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Aus: Ausgabe vom 10.05.2024, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Landwirtschaft

Bauernaufstand in Pakistan

Landwirte durch politische Fehlentscheidungen bei Weizenimporten in Existenznot. Verband kündigt Massenproteste an
Von Thomas Berger
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Pakistanische Bauern mussten ihren Weizen zu Niedrigpreisen auf dem Binnenmarkt verkaufen (Feld in Peschawar)

Die Weizenkrise in Pakistan nimmt immer größere Ausmaße an. Während die Regierung in Islamabad noch sehr zögerlich scheint, die offensichtlich immensen Fehlentscheidungen der Vorgängerregierung zu korrigieren, hat der Bauerndachverband Kissan Ittehad Pakistan für diesen Freitag landesweite Massenproteste angekündigt. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es zahlreiche regionale Aktionen gegeben, vor allem in der Provinz Punjab, die wegen ihrer hohen Getreideproduktion als Brotkorb des südasiatischen Landes gilt.

Dort sind besonders viele Bauern von dem, was sie einen Skandal nennen, betroffen. Der Kernvorwurf: Zu Zeiten der Übergangsregierung, die bis kurz nach den Wahlen Anfang Februar im Amt war, wurde massiv Weizen importiert – ausgerechnet zu einer Zeit, als Pakistans Devisenreserven auf ein Minimum geschrumpft waren und in der Spitze nur noch drei Milliarden US-Dollar betrugen. Importe in dieser Größenordnung waren auch deshalb nicht sinnvoll, weil sich eine fast rekordverdächtig gute eigene Ernte abzeichnete. So konnten die pakistanischen Bauern ihren Weizen in der Folge kaum loswerden und mussten ihn zu niedrigen Preisen auf dem heimischen Markt verkaufen, da die staatlichen Aufkäufer wegen der bereits vollen Lager weit weniger abnahmen als üblich.

Allein im Punjab wurden die staatlichen Aufkaufmengen von sonst vier Millionen Tonnen pro Erntesaison halbiert. Es gebe wegen der Importe einen Überschuss von 2,3 Millionen Tonnen, so die Begründung damals. Die Lebensmittelbehörde änderte außerdem ihre Vorschriften: Mussten die Bauern bisher die Säcke für den Transport zu den Aufkaufstellen schriftlich beantragen, wurde nun dafür eine App eingerichtet. Dabei, so berichtete die Tageszeitung Dawn, habe man völlig außer acht gelassen, dass ein Großteil der Landbevölkerung »eher ungeübt« im Umgang mit solchen Attributen moderner Technik sei.

In Punjab begannen die Demonstrationen bereits Ende April. In der Regionalhauptstadt Lahore sollen seitdem bis zu 150 Aktivisten festgenommen worden sein. Die von Kissan Ittehad Pakistan organisierten Proteste werden von oppositionellen Kräften unterstützt. Vor allem die Pakistan Tehreek-e-Insaf (PTI), die Partei des inhaftierten Expremiers Imran Khan, stellt sich hinter den Bauernaufstand. Doch auch unter den Abgeordneten der regierenden Pakistan Muslim League (PML-N) von Regierungschef Shehbaz Sharif, die aus ländlichen Wahlkreisen stammen und den Druck der eigenen Basis spüren, regt sich inzwischen Unmut.

Die aktuelle Regierungsmannschaft scheint bisher kaum gewillt, die offenkundigen Fehlentscheidungen des Vorgängerkabinetts umfassend aufzuarbeiten. Shehbaz Sharif hat zwar ein kleines Team aus eigenen Gefolgsleuten ernannt, das die Affäre aufklären soll. Umfassende Ermittlungen staatlicher Stellen, die zweifellos unangenehme Befragungen der früheren Verantwortlichen bis hin zum Interimspremier Anwar ul Haq Kakar zur Folge hätten, werden aber bislang abgelehnt. Laut Khalid Khokhar, Präsident des Bauerndachverbandes Kissan Ittehad Pakistan, hätten sich die Importe auf 277 Milliarden Rupien (eine Milliarde US-Dollar) belaufen. Der gesamtwirtschaftliche Schaden liege aber sogar bei 400 Milliarden Rupien.

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