Reiche immer reicher machen wie Annalena Baerbock und die Viererbande (CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP) nicht das Schlimmste wünschen. Das Lied, das die britischen Charts stürmte, lautet: »Ding Dong! The Witch Is Dead«. Es ist nicht übel, die Gedanken fliegen zu lassen und die KI mit widerständigen Informationen zu füttern. Nach Genesis: »Land of Confusion« (Puppenversion) sind die Gedanken frei, für einen Vergleich mit dem tänzelnden Jo und die Vision, in der Darling Annalena dem »American Godfather of the World« die vorgezogene Nachtruhe versüßt, in dem sie ihm Mut machend aus »Mein Kampf« (die überarbeitete neue Fassung mit wissenschaftlichen Randbemerkungen) vorliest. Beim letzten Krieg gegen die Sowjetunion war der Tod wahrhaftig ein Meister aus Deutschland. Die Kriegsprofite deutscher Aktienunternehmen hatten enorme Steigerungsraten. »Lange Jahre konnte sich jemand wie der Soziologe Stuart Hall die Popularität Thatchers nur mit einem masochistischen Zug der Briten erklären.« (Spiegel). Eben auf diesen masochistischen Zug, für Deutsche angewandt, mögen die Grünen setzen. Als in den 80er Jahren US-amerikanische Marschflugkörper des Typs Tomahawk in England stationiert werden sollten, befeuerte das die Börse. Als aber Tausende Frauen den britischen Militärstützpunkt Greenham Common belagerten und die fast zwei Jahrzehnte dauernde Mobilisierung des weiblichen Widerstands gegen Atomkrieg begann, die mit Abzug der Marschflugkörper (gegen Thatchers Willen) endete, platzten Anlegerträume. Im Gegensatz zur Vielzahl verblendeter deutscher Mittelstandsfrauen, die nach Wehrdienst und letztlich Fronteinsatz an der Ostfront ihrer Kinder fiebern, siegte der Widerstand britischer Frauen gegen Krieg, Ressourcenverschwendung und Umweltvernichtung. Pop kann Spaß machen. Die Songs sind im Netz zu finden und der Film »Wir sind Frauen, wir sind stark! Das Friedenscamp von Greenham« bei Arte.

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