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Aus: Ausgabe vom 17.05.2024, Seite 8 / Ansichten

Kartoffelzionist des Tages: Edgar aus Halle

Von Annuschka Eckhardt
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Feuchter Traum von Toy Goi Edgar: Strammstehen und Salutieren

Deutsche, die Genozid geil finden, sind ja nix Neues. Der Kartoffelzionist Edgar aus Halle bettelt buchstäblich darum, einem Völkermord aktiv beiwohnen zu dürfen. Edgar mit dem Mottentattoo am Hals kampiert seit einer Woche vor der Knesset in Jerusalem, um bei den israelischen Streitkräften aufgenommen zu werden und in Gaza zu morden. Das Problem: Edgar ist weder Israeli noch Jude. Auf seinem Instagram-Profil steht neben seinem Namen in Fraktur: nicht jüdisch, aber entschlossen, ein Emoji mit gekreuzten Schwertern soll wohl Kriegstüchtigkeit ausdrücken. Fleißig teilt der Toy Goi eine Art Campingtagebuch mit seinen sage und schreibe 711 Followern, ein tägliches Foto von ihm vor dem Regierungssitz. »Alles Gute zum Unabhängigkeitstag, Israel! Während wir diesen bedeutenden Anlass feiern, bin ich voller Stolz und Dankbarkeit für die bemerkenswerten Errungenschaften unserer Nation« (im Hintergrund läuft die israelische Nationalhymne). Stopp mal, wessen Nation bitte, lieber deutscher Edgar? »Gestern konnte ich nicht posten, weil ich zum Innenministerium gehen musste, um mein Touristenvisum zu verlängern. Leider hat man mir einen Termin für Juni gegeben, aber mein Visum läuft Ende Mai ab.« Edgar, Du bist unerwünscht, geh woanders morden!

Kleiner Tipp: Wie wäre es mit Konversion? Schnipp, Schnapp, schon ist Edgars Vorhaut ab. »Was passiert, wenn man schon beschnitten ist, aber zum Judentum konvertieren möchte? Man kann ja nicht zweimal beschnitten werden, oder?« fragt Elijah im Forum »Religionen entdecken«. Spoileralarm: Doch, Mann kann mehrmals beschnitten werden oder es wird in den Penis gepikst, bis ein Blutstropfen rausläuft. Ein antideutscher Schwanz ruft nach Gründlichkeit bis zum Ansatz. Die Nebenwirkung ist allerdings schwer entzündlich, das mit der Masturbation auf Videos von mordenden Soldaten wird derjenige in dem Fall erst mal bleiben lassen.

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