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Aus: Ausgabe vom 13.06.2024, Seite 4 / Inland
Studentische Organisation

AStA gegen Fachschaft

Universität Münster: »Lange Nacht der Bildung« wegen Antisemitismusvorwürfen unter Beschuss
Von Annuschka Eckhardt
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Gegen ihn hetzen Presse und Israel-Lobbyorganisationen: Wieland Hoban (Essen, 20.1.2024)

Langeweile im Hörsaal? Der treten die Fachschaften Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Münster entgegen, indem sie die »Lange Nacht der Bildung« organisieren. »Dreizehn Vortragende konnten wir für die diesjährige Veranstaltung gewinnen, von Postkolonialismus, über den Kampf gegen rechts bis hin zu Vorträgen zu aktuellen Konflikten ist alles dabei«, so die Fachschaft, deren Arbeitskreis »Lange Nacht der Bildung« im März begann, das Event zu organisieren. Am Mittwoch sollte unter anderem Wieland Hoban, Vorsitzender des Vereins »Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost«, zum Thema »Der Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart« reden. Der junge Welt-Autor Jakob Reimann widmet sich der Frage: »Wie viel Imperialismus steckt in der deutschen Außenpolitik?« Auch die migrantisch-feministische Gruppe »Zora« aus Berlin war für einen Redebeitrag eingeladen worden.

Leider passte die im Mai vorgestellte Rednerliste nicht allen – das »Junge Forum der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft« in Münster diffamierte die Veranstaltung als »Lange Nacht des Israelhasses«, die Studentenvertretung AStA und die bürgerliche Presse sprangen auf den Hetzzug auf.

»Besonders umstritten sind die Auftritte von Wieland Hoban und Jakob Reimann, die laut Jungen Forum für ihre Israelkritik und Verharmlosung von Terrorismus bekannt seien. Die Gruppierung ›Students for Palestine‹, deren Mitglieder laut des Jungen Forums weitgehend mit der als antisemitisch geltenden Gruppierung ›Palästina Antikolonial‹ identisch seien, soll ebenfalls sprechen«, schrieb Münster Aktuell am vergangenen Donnerstag. »Redner-Liste sorgt für ›Entsetzen‹ – AStA droht mit Veranstaltungsverbot« titelten die Westfälischen Nachrichten am Samstag. »Der Referent Jakob Reimann ist seit langem für seine obsessive Hetze gegen Israel bekannt«, schrieb das Junge Forum auf Instagram. »Publizieren tut er unter anderem in der linksextremen Zeitung junge Welt«, so die Israel-Lobbyorganisation, die zu einer Gegendemonstration zur Bildungsveranstaltung aufgerufen haben.

Der AStA forderte die Fachschaften mit Verweis auf den BDS-Beschluss des Studierendenparlaments dazu auf, die Veranstaltung abzusagen. Maurice Schiller, zweiter Vorsitzender des AStAs, ging so weit, im Artikel der Westfälischen Nachrichten zu behaupten: »Wir haben den Fachschaften untersagt, die Veranstaltung durchzuführen, sollte es keine Änderungen an der Rednerliste geben«.

Diese Entscheidungsbefugnisse hat der AStA zwar nicht, trotzdem wurde »Zora« ausgeladen. »Nach fachschaftsinternen, konfliktreichen Gesprächen ist die Gruppe ›Zora‹ schließlich ausgeladen worden, eine Erklärung wird wohl erst nach einem Reflexionsprozess folgen«, äußerte sich der Arbeitskreis »Lange Nacht der Bildung« am Mittwoch auf jW-Anfrage. »Einige der eingeladenen Redner sagten aufgrund der Kontroversen ab«, so der Arbeitskreis der Fachschaften. »Die Repressionen gegen unser Projekt bedeuten eine starke Einschränkung des Rechts auf studentische Selbstverwaltung und eine Einschränkung der Meinungsfreiheit.« Die Universität komme ihrem Auftrag, freie und kritische Bildung zu fördern, nicht nach. »Es wird versucht, eine Erweiterung des Diskurses um kritische Stimmen zu verhindern.«

Finanziell unterstützt wird die »Lange Nacht« seit vielen Jahren vom Förderverein des Instituts für Politikwissenschaften. Auch die Veranstaltung am 12. Juni wollte er zunächst unterstützen. Diese Zusage zog er zurück. »Im Einvernehmen mit der Fachschaft« habe man beschlossen, dass sie in diesem Jahr »autonom/eigenständig von der Fachschaft« finanziert werde.

»Die Angriffe der ›Deutsch-Israelischen-Gesellschaft‹ und ihrer Mitläufer sind vollkommen vorhersehbar. Sie zeigen, wie dringend es ist, über den Missbrauch des falschen Antisemitismusbegriffs zur Rechtfertigung israelischer Greueltaten aufzuklären«, sagte Wieland Hoban am Mittwoch gegenüber junge Welt. Insofern seien die Angriffe auch eine gute Werbung für die Veranstaltung.

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