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Aus: Ausgabe vom 14.05.2024, Seite 6 / Ausland
Korea

Vorwurf der Goebbelsschen Propaganda

DVRK: Auf Tod von Parteikader reagieren südkoreanische Medien gewohnt feindselig
Von Martin Weiser, Seoul
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Abschied von altgedientem Mitstreiter: DVRK-Staatschef Kim Jong Un bei der Beerdigung von Kim Ki Nam (Pjöngjang, 9.5.2024)

Fast sechzig Jahre lang hat er die Politik der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) geprägt: Am 7. Mai ist Kim Ki Nam gestorben. Bereits in den Sechzigern war er Vizedirektor der Propagandaabteilung des Zentralkomitees (ZK) der Arbeiterpartei Nordkoreas, 1985 dann ihr Direktor und von 2010 bis 2016 zusätzlich als Sekretär des ZK verantwortlich für Propaganda und Agitation.

Wie in der Vergangenheit bei ähnlichen Fällen, reagierte Südkorea eher feindlich auf die Todesmeldung. Mit einer einzigen Ausnahme hoben alle wichtigen Medien hervor, dass Kim Ki Nam auch der »Goebbels Nordkoreas« genannt werde – ohne zu erwähnen, von wem genau. Allein die Zeitung Hankyoreh, die seit jeher respektvoll mit dem Norden umgeht, verzichtete auf diese Beleidigung. Die Tatsache, dass Kim Ki Nam bei einem Besuch in Seoul 2005 auch den Nationalfriedhof besucht hatte, um der Opfer des Koreakriegs im Süden zu gedenken, wurde entsprechend wenig gewürdigt. 2009 nahm Kim Ki Nam auch an der Beerdigung des südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung teil. Südkoreas Regierung war im Gegensatz dazu weder bei der Beerdigung von Kim Il Sung 1994 noch bei der von Kim Jong Il 2011 zugegen.

Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender KBS setzte in seinem Bericht zur Todesmeldung noch einen drauf. Kim sei dafür verantwortlich, dass den Leuten im Norden eingetrichtert werde, der Staatsgründer Kim Il Sung habe »magische Fähigkeiten« – zum Beispiel: Sand in Reis zu verwandeln, Kienäpfel in Granaten oder auf einem einzigen Blatt Flüsse zu überqueren. Diese Pointen von Guerillalegenden über Kim Il Sung sind im Norden bestens bekannt, allerdings werden sie dort nicht als »Wahrheit« gepredigt. Sogar in Kinderbüchern wird darauf hingewiesen, dass die einfachen Leute die Erzählungen über die Guerillakämpfer gegen die japanische Besatzung mit magischen Details ausschmückten. Manchmal sind es in den Erzählungen sogar nur die verdutzten japanischen Soldaten, die sich die Siege der Guerillas oder deren plötzliches Verschwinden nur mit Magie erklären können.

Dieser Vorwurf gegen den sozialistischen Norden findet sich bereits seit den Siebzigern in Südkorea, nachdem die mit dem Geheimdienst verbandelte staatliche Nachrichtenagentur Naewoe News diese Lüge in die Welt gesetzt hatte. Frei nach dem Motto: »Wenn man eine große Lüge erzählt und sie oft genug wiederholt, dann werden sie die Leute glauben.« Dieser Satz wird zwar Joseph Goebbels gerne zugeschrieben, stammt höchstwahrscheinlich aber nicht von ihm.

All das wäre eine rein südkoreanische Angelegenheit, würden die New York Times und einer ihrer Journalisten in Seoul nicht ebenfalls stetig dasselbe behaupten. In einem seiner ersten Texte für die Zeitung im April 2005 machte Choe Sang Hun, seit Jahren Chef des Seouler Büros, diese Volkserzählungen bereits zur Wahrheit. Und auch dieses Mal hieß es in der New York Times, »laut Schulbüchern und Fernsehcartoons« könnten die Führer der DVRK Kienäpfel in Granaten verwandeln.

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