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Aus: Ausgabe vom 26.04.2024, Seite 6 / Ausland
Ukraine-Krieg

Bidens geheime Waffen

USA geben zu, dass Ukraine bereits weiterreichende »Atacms«-Raketen erhalten hat – am Kongress vorbei
Von Reinhard Lauterbach
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Damit lässt sich tief ins russische Hinterland zielen: »Atacms« bei Übung in Südkorea (29.7.2017)

Der jüngste ukrainische Angriff auf einen russischen Militärstützpunkt auf der Krim wurde mit Raketen aus einer geheimen Lieferung der USA ausgeführt. Dies geht aus einer Recherche der New York Times (NYT) vom Mittwoch (Ortszeit) hervor. Demnach hatte Präsident Joseph Biden am damaligen Widerstand des Kongresses vorbei bereits im Februar 100 Stück der mit 300 Kilometern weiterreichenden Variante des »Atacms«-Systems an Kiew liefern lassen. Die Lieferung war seinerzeit nicht nur aus dem formalen Grund der fehlenden parlamentarischen Zustimmung geheimgehalten worden, sondern auch, um Russland nicht vorzuwarnen und ihm zu erlauben, seine Truppen außer Reichweite der neuen Waffen zu bringen. Auch ein weiterer ukrainischer Angriff auf Truppen im Hafen von Berdjansk am Asowschen Meer wurde nach dem NYT-Bericht mit diesen Raketen ausgeführt. Mit dem neuen »Hilfs«-Paket soll die Ukraine weitere Exemplare dieser weitreichenden Raketen erhalten. Präsident Biden unterzeichnete inzwischen das Paket und kündigte an, dass die ersten Lieferungen bereits in den nächsten Tagen in der Ukraine eintreffen würden.

Unterdessen hat die polnische Regierung erstmals signalisiert, dass sie im Lande lebende Ukrainer im wehrpflichtigen Alter, deren Ausweise abgelaufen sind, an ihr Heimatland ausliefern könnte. Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz sagte, der ukrainische Anspruch, diesen Personenkreis zur Verteidigung des Landes heranzuziehen, sei legitim, und Polen sei bereit, bei der Durchsetzung zu helfen. In Polen leben etwa 600.000 Ukrainer männlichen Geschlechts; nicht alle von ihnen sind Kriegsflüchtlinge, viele sind schon vorher als Arbeitsmigranten dorthin gekommen. Seit einigen Tagen nehmen aber ukrainische Konsulate keine Anträge wehrpflichtiger Staatsbürger auf die Verlängerung von Ausweisen mehr an und verlangen, dass die betreffenden Personen dafür in die Ukraine zurückkehren – wo sie dann naturgemäß zum Militär eingezogen würden. Vor kurzem hatte der ehemalige polnische Generalstabschef Waldemar Skrzypczak eingeschätzt, dass der ukrainischen Armee etwa 200.000 Soldaten fehlten.

Bei denen, die kämpfen, leidet offenbar inzwischen die Moral. Das ukrainische Portal strana.news berichtete vor einigen Tagen, dass sich in der ukrainischen Marineinfanterie, die seit dem vergangenen Jahr einen kleinen Brückenkopf am linken Ufer des Dnipro unweit von Cherson hält, Fälle von Befehlsverweigerung häuften. Mehrere Angehörige dieser – im Prinzip – Eliteeinheit hätten sich geweigert, sich in das von der Ukraine kontrollierte Dorf Krinki übersetzen zu lassen oder dort Angriffsoperationen ohne erkennbaren Sinn durchzuführen. Sie seien teils zu mehrjährigen Haftstrafen, teils zu Dienstjahren in Strafbataillonen verurteilt worden. Die Verfahren vor Militärgerichten wurden seinerzeit nicht veröffentlicht, die Journalisten des Portals stießen nach eigenen Angaben bei Recherchen im zentralen Register der Gerichtsurteile eher zufällig auf die Urteilstexte.

Auch an der Front im Donbass scheint es trotz aller aufmunternden Frontbesuche von Präsident Wolodimir Selenskij um die Kampfmoral der ukrainischen Truppen nicht überall gut bestellt zu sein. Nach einem Durchbruch russischer Truppen in das Dorf Otscheretine nordwestlich von Awdijiwka kam jetzt heraus, dass offenbar der Kommandeur der 115. ukrainischen Brigade von sich aus den Rückzug aus der Frontlinie befohlen hatte, weil sich die noch lebenden Soldaten der Einheit nach schweren Verlusten geweigert hatten, weiterzukämpfen. Die Lücke in der Front wurde demnach inzwischen durch Reserven gestopft.

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