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Aus: Ausgabe vom 26.04.2024, Seite 7 / Ausland
Krieg gegen Gaza

In staubigem Sand

Gaza: Rafah vor »Evakuierung« in Zeltstädte, damit Einmarsch beginnen kann. Israel streitet Verantwortung für Massengrab in Khan Junis ab
Von Gerrit Hoekman
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Feigenblatt für weitere Kriegsverbrechen: Von Israel errichtetes Zeltlager bei Khan Junis (23.4.2024)

Trotz eindringlicher Warnungen hält Israel an seinem Plan fest, in die Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens einzumarschieren. Allerdings soll der Angriff nun offenbar in Etappen erfolgen, wie das Wall Street Journal am Mittwoch abend unter Berufung auf israelische Offiziere und ägyptische Beamte berichtete. Demnach soll Druck der USA und anderer Länder zur Änderung der Strategie geführt haben, die das Leben der Zivilisten schützen soll. Ob das gelingt, ist jedoch zweifelhaft, denn rund anderthalb Millionen Palästinenser sind in den vergangenen Wochen vor den Bombardements nach Rafah geflüchtet, das dicht an der ägyptischen Grenze liegt. »Eine solche Aktion würde eine anhaltende humanitäre Katastrophe verschlimmern, mit Folgen für die Menschen, die bereits vertrieben sind und große Nöte und Leid ertragen müssen«, warnte auch die Niederländerin Sigrid Kaag, UN-Koordinatorin für humanitäre Hilfe in Gaza, am Mittwoch vor dem UN-Sicherheitsrat in New York.

Israel hält Rafah für die letzte militärische Hochburg der Hamas im Gazastreifen. Israelische Generäle sollen sich mit ihren ägyptischen Gegenüber getroffen haben, um eine Evakuierung der Bevölkerung zu koordinieren. Auf israelischer Seite nahmen Stabschef Herzl Halevi und Shin-Bet-Chef Ronen Bar an dem Treffen teil, meldete der israelische Sender Channel 13 News. Kairo befürchtet, bei einem Angriff auf Rafah könnten Zehntausende Palästinenser versuchen, die ägyptischen Grenzanlagen zu durchbrechen.

Ein hochrangiger israelischer Verteidigungsbeamter sagte anonym am Mittwoch gegenüber Reuters, man habe 40.000 Zelte gekauft, in denen jeweils zehn bis zwölf Personen untergebracht werden könnten. Flankiert von Satellitenbildern, die von der BBC veröffentlicht wurden, zeigt ein von der israelischen Tageszeitung Israel Hayom auf ihrem Telegram-Kanal hochgeladenes Video eine der beiden Zeltstädte: in staubigem Sand, ohne Böden oder Drainage und ohne sanitäre Anlagen. Die Luftaufnahmen lokalisieren die Camps nahe Rafah und Khan Junis.

Laut israelischer Armee wurde die Nahal-Brigade aus Gaza abgezogen, um sich auf die bevorstehende Offensive vorzubereiten. Aus Angst vor dem Einmarsch bereiten sich offenbar einige palästinensische Familien, die in Rafah untergekommen sind, schon jetzt darauf vor, die Stadt zu verlassen. »Wir haben Frauen, Kinder, ältere und kranke Menschen, die möglicherweise Probleme bei der Flucht haben, sollte die Invasion plötzlich stattfinden«, sagte ein Mann am Mittwoch gegenüber Reuters. Diesmal würden Israels Drohungen ernst klingen. Unter schwerem Beschuss könnten Familienmitglieder bei der Flucht sterben. »Deshalb haben wir beschlossen, dass wir früher aufbrechen sollten.«

Unterdessen veröffentlichte die Hamas ein etwa drei Minuten langes Video, in dem der im Gazastreifen festgehaltene 24jährige israelisch-US-amerikanische Staatsbürger Hersh Goldberg-Polin schwere Vorwürfe gegen die israelische Regierung erhebt. Er erklärte unter anderem, dass durch die Luftangriffe 70 Geiseln im Gazastreifen getötet worden seien. Es war das erste Lebenszeichen des jungen Mannes seit mehr als einem halben Jahr. »Bis gestern wussten wir nicht, ob unser Sohn noch lebt«, zitierte Times of Israel am Donnerstag seinen Vater. Nach der Veröffentlichung kam es am Mittwoch abend in Jerusalem zu Protesten. Hunderte Menschen forderten vor dem Amtssitz von Benjamin Netanjahu von der Regierung die Befreiung der Geiseln, deren genaue Zahl unbekannt ist. Dabei gerieten die wütenden Demonstrierenden mit der Polizei aneinander. Vier Personen wurden festgenommen.

Inzwischen steigt die Zahl der Leichen, die in einem Massengrab in Khan Junis unweit des Nasser-Hospitals gefunden wurden. Die palästinensische Nachrichtenseite Maan meldete am Donnerstag unter Berufung auf den Zivilschutz in Gaza etwa 390. Einige Leichen sollen an den Händen gefesselt gewesen sein. Israel behauptet, nichts damit zu tun zu haben. Das Grab habe schon bestanden, bevor seine Soldaten dort gekämpft hätten. Angeblich sollen Satellitenbilder und Filmmaterial die Behauptung untermauern, berichtete die Jerusalem Post. Die Vereinten Nationen fordern eine unabhängige Untersuchung.

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