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Aus: Ausgabe vom 17.06.2024, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Worte verstummen

Zu jW vom 13.6.: »Eine progressive Stimme weniger«

Dass Clare Dalys klare Worte in Brüssel nicht mehr zu hören sein werden, ist eine traurige Nachricht. Ich werde sie sehr vermissen. Sie war eine Europaabgeordnete, auf die man stolz sein konnte. Und eine, die auf sich stolz sein und bleiben kann.

Joachim Seider, Berlin

»Wahltag ist Zahltag«

Zu jW vom 13.6.: »Pistorius will dich!«

Vielleicht sollte die SPD-Bundestagsfraktion auch eine Fragebogenlösung zur Abwahl des Problembären Nochbundeskanzler Olaf Scholz schaffen. Nach der gerade verlorenen Wahl zum EU-Parlament, wo Scholz bekanntlich von vielen Plakaten im Wahlkampf den mündigen Wählern und Nichtwählern zugrinste. Insofern sollten sich alle SPD-Bundestagsabgeordneten sehr genau überlegen, ob sie sich weiter in Geiselhaft von Scholz nehmen lassen wollen und so die Hälfte der Abgeordnetenmandate und -diäten verlieren, oder ob die mündigen Fraktionsmitglieder spätestens mit den auch in Thüringen, Brandenburg und Sachsen im September verlorengehenden Landtagswahlen auf den Parteijoker Boris Pistorius setzen. Die Beliebtheit von Pistorius im Wahlvolke sollten die SPD-Bundestagsabgeordneten nutzen, ihre Abgeordnetenmandate zu retten: Wahltag ist Zahltag. Denn jeder ist sich selbst der Nächste. Olaf Scholz ist schon seit Jahren eine Belastung für Partei und Bundestagsfraktion. Der Hamburger Warburg-Bank-Skandal wird jeden Tag zu einer größeren Belastung. Der Rücktritt des Nochbundeskanzlers ist bekanntlich nur eine Frage der Zeit.

Recht hat SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert, dass die Ampelkoalition den Anschluss an Teile der Gesellschaft – nämlich der Arbeitnehmer-, Rentner- und Studenten- sowie Schülerfraktion usw. im Lande – deutlich verloren hat. Mit anderen Worten: Das SPD-Projekt 18 Prozent ist gescheitert, die Richtung bei der kommenden Bundestagswahl geht auf zehn Prozent zu. Eindeutig ist dies ein deutliches Misstrauensvotum für den Nochbundeskanzler Olaf Scholz. Voraussichtlich wird die Ampelkoalition platzen, die ständigen Streitereien mit Christian Lindners FDP und der Flintenwaffenlobbyistin Marie-­Agnes Strack-Zimmermann, die ihren Colt schon wieder durchgeladen hat, würden beispielsweise einen klugen künftigen Kanzler Boris Pistorius sicher dazu veranlassen, eine Koalition aus Union, SPD und Grünen zu bilden. So könnten die beiden politischen Tagträumer in Schach gehalten werden und der Lebenstraum von Friedrich Merz, wenigstens Vizekanzler zu werden, doch noch in Erfüllung gehen. Übrigens seine allerletzte Chance.

Klaus Jürgen Lewin, Bremen

Schukow macht das schon

Zu jW vom 7.6.: »Antirussische Koalition feiert sich«

Da hat es sich der Sepp (Stalin) doch etwas zu einfach machen wollen mit der Befreiung Europas. Dieses Verdienst steht ihm nicht zu, wie wir lesen und hören können: »Heute vor 80 Jahren startete mit dem D-Day die Befreiung Europas«, schrieb der Tagesspiegel. Okay, Stalin hat allerdings schon einige Jahre zuvor seine Mitstreiter die mühevolle Wanderung von der Wolga aus durch das russische Europa bis nach Polen machen lassen, Übernachtung unter freiem Himmel, weil alle (Jugend-)Herbergen verwüstet waren, und er beklagte sich fortlaufend wegen fehlender Unterstützung, weil die Briten und die Amerikaner vorerst lieber zu Hause bleiben wollten. Wer wollte sich schon von den Panzern der Wehrmacht in Kursk zermalmen lassen! Bekannt ist ja der Satz des US-Senators und späteren Präsidenten Harry S. Truman: »Wenn wir sehen, dass Deutschland gewinnt, sollten wir Russland helfen, und wenn wir sehen, dass Russland gewinnt, sollten wir Deutschland helfen, und auf diesem Wege, lassen wir sie so viele wie möglich töten.«

Stalin hat nach immer wieder hinausgeschobenen Versprechungen, die zweite Front zu öffnen, zu Schukow gesagt, dass letztlich auch die eigenen Kräfte reichen würden, um Hitlerdeutschland zur Strecke zu bringen. Das hätten sie zweifellos auch geschafft. Allerdings verfolgte man sowohl in Washington als auch in London eigene Interessen, wie sich bald darauf im Kalten Krieg zeigen sollte. Ein weiteres Lavieren verbot sich. Europa unter Iwans Kommando? Ich bitte Sie. Deshalb ist es nur logisch, dass Putin nicht zur Feier eingeladen wurde. Immerhin musste befürchtet werden, dass das ihn begleitende Personal das Terrain peilen würde, damit der Vorstoß zum Atlantik nach nunmehr 80 Jahren nachgeholt werden kann.

Hans Schoenefeldt, per E-Mail

Gar nicht so gut angebunden

Zu jW vom 6.6.: »Kuscheln mit Kriegsgerät«

Mir als unmittelbaren Anlieger des Flughafens BER geht es gehörig auf den Geist, wenn hier jetzt täglich nahezu alle Teilnehmer am »Flying Display« militärischer Natur sind. Der ausufernde Gestank nach verbranntem Kerosin, der Lärm sind das eine. Jedoch wird mit fliegendem Kriegsgerät die »Kriegstüchtigkeit« der NATO demonstriert, und die Bundeswehr als größter Aussteller macht den Slogan »Werben fürs Sterben« deutlich sicht- und hörbar. Und Krieg wird hier zum Volksfest, wenn am Wochenende sicherlich wieder Tausende aufs ILA-Gelände strömen. Da ist sicherlich auch genügend potentielles Kanonenfutter dabei. Die paar zivilen Flüge mit einem A 321 fallen kaum ins Gewicht, der Rest ist halt rein militaristisch. Modernstes Gerät wie die F-35 A, die ja durch die Bundeswehr für die nukleare Teilhabe beschafft wird, zeigt, was es kann, der »Eurofighter« ebenso, dazu kommt jeden Nachmittag das »Bundeswehr Joint Scenario« mit diversen Hubschraubern. Die ILA wirbt mit klimaneutralem Fliegen, will also »grüner« werden. Ja, sicherlich grün, aber deutlich olivgrün. Der Flughafen BER liegt unmittelbar an Berlin – Berlin trug einmal den Titel »Stadt des Friedens«. Jetzt ist Berlin (wieder) »Stadt der Kriegsvorbereitung und des Militarismus«, ja eigentlich schon »Hauptstadt des Krieges«.

Andreas Eichner, Schönefeld

Clare Daly war eine Europaabgeordnete, auf die man stolz sein konnte.

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