75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Freitag, 19. Juli 2024, Nr. 166
Die junge Welt wird von 2849 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 24.06.2024, Seite 8 / Ansichten

Niedergangsheiliger

Neoliberale feiern Milei
Von Arnold Schölzel
GERMANY-ARGENTINA.JPG
Finden Warenaustausch mit einem »Anarchokapitalisten« nicht so toll: Protestierer am Sonntag in Berlin

Geht’s abwärts, sind politisch Anstreicher, Tünche und biegsame Zirkusmenschen gefragt. Javier Milei bietet das alles und mehr. Mitte März prangte sein Porträt auf dem Titel des Handelsblatts samt Schlagzeile: »Kann dieser Mann den Kapitalismus retten? Wie Schockreformer Javier Milei Argentinien aufmischt und den Westen fasziniert«. Die Frage stellen heißt sie beantworten: Kann er nicht. Mit dem Aufmischen – zum Beispiel die Renten in Argentinien bis jetzt um etwa 30 Prozent kürzen, sonstigen Sozialterror durchpeitschen und eine Rezession verursachen – klappt es gut. Die Faszination ist selbst im Westen gemäßigt – Ausnahmen sind der IWF, Benjamin Netanjahu, Viktor Orbán, Wolodimir Selenskij, Donald Trump und dessen Intimus Elon Musk, überhaupt die Milliardäre des militärisch-industriellen Internetkomplexes. In Hamburg, wo heutige Liberale ihn am Samstag heiligsprachen, offenbarte Milei: Monopole bringen alles voran. Der deutsche Kanzler empfing ihn so abgeschirmt wie am Freitag Orbán. 0,16 Prozent der deutschen Exporte gingen 2023 ins Silberland. Die Vorsicht war angebracht: Wenn Mileis neulich noch im Internet Tarot legende Schwester, die der kleine Dicke zurecht als seinen »Boss« vorstellt, ihn von der Leine lässt, kommt so etwas raus wie zum spanischen Regierungschef: Ein »Feigling, der Frauen unter den Rock kriecht«.

Milei hält so mehr als die Hälfte der Argentinier bei Laune, er ist ein Fortschritt. Als in Argentinien, wohin nach 1945 deutsche Faschisten einschließlich Adolf Eichmann und deutsches Kapital strömten, freie Märkte ohne Staat proklamiert wurden, verband das die Militärdiktatur mit massenhafter Folter, Abwerfen Gefangener aus Fluggeräten ins Meer, dem Ermorden von bis zu 30.000 Menschen und der Fußballweltmeisterschaft 1978. Nach Milei ist das alles nicht wahr, da ist er sich mit allen Bundesregierungen seither und dem DFB, der damals Naziflieger Hans-Ulrich Rudel ins deutsche Trainingslager als Motivationshilfe entsandte, einig.

Neoliberalismus bleibt tödlich, möglicherweise auch für den Kapitalismus. Milei fördert nicht nur sozialunverträgliches Frühableben, er arbeitet wie die Leutchen, die ihm in Hamburg den Hayek-Orden anhefteten, mit daran, dass es dem Wirtschaftssystem schlechter geht. Mit den »Reagonomics« erreichten die USA 1986 mehr als 26 Prozent Anteil an der Weltwirtschaftsleistung, heute sind es noch gut 15 Prozent, Tendenz fallend. China kratzt an der 20-Prozent-Marke.

Da herrscht Bedarf an Wirtschaftswundern. Mileis deutscher Laudator Stefan Kooths ernannte ihn zum Krebsarzt, bei dem die »Übergangsphase hart« werden könne, »ähnlich wie bei einer Chemotherapie«. Beim flotten Schwenk von der Ökonomie zur Biologie vergessen die Reaktionäre aller Länder und Zeiten stets, dass sie auch vom Tod reden. Könnte sein, dass Milei und Co. ­nachhelfen.

Großes Kino für kleines Geld!

75 Augaben für 75 €

Leider lässt die Politik das große Kino vermissen. Anders die junge Welt! Wir liefern werktäglich aktuelle Berichterstattung und dazu tiefgründige Analysen und Hintergrundberichte. Und das zum kleinen Preis: 75 Ausgaben der gedruckten Tageszeitung junge Welt erhalten Sie mit unserem Aktionsabo für nur 75 €!

Nach Ablauf endet das Abo automatisch, Sie müssen es also nicht abbestellen!

Regio:

Mehr aus: Ansichten