3000 Abos für die Pressefreiheit!
Gegründet 1947 Freitag, 26. Juli 2024, Nr. 172
Die junge Welt wird von 2849 GenossInnen herausgegeben
3000 Abos für die Pressefreiheit! 3000 Abos für die Pressefreiheit!
3000 Abos für die Pressefreiheit!
Aus: Ausgabe vom 07.06.2024, Seite 8 / Ansichten

Passend gemacht

Gedenktag in der Normandie
Von Arnold Schölzel
80__Jahrestag_des_D_82321489.jpg
Gedenken zum 80. Jahrestag der Landung in der Normandie

Die Feststellung, dass die Rote Armee den Krieg mit Deutschland gewonnen hat, schmälert nicht die Würdigung der Befreier aus allen Staaten der Antihitlerkoalition, aus der französischen Résistance, der griechischen, jugoslawischen oder italienischen Partisanen, der Widerstandskämpfer in allen vom deutschen Faschismus besetzten Staaten. Wenn umgekehrt der Anteil der Sowjetunion am Sieg aber verleugnet, ignoriert oder wie am Donnerstag durch den französischen Präsidenten ausdrücklich auf die Ehrung sowjetischer Mitkämpfer in der Résistance durch diplomatische Vertreter ehemaliger Sowjetrepubliken verzichtet wird, dann ist das nicht praktische Geschichtsklitterung. Über die ist der kollektive Westen längst hinaus.

Die im Kalten Krieg westlich der Elbe in Europa und in Nordamerika ins Alltagsbewusstsein gepflanzte Legende, der 6. Juni 1944, nicht die Niederlagen der Wehrmacht vor Moskau und in Stalingrad seien der Anfang vom Ende des deutschen Faschismus gewesen, wird noch wachgehalten, steht aber nicht im Vordergrund. Heute geht es um Mobilisierung, um materielle und subjektive Kriegstüchtigkeit gegen Russland. Es geht um die Bereitschaft, zugunsten von Rüstung jeden Reallohnverlust, jede Rentenkürzung und jede Streichung sozialer Einrichtungen hinzunehmen. Die Devise lautet: Je mehr selbstverschuldete Inflation, Staatsversagen in Bildungs- oder Gesundheitswesen, je mehr kapitalistische Krise, desto schriller die Propaganda gegen den angeblich einzigen Verursacher von all dem. Da wird zum Beispiel zwar russisches Gas über die Ukraine und die Türkei nach wie vor nach Westeuropa geliefert, soll die Sprengung der Ostseepipeline vor fast zwei Jahren dem Vergessen übergeben und die Umstellung aufs US-Frackinggas beschwiegen werden, ist jeder deutsche Rundfunkmoderator verpflichtet, bei Erwähnung der Energiepreisexplosion ab Mitte 2021 vom »russischen Angriffskrieg« zu reden. Der vom Westen organisierte Putsch in Kiew 2014 und der von ihm getragene Krieg gegen die Ostukraine ist inzwischen im Propagandasprech zur »ersten russischen Aggression« gegen die Ukraine geworden. Vor zehn Jahren wurde Wladimir Putin zwar noch zu den Gedenkfeiern am 6. Juni in die Normandie eingeladen, aber von dort zu den Minsker Abkommen »an der Nase geführt«, wie er am Mittwoch sagte.

2024 kam Wolodimir Selenskij an seiner Stelle, der Repräsentant eines Landes, in dem nun schwere deutsche Waffen im Schatten Dutzender Bandera-Denkmäler russisches Territorium beschießen sollen. Das passt. Je mehr der Faschistenkult in Selenskijs Machtbereich um sich greift, desto nötiger ist es, den NATO-Stellvertreterkrieg gegen Russland antifaschistisch zu tünchen. Wenn Biden und Scholz nun faktisch Putin zu Hitler erklären, setzen sie das, was sie mit ihrem »Feuer frei!« für Kiew entschieden haben, lediglich mit propagandistischen Mitteln fort.

Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren. Denn nicht allen lernen die junge Welt kennen, da durch die Beobachtung die Werbung eingeschränkt wird.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!

Ähnliche:

  • Der einzig wahre Pass. Ein Mann mit sowjetischem Ausweis beim Re...
    18.05.2024

    In die Separation geführt

    Vom Volksaufstand zur »Spezialoperation«. Vor zehn Jahren entstanden die »Volksrepubliken« Donezk und Lugansk
  • Im »Museum des Territoriums des Terrors« in Lwiw werden ehemalig...
    11.05.2024

    Gagarin hinter Stacheldraht

    Von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer: Wahrzeichen der Sowjetunion und des Sieges über den Faschismus abgerissen und ihrer Bedeutung beraubt
  • Eine deutliche Botschaft, die sich viele in der Linkspartei vor ...
    26.04.2024

    Zurück zu den Wurzeln

    Die Linkspartei muss wieder eine Friedenskraft werden – mit erkennbar sozialistischem Profil. Die Spaltung durch das BSW hat dabei nicht geholfen, nur geschadet

Mehr aus: Ansichten