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Auf Wiedersehen, Mallorca

Von Andreas Gläser
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Oh, wie ist das schön!

Welch sagenhaftes Pauschaltouristenparadies diese Balearischen Inseln doch sind, mitsamt ihren über 200 Fußballvereinen, von denen allein in Palma 60 existieren. Unter anderem der Real Club Deportivo Mallorca, der in der abgelaufenen Saison den 15. Platz in La Liga belegte. Meistens spielte Real während seiner mehr als hundertjährigen Geschichte eine Etage tiefer, um für kurze Zeit ins Oberhaus zurückzukehren, wo man zwischen 1997 und 2013 erstaunlich lange rangierte. Der bekannteste Lokalrivale dürfte Atlético Baleares sein, der derzeit in der dritten Liga spielt, in der Primera Federación. Es empfiehlt sich ohnehin, im Ausland sportliche Veranstaltungen zu besuchen, fernab der Touristenpfade, wo die Einheimischen nicht permanent ihren Geschäften nachgehen müssen.

Mitunter kann man sich nur wenige Minuten vom Strandboulevard entfernt an einem Kunstrasenplatz wiederfinden, wo einige hundert Zuschauer dem Geschehen beiwohnen und sich über Besucher freuen, die etwas Interesse an ihren mitbringen. 18 Balearenvereine von Mallorca, Ibiza und Menorca treffen in der viertklassigen Tercera División aufeinander, in der elften der 18 Unterklassengruppen. Im Netz findet man die anstehenden Termine auf flashcore.de. Die Sonne lacht über all die Plätze ohne Laufbahnen. Oft gibt es nur eine große Haupttribüne. Man hat die beste Sicht auf die umliegende Berglandschaft. Hier ist der Tourist nicht nur nah dran, sondern auch mittenmang und muss nicht unbedingt im I-love-Malle-Nicki einen auf Peacer machen.

Es gibt ohnehin so schöne ein- beziehungsweise mehrfarbige Sechserpacks mit Nickis, die man für den Preis von einer blöd bedruckten Obertrikotage bekommt, und man kann die einfarbigen überall anziehen. In den Stadien und an den Plätzen ist man auch relativ sicher vor den alten und neuen Inselschlagern wie »Hafen der hunderttausend Lichter«, »Auf Wiedersehen, Mallorca!«, »Bunte Stadt am Meer« oder »Mallorca, kleine Insel im Sonnenschein«. Zumindest vor den deutschsprachigen Versionen.

Ansonsten hört man dort viele Produkte vom gefürchteten Europop, aber auch flotte Vereinshymnen, die sich schnell ausfindig machen lassen, wenn man bei Youtube die klangvollen Vereinsnamen eingibt. In einem Buchladen habe ich ein Fanzine ergattert, dem eine CD der Punkband Pedrada en la Kara beilag. Die drei Herren orientierten sich am Stil der Thüringer Schleimkeim, wofür nicht zuletzt die Coverversion von »Nein, nein, nein« zeugte. Ach, wir haben uns schon alle gerne, und Malle fetzt.

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