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Schwimmen im Tal der Tränen

Von Gabriele Damtew
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Es darf gefeiert werden: St. Pauli ist auf Aufstiegskurs in die erste Bundesliga und damit nicht länger Fall für diese Kolumne

Welcome back VfL! Was die »Unterklassen« natürlich nur so sagen, um einer üblen Sache etwas Positives abzugewinnen. Abstiege sind grausam. Nach nur einer Spielzeit in der zweiten Bundesliga steht der VfL Osnabrück als Abstiegskandidat in die dritte Liga fest. Hart, wo es nicht viel mehr gibt als einen wunderschönen Naturpark und die »Joe Enochs Sportsbar«. Sorry, Guys.

Zweiter heißer Anwärter auf ein Rendezvous mit der dritten Fußballherrlichkeit ist Hansa Rostock, das aber noch die Chance des letzten Spieltages nutzen kann und sich mit dem zweiten letztjährigen Aufsteiger Wehen Wiesbaden um den Relegationsplatz keilen darf – im Fernduell. Wobei ungewiss ist, ob Wiesbaden mit St. Pauli, dessen Himmelfahrt ins Oberhaus seit Sonntag feststeht, wohl den schwereren Gegner erwartet als die Hansa mit Paderborn. Denn auf dem Kiez und in der Mannschaft soll laut Paulis Präsident Oke Göttlich bis Dienstag mit Spirituosen gefeiert werden dürfen. Durchgängig, nimmt man bei solch dreifaltigem Segen an.

Der SV Elversberg, dritter und als Meister der Saison 22/23 eigentlich erster Aufsteiger in die zweite Liga, hat sich im dortigen Mittelfeld auf Platz elf punktgleich hinter Schalke 04 eingeordnet und ordentlich geschlagen. Das Saarland lebt und bebt. Aufsteiger Ulm aus der Regionalliga hat es in dieser Saison ebenso über­raschend nachgemacht und den Durchmarsch geschafft. Preußen Münster und Jahn Regensburg kämpfen noch um den direkten Aufstieg.

Entscheidungen über Aufstieg oder Abstieg werden normalerweise nicht am letzten Spieltag gefällt, sondern über die Saison hinweg. Doch gerade zum Schluss sind die Spiele hitzig, es geht um jeden Punkt. Deshalb sollten DFB und DFL überlegen, ob nicht auch Ansetzungen des vorletzten Tages der Saison gleichzeitig stattfinden. Manches grenzte an Wettbewerbsverzerrung, gerade in der dritten Liga. Arminia Bielefeld und Kellerkandidat Hallescher FC trennten sich nach einer kämpferischen Partie letztlich torlos. Hilflos mussten der HFC und seine Fans der zweieinhalb Stunden später stattfindenden Ansetzung zwischen dem ebenso abstiegsbedrohten Waldhof Mannheim gegen das sanft im Sternenstaub der Liga schwebende Sandhausen lauschen. Der Waldhof setzte auf volles Risiko und Adrenalin, und lag schon zur Pause 4:0 in Führung – Endstand 4:2, Klasse gesichert.

Halle ist damit nach zwölf Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit zur dritten Liga in die Regionalliga Nordost abgestiegen, und schwimmt im Tal der Tränen. Arminias scheidender Kapitän Stefan Klos, Rekordspieler und -torjäger, kann seine Gesichtsmaske nach 13 Jahren Zugehörigkeit zum Verein ans Museum der Arminia spenden.

Dynamo Dresden, mit all seinen lange Zeit berechtigten Hoffnungen auf den Aufstieg, bleibt den Unterklassen ebenso erhalten wie Erzgebirge Aue. Beide bestreiten noch das Finale im sächsischen Landespokal. Es bleibt abzuwarten, wer den vierten Tabellenrang für die direkte Teilnahme am DFB-Pokal erobern wird und wer sich über den Pokal qualifiziert.

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