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Hubschraubereinsatz!

Von Andreas Gläser
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Es brennt: Cottbus bejubelt seinen Aufstieg in die dritte Liga (19.5.2024)

Was für ein Pfingstsonntag im Kiez meiner Kindheit. Letzter Spieltag in der viertklassigen Regionalliga Nordost. Im Cantianstadion spielte zwar weder Vorwärts noch Dynamo, doch Hertha II sollte Energie Cottbus empfangen. Würde die kleine Hertha für die Sensation sorgen können und die Lausitzer tollschocken, damit im fernen Greifswald die Meisterschaft und der Aufstieg in die dritte Bundesliga bejubelt werden könnte?

Mindestens zwei Drittel der 10.000 Zuschauer schienen daran keinen Gedanken zu verschwenden, dass ihre Elf den letzten notwendigen Punkt erringen wird, denn die Auftritte waren spätestens seit dem 1. April solide, inklusive der Siege über die Tabellennachbarn Greifswalder FC und BFC Dynamo. Im Prenzlauer Berg dominierte das Rot-Weiß der Energie-Fans. Familiär und friedlich ging es zu. Es gab keine Gegenveranstaltung. Trotzdem war der Straßenbahnverkehr von den Sicherheitsorganen lahmgelegt worden. Am Himmel lärmte ein Hubschrauber vor sich hin. Es hatte was von einer Übung für die kommende Europameisterschaftsendrunde, nur halt ohne einen unsportlich agierenden Mob irgendeines Gegners.

Im Stadion herrschte gute Laune. Ein beliebtes Fotomotiv waren die nahe der Max-Schmeling-Halle grasenden Schafe. Das Bier kostete unfaire fünf Euro, die Schandbulette war ohne Zwiebeln. In der zehnten Spielminute hätte Hertha einen Handelfmeter zugesprochen bekommen müssen, doch der Linienrichter zuckte mit den Schultern, eine weitere offizielle Beobachterin stand eher zur Dekoration da. Ein neben uns Feiernder hatte die fragliche Szene auf dem Handy und zeigte sie den unterschiedlichen Fans, die alle derselben Meinung waren: klarer Elfer! Der kleinen Hertha schien der Zahn gezogen worden zu sein.

Wenige Minuten später erzielte Cottbus die Führung. Die Normalität nahm ihren Lauf. Der Stadionsprecher sagte das Tor nicht an, auch nicht das zweite zum 0:2, acht Minuten später. Dafür salbaderte er vom vermutlich ausverkauften Stadion. Der Schiedsrichter wollte kein Spielverderber sein, er ahndete das hohe Bein eines Cottbusers gegen einen Herthaner nicht mit Gelb. Die zweite Halbzeit verlief unspektakulär.

Die spannendsten Fragen lauteten: Warum sind auf der Haupttribüne alle Zugänge zu den Toiletten verschlossen und wo ist Rumpelstilzchen Claus-Dieter Wollitz? Der für die Bank gesperrte Gästetrainer müsste doch unter uns auf der Haupttribüne auszumachen sein. Die Auflagen besagten, dass er auch nach dem Abpfiff ein halbes Stündchen warten müsse, bevor er den Platz betritt. Das Fanvolk jubelte also erst einmal ohne den Trainer auf dem Rasen. Voll das sichere Konzept, Alter! Greifswald gewann 4:1 gegen Meuselwitz. Amen.

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