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Aus: Ausgabe vom 10.07.2024, Seite 8 / Ansichten

Eliteflüchtling des Tages: Gennadi Bogoljubow

Von Reinhard Lauterbach, Poznań
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Als Milliardär verfügt man am besten über mehrere Pässe verschiedener Nationalität …

Ein Mann, dessen Vermögen auf 1,7 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, fährt Eisenbahn, zweiter Klasse. Die Reise geht von Kiew in die ostpolnische Grenzstadt Chelm. Die Grenze überquert der Held dieser Geschichte unter falschem Namen: mit dem echten Pass eines Ukrainers, der das Land nachweislich nicht verlassen hat. Auf der polnischen Seite weist sich der inkognito Reisende dann schon mit seinem eigenen Pass aus: Gestatten, Gennadi Bogoljubow, nach unterschiedlichen Listen zweit- bis fünftreichster Mensch der Ukraine. Bis zu deren Verstaatlichung 2017 war er Minderheitsaktionär der ukrainischen »Privatbank«, aus der er gemeinsam mit dem Mehrheitseigentümer Igor Kolomojskij durch Scheingeschäfte mit Briefkastenfirmen zwei Milliarden Dollar oder so herausgezogen haben soll.

Jetzt wirft ihm das Staatliche Ermittlungsbüro der Ukraine illegalen Grenzübertritt und einem inzwischen festgenommenen ukrainischen Grenzbeamten Beihilfe dazu vor. Der Grenzer hatte seinem Kollegen zugerufen, das Abteil mit dem Oligarchen drin sei schon kontrolliert. Bogoljubow verteidigte sich: Er hätte in seinem Alter (62) und mit fünf minderjährigen Kindern aus verschiedenen Beziehungen sowieso nicht zum Militär gemusst. Damit hoffte er offenkundig auf ein bisschen Sympathie seitens der ukrainischen Öffentlichkeit, derer er sich angesichts seiner Vergangenheit nicht unbedingt sicher sein kann.

Wie das ukrainische Portal Strana.news erfuhr, wollte ­Bogoljubow von Polen nach London weiterreisen, wo sein gestohlenes Geld vermutlich schon auf ihn wartet. Wie gut, dass das Königreich nicht mehr in der EU ist. Sonst hätte er seinen Asylantrag in Polen stellen müssen. Einstweilen soll er sich in Wien aufhalten. Dort dient seine Frau Emine Dschaparowa derselben Regierung, die ihn angeblich verfolgt, als Botschafterin. Pack schlägt sich …

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  • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin (10. Juli 2024 um 10:19 Uhr)
    Höchste Zeit, dass dieses faschistische Pack in die kriminelle und korrupte EU aufgenommen wird, denn diese Kategorie von verkommenen Subjekten, die so vorbildlich die »westlichen Werte« mit uns teilen, fehlt uns gerade noch.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (9. Juli 2024 um 20:05 Uhr)
    Pecunia non olet, auch wenn die öffentlichen Toiletten in der Ukraine nicht Vespasiani genannt werden.

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