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Aus: Ausgabe vom 11.05.2024, Seite 1 / Titel
Ukraine-Krieg

Pistorius in Spendierlaune

BRD kauft in Washington Raketen für Kiew und finanziert Energienetz. Russland beginnt wohl in Charkiw Frühjahrsoffensive
Von Reinhard Lauterbach
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Zum Geschenkekauf über den Atlantik: Verteidigungsminister Pistorius (M. l.) mit seinem US-Amtskollegen Austin (Washington, 9.5.2024)

Die Bundesregierung hat ein weiteres Mal für die Aufrüstung der Ukraine in die Tasche gegriffen. Verteidigungsminister Boris Pistorius kaufte bei einem Besuch in Washington der US-Armee einen Stoß Raketen für das »Himars«-Werfersystem ab, die nun an Kiew gehen. Dessen Reichweite beträgt in den bisher an die Ukraine gelieferten Versionen bis zu 75 Kilometer. Wie viele Raketen das Paket enthält, wurde nicht mitgeteilt, nur die Kosten: ein »höherer dreistelliger Millionenbetrag« laut Bundesverteidigungsministerium.

Mehrere westliche Medien meldeten derweil unter Berufung auf den französischen Auslandssender RFI, dass Frankreich der ­Ukraine 40 Marschflugkörper des Typs »Scalp« geliefert habe. Die Waffen, die in ihrem Leistungsprofil ungefähr den britischen »Storm Shadow« entsprechen, hätten kurz vor dem Verfallsdatum gestanden, und es habe sich als viermal billiger erwiesen, sie der Ukraine zum Verschießen zu überlassen, als sie fachgerecht zu entsorgen. Der faktische Kampfwert der Raketen scheint geringer zu sein; ein Teil wird nach der Webseite Defence 24 einsatzbereit geliefert, ein anderer als ausschlachtbares Ersatzteillager. Gleichzeitig sollen die französischen Streitkräfte frische »Scalp« ab Werk bekommen.

In Kiew war am Donnerstag Bundesentwicklungsminiserin Svenja Schulze zu Gast. Sie wollte mit dem ukrainischen Infrastrukturminister Oleksander Kubrakow den sogenannten Wiederaufbaugipfel in Berlin im kommenden Monat vorbereiten, musste aber unverrichteter Dinge zurückkehren, weil Kubrakow am Tag ihrer Ankunft vom Parlament entlassen wurde. Schulze überreichte der Ukraine einen Zuschussbescheid der »Kreditanstalt für Wiederaufbau« über 45 Millionen Euro zur Instandsetzung der durch russische Angriffe beschädigten Energienetze.

Unterdessen hat Russland möglicherweise die Front für seine erwartete Frühjahrsoffensive im Raum Charkiw eröffnet. Seit dem frühen Freitag morgen melden ukrainische Quellen Vorstöße motorisierter russischer Einheiten über die Grenze nördlich der Millionenstadt. Die Entfernung von dort nach Charkiw beträgt etwa 40 Kilometer. Erste Berichte, wonach die Angriffe im Keim erstickt worden seien, wurden später nicht mehr wiederholt. Außerdem meldete die Ukraine schweren Beschuss der grenznahen Stadt Wowtschansk, etwa 70 Kilometer östlich von Charkiw. Dort scheinen russische Bodentruppen die Grenze aber nicht überschritten zu haben. Der ukrainische Sicherheitsrat kommentierte die Situation mit der Aussage, Russland habe nicht die Kräfte für einen Angriff auf Charkiw, sondern nur dazu, Unruhe im Grenzgebiet zu stiften. Am Hauptschauplatz der Kämpfe der letzten Wochen, dem Donbass, verzeichneten die russischen Truppen offenbar kleinere Geländegewinne und eroberten einige Ortschaften.

Die Ukraine griff mit Drohnen ein Tanklager in der südrussischen Kuban-Region und eine Raffinerie in der Teilrepublik Mordwinien nordöstlich von Moskau an. In beiden Fällen entstand offenbar nur Sachschaden. Der letztere Angriff fällt jedoch dadurch auf, dass die Entfernung bis zum Ziel von der Ukraine aus etwa 1.500 Kilometer beträgt. Die Ukraine arbeitet seit Monaten daran, die Reichweite ihrer Kampfdrohnen zu erhöhen. In Russland wird die Gefahr künftiger Angriffe auf das tiefe Hinterland insofern durchaus ernst genommen, als zuletzt auch im Uralgebiet – wo unter anderem die größte Panzerfabrik des Landes steht – die Flugabwehr verstärkt worden ist.

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