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Aus: Ausgabe vom 06.06.2024, Seite 8 / Ansichten

Angezogene Bremse

Warnungen vor neuen Temperaturrekorden
Von Wolfgang Pomrehn
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Handtuch als Hitzeschutz in Neu-Dehli (28.5.2024)

Es wird immer wärmer. Heißer. Der Klimawandel schreitet zusehends voran, und er ist alles andere als ein harmloser Prozess. Wir stehen am Beginn einer planetaren Krise, die sich unter anderem in einem großen Artensterben ausdrückt, wie es seit vielen Millionen Jahren keines mehr gegeben hat. Ein Artensterben, das etwa die Spielräume für die Welternährung gefährlich verengen wird. Auch für den Alltag der Menschen hat die Klimakrise bereits heute dramatische Folgen. Wieder und wieder werden zum Beispiel Süd- und Südostasien von Hitzewellen heimgesucht, die selbst für diese Regionen extrem sind. In Neu-Delhi kletterte am Dienstag vergangener Woche das Thermometer auf fast 50 Grad Celsius, in der südpakistanischen Stadt Mohenjo-Daro waren es sogar etwas über 52 und beinahe ein neuer Landesrekord. Temperaturen, die vermutlich für Tausende tödlich waren. Jenseits der 35–36 Grad Celsius wird es für Menschen gefährlich, und zwar je feuchter die Luft, desto mehr. Besonders betroffen sind Menschen, die im Freien arbeiten müssen, sowie Kinder und Alte. Die Baustellen in den Emiraten am Persischen Golf, im Sommer eine der heißesten Regionen der Erde, sind berüchtigt für ihre zahlreichen Todesopfer aufgrund von Hitze.

Und es wird schlimmer. Datenauswertungen im Rahmen des EU-Klimaprogramms »Copernicus« belegen, dass die zurückliegenden zwölf Monate im Mittel um 1,63 Grad Celsius wärmer als der Durchschnitt der Vergleichsmonate in den Jahren 1850–1900, der vorindustriellen Referenzperiode, waren. Das war deutlich wärmer als jede bisherige Zwölfjahresperiode. Entsprechend haben wir mit 2023 gerade das mit Abstand wärmste Jahr in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen hinter uns, doch schon heißt es im am Mittwoch veröffentlichten Ausblick der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), dass mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits in den nächsten fünf Jahren ein neuer Temperaturrekord zu erwarten sei. Wie es aussieht, ist die Menschheit auf dem besten Wege, die mit dem Pariser Klimaschutzabkommen aufgelegte Latte zu reißen. Die globale Erwärmung solle möglichst auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau beschränkt werden, war 2015 von den Regierungen vereinbart worden.

Doch in den alten Industriestaaten betreibt man den Klimaschutz weiter mit angezogener Handbremse. Auch hierzulande. Statt Energie- und Verkehrswende voranzutreiben, werden LNG-Terminals für Frackinggas gebaut, die Bahn weiter ausgeblutet und munter Geldgeschenke an Energiekonzerne verteilt. Dieser Tage bekam die LEAG, der Vattenfalls Braunkohlegeschäft in Ostdeutschland einst geschenkt wurde – inklusive zusätzlicher fast zwei Milliarden Euro für die Rekultivierung –, weitere 1,75 Milliarden Euro vom Fiskus hinterhergeworfen. Gezahlt als »Entschädigung« für das Stillegen eines maroden, längst abgeschriebenen Großkraftwerks. Deutsche Klimaschutzpolitik im Jahre 2024.

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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

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