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Aus: Ausgabe vom 21.06.2024, Seite 8 / Ansichten

Chance und Risiko

Einfluss in Asien-Pazifik-Region
Von Jörg Kronauer
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Vietnamesisch-russisches Flaggenmeer zur Begrüßung Wladimir Putins in Hanoi am Donnerstag

In Südostasien kann man in diesen Tagen beispielhaft einige der Chancen und der Risiken beobachten, die das Heraufziehen einer multipolaren Welt mit sich bringt. Da wäre zunächst der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Vietnam. Hanoi bekennt sich zu einer Außenpolitik, die strikt neutral ist und die mit allen Mächten zum eigenen Vorteil kooperiert: mit den USA, mit China und mit Russland, das die Dominanz des Westens brechen will, aber zugleich eine Art Rückversicherung gegen China bietet, etwa, indem es sich an Vietnams Erdgasförderung in umstrittenen Gebieten im Südchinesischen Meer beteiligt. Im September Joseph Biden, im Dezember Xi Jinping, im Juni Putin: Vietnam hat alle drei mit exakt den gleichen militärischen Ehren empfangen – und es fordert im Gegenzug tatkräftige Unterstützung ein.

In Malaysia gilt Vietnams konsequent multilaterale Außenpolitik zur Zeit manchen als Vorbild. Als Premierminister Anwar Ibrahim im November 2022 sein Amt antrat, meinten nicht wenige in den USA und in Europa, er werde das Land wohl etwas enger an den Westen binden. Anwar unterließ das. Er führte statt dessen die Zusammenarbeit mit China im Sinn einer Kooperation mit allen wichtigen Mächten fort – und als ihm der stetige Druck aus dem Westen zu bunt wurde, da schimpfte er in der Financial Times, er lasse sich auf dessen »starkes Vorurteil gegen China« nicht ein. Nun floss zuletzt aber, weil in der Volksrepublik die Wirtschaft nicht ganz rund läuft, etwas weniger Gelder von dort – und prompt fragten einige, ob Vietnam es nicht geschickter angestellt habe, indem es, statt gegen den Westen zu wettern, Biden den roten Teppich ausgerollt habe. Nur wenn man dies tue, müsse Xi auch wirklich liefern: So lautet die Quintessenz.

Was allerdings geschieht, wenn man sich dem Westen allzu sehr annähert, das zeigt sich zur Zeit auf den Philippinen. Das Land hat den Versuch, den Einfluss äußerer Mächte sorgsam auszutarieren, vor rund zwei Jahren aufgegeben und sich einseitig an die USA gebunden. Seitdem eskaliert sein Streit mit China um einzelne Inseln im Südchinesischen Meer brandgefährlich. Am Montag enterte die chinesische Küstenwache zum ersten Mal ein Boot der philippinischen Marine, das sich einem konfliktträchtigen Riff näherte, und beschlagnahmte laut Angaben aus Manila Waffen und weiteres Gerät. Auf Unterstützung aus Washington setzend, halten die Philippinen – als einziges Land Südostasiens – am Konfrontationskurs fest. Als neuer Frontstaat setzen sie auf profitable Unterstützung aus den USA sowie verbündeten Staaten wie Japan – eine Wette mit ungewissem Ausgang. Klar ist nur: Gerät die Eskalation außer Kontrolle, dann werden diejenigen Regionen der Philippinen, in denen die USA ihre Militärbasen errichten, zu einer der ersten Zielscheiben für chinesische Raketen.

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