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Aus: Ausgabe vom 21.06.2024, Seite 15 / Feminismus
Gaza

Krieg gegen Frauen

Situation von Müttern und Kindern besonders verheerend. Camp im Süden bietet Frauen Schutz
Von Jakob Reimann
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Ergebnis des israelischen Krieges: Zerbombte eigene vier Wände (22.5.2024)

Die meisten der über 37.000 Toten im Krieg gegen die Zivilbevölkerung in Gaza sind Frauen und Kinder. Es gibt über 20.000 Kriegswaisen. »Frauen und Neugeborene sind die Hauptleidtragenden des Konflikts in Gaza«, warnten mehrere humanitäre UN-Organisationen in einem gemeinsamen Schreiben bereits wenige Wochen nach Kriegsbeginn, darunter das Kinderhilfswerk UNICEF und die Weltgesundheitsorganisation WHO. Im Gazastreifen habe es zu dem Zeitpunkt etwa 50.000 Schwangere gegeben, hieß es Anfang November, mit rund 180 Geburten täglich. Viele von diesen Entbindungen müssten in Notunterkünften, »auf den Straßen inmitten von Trümmern oder in überlasteten Gesundheitseinrichtungen« stattfinden. Nur durch eine Feuerpause könne verhindert werden, »dass eine verzweifelte Situation zur Katastrophe wird«. Diese Katastrophe ist mittlerweile Realität für Frauen in Gaza.

»Der Krieg gegen den Gazastreifen«, beginnt ein Bericht von UN Women vom April 2024, »ist nach wie vor ein Krieg gegen Frauen«. Die hygienische und sanitäre Lage im Gazastreifen ist demnach verheerend. Mehr als eine Million Frauen und Mädchen hätten nahezu keinen Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser, Latrinen, Waschräumen oder Damenbinden; inmitten der unmenschlichen Lebensbedingungen würden sich außerdem Krankheiten rasch ausbreiten. In Notunterkünften in Khan Junis, die ursprünglich für 2.000 Menschen ausgelegt waren, sind mehr als 20.000 untergebracht. 650 Menschen nutzen eine einzige Latrine. Und all die Menschen, die auf den Straßen oder in Ruinen leben, haben zumeist überhaupt keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen.

Die Wasserversorgung im Gazastreifen läuft auf nur noch sieben Prozent im Vergleich zu vor dem Krieg. »Wir sind durch Flüsse voller Abwasser gefahren«, beschreibt Carl Skau, der stellvertretender Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms, in dieser Woche die Situation im südlichen Gazastreifen. Krankheiten wie Hepatitis breiten sich rasch aus. Im Juni warnte das Palästinenserhilfswerk UNRWA bereits vor dem Ausbruch von Cholera. Die rasche Ausbreitung von Infektionskrankheiten auf engem Raum »stellt für Frauen und Mädchen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar und macht schwangere Frauen besonders anfällig für Komplikationen bei der Geburt«, heißt es im Bericht von UN Women weiter.

Das Auslöschen ganzer Nachbarschaften und die flächendeckende Zerstörung ziviler Infrastruktur durch israelische Bomben machen einen »normalen« Alltag in den Zeltlagern und Trümmern unmöglich. Unter widrigen Bedingungen werden Kinderpflege, wenigstens rudimentäre Hygiene oder das Backen von Brotfladen über offenem Feuer für die Frauen von Gaza zum täglichen Kraftakt. »Unsere Belastungen haben sich vervielfacht, und unser Gefühl für Privatsphäre ist vollkommen verschwunden«, sagt Nada Abdelsalam, Mutter von neun Kindern und eine von vier Frauen, deren Geschichten bei Al-Dschasira anlässlich des Frauentags am 8. März erzählt wurden. »In diesem Krieg habe ich vergessen, was es bedeutet, eine Frau zu sein. Ich fühle mich Jahrzehnte älter, als ich tatsächlich bin«.

Im nördlichen Rafah an der Grenze zum kriegszerstörten Khan Junis wurde vor einigen Wochen das Al-Faruk Camp eröffnet, in dem Witwen, Waisen und alleinstehende Frauen samt Familien Schutz, rudimentäre Privatsphäre und Verpflegung finden, berichtete The New Arab Anfang Juni. Die umzäunte Zeltstadt bietet Hunderten Familien in Not Platz und Sicherheit. Aus der geteilten Verzweiflung entwickelte sich Solidarität und Zusammenhalt der Frauen. »Wir sind hier alle wie eine große Familie«, beschreibt es Asmaa El-Sherif, die Leiterin des Camps. »Wir sind füreinander da und tragen alle dazu bei, dass es den anderen gutgeht. Dieses Lager ist für viele ein Trost.«

Doch die Angst, dass auch dieses Camp israelischen Angriffen zum Opfer fallen wird, ist allgegenwärtig, erklärt die Bewohnerin Taghreed Al-Mabhouh. »Dieser Ort ist jetzt zwar als sichere Zone ausgewiesen, doch niemand weiß, ob das so bleiben wird oder ob wir gezwungen sein werden, erneut von hier zu fliehen«, sagt die Mutter von vier Töchtern.

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