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Aus: Ausgabe vom 14.05.2024, Seite 4 / Inland
IT-Sicherheit

Warnung vor Banden und »Hacktivisten«

Bundeslagebild »Cybercrime 2023«: Anstieg bei anonymen oder ausländischen IT-Angriffen
Von Marc Bebenroth
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Angreifer müssen dank professionalisierter Strukturen kaum noch selbst Code lesen können (Symbolbild, 11.2.2024)

Das Bundeskriminalamt (BKA) will nicht so recht Entwarnung geben: Die Zahl der Straftaten sogenannter Cyberkriminalität in Deutschland sei »leicht rückläufig«, heißt es in dem am Montag in Wiesbaden vorgestellten »Bundeslagebild Cybercrime 2023«. Ein Anstieg von Delikten wurde dagegen im Bereich »Auslandsdaten« verzeichnet. Gemeint sind damit Fälle, in denen Angriffe ausländischen Akteuren zugerechnet werden. Dazu zählen für das BKA aber auch alle Fälle, in denen unklar ist, wer dahintersteckte. Die am Montag auch von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) als »hoch« bewertete »Bedrohungslage« im vergangenen Jahr sei geprägt gewesen von »hacktivistischen DDoS-Kampagnen und einer Vielzahl an Ransomware-Angriffen«.

Mit »hacktivistischen DDoS-Kampagnen« oder Überlastungsangriffen ist das ideologisch oder politisch motivierte Fluten von IT-Systemen mit unzähligen Anfragen pro Minute gemeint, um sie in die Knie zu zwingen. »Ransomware« nutzen Angreifer, um infizierte IT-Systeme zu verschlüsseln und die Opfer zur Zahlung von Lösegeld zu erpressen. Für eine Bezifferung der angeblich angerichteten Schäden stützt sich das BKA auf Angaben des Lobbyverbands Bitkom e. V. Der spricht für 2023 von 205,9 Milliarden Euro. »72 Prozent davon entstanden direkt durch Cyberangriffe«, heißt es in dem 30 Seiten langen Papier.

Neben »finanzstarken Unternehmen« standen laut BKA 2023 auch »Einrichtungen und Institutionen mit hoher Öffentlichkeitswirksamkeit« im Fokus von Angreifern. Auch »leicht verwundbare kleine und mittelständische Unternehmen« waren demnach »stark betroffen«. Die Behörde geht von einem hohen Dunkelfeld aus, da »solche Straftaten« laut Studien »nur in einem von zehn Fällen zur Anzeige« gebracht würden.

Konkret benennt das Lagebild vor allem diverse »prorussische« Akteure, die »gegen die Ukraine und ihre Unterstützerstaaten« vorgehen. Aber auch »antiisraelische Hacktivisten« sollen Ziele in der BRD angegriffen haben. Die Lektüre verrät allerdings, dass oft private Anbieter Sicherheitsrisiken erst geschaffen hatten, deren Programme für eine angeblich sichere Handhabung von Daten Schwachstellen enthielten. Über einen Fall schreibt das BKA: »Weltweit sollen Tausende Systeme gegen die Schwachstelle ungeschützt gewesen sein, darunter in Deutschland im dreistelligen Bereich.« Auf die Anbieter fällt das mangels Haftungsregelung nicht zurück. Das Papier endet mit der Feststellung, dass »die (polizeilichen) Handlungsmöglichkeiten« gestärkt werden müssten.

Dabei treibt das BKA selbst Schindluder mit den Daten der Bevölkerung. So nutzte es rund fünf Millionen Gesichtsbilder aus der Datenbank ­INPOL-Z, um sie für den Vergleich mehrerer Softwareprodukte zur Gesichtserkennung zu nutzen. Das ergaben BR-Recherchen, wie der Sender am 10. Mai berichtet hatte. Die Fotos von etwa drei Millionen Menschen seien dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung überlassen worden. Ob das rechtlich zulässig war, muss erst noch durch Gerichte festgestellt werden.

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