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Aus: Ausgabe vom 24.04.2024, Seite 2 / Inland
1. Mai in Deutschland

»Wir wollen Besseres als Krieg und Kapitalismus«

Linke Gruppen bereiten auch in Nürnberg 1.-Mai-Demonstration vor. Ein Gespräch mit Daniel Meier
Interview: Hendrik Pachinger, Nürnberg
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Rote Fahnen und revolutionäre Losungen: Heraus zum 1. Mai in Nürnberg

Die Vorbereitungen zum diesjährigen 1. Mai, dem internationalen Kampftag der Arbeiterklasse, laufen bundesweit. Auch in Nürnberg ruft ein Bündnis von mehr als 35 Gruppen und Initiativen dazu auf, kommende Woche auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Was genau ist geplant?

An jenem Mittwoch werden wir wieder mit allen in Nürnberg auf die Straße gehen, die genug von Ausbeutung und Unterdrückung haben, und die sich etwas Besseres vorstellen können, als Kapitalismus und Krieg. Während der Demonstration wird es zahlreiche Redebeiträge von Bündnisgruppen geben und auch der Ausdruck der Demonstration wird durch das große Bündnis recht vielfältig sein. Dem Aufruf folgend, soll die Demonstration ein starkes Zeichen setzen und Teilnehmern wie Anwohnern zeigen, dass wir gar nicht mal so wenige sind und auch etwas verändern können, wenn wir uns zusammenschließen. Unsere Demonstration wird durch das Zentrum von Nürnberg in die Südstadt gehen und von dort in den Stadtteil Gostenhof, wo dann hoffentlich auf dem Internationalistischen Straßenfest kräftig bis in den späten Abend gefeiert wird.

Bündnisgruppen kommen und gehen, die Demonstration gibt es mittlerweile seit über 30 Jahren. Wie setzt Ihr Bündnis diese Kontinuität fort?

Der revolutionäre 1. Mai wird veranstaltet von einem Bündnis der Gruppen, die gemeinsam aufrufen. Der Aufruf wiederum basiert auf einem Entwurf der »Organisierten Autonomie«, OA. Das ist meines Wissens nach seit mindestens 20 Jahren so. Dieser Entwurf wird dann im Bündnis, auf Einladung der »Organisierten Autonomie«, von den dort teilnehmenden Gruppen diskutiert und verabschiedet. Dabei ist eine Bedingung, dass die antikapitalistische, antifaschistische, klassenkämpferische und internationalistische Grundausrichtung nicht verhandelbar ist.

Da die Gruppen heute zum größten Teil andere sind als vor 20 Jahren, aber die Demonstration immer noch eine Initiative der OA ist, kommt die Kontinuität wahrscheinlich auch daher. Es ist immer schwer, als revolutionäre Linke etwas Neues zu etablieren. Wir stehen heute sozusagen auf den Schultern der Älteren, die in Nürnberg vor 33 Jahren mit der eigenständigen 1.-Mai-Demo angefangen haben.

Ziel ist es, eine Gegenmacht aufzubauen. Welche Schritte gehören dazu?

Wir versuchen mit der Demonstration zunächst grundsätzlich die radikal linke Bewegung darzustellen. Auch wenn der Aufruf ganz klar die Existenz von Klassen im Kapitalismus benennt und versucht, an die Lebenserfahrungen anzuknüpfen, die die Klasse im Kapitalismus hat, gehe ich schon davon aus, dass eher Linke aus der Arbeiterklasse, als »die Klasse« zu uns kommt. Würde in Nürnberg die gesamte Arbeiterklasse auf die Straße gehen, würde das natürlich verboten werden. Aber im Ernst: Die 1.-Mai-Demonstration kann und soll ein Baustein sein, Gegenmacht aufzubauen. Daneben sind die im Mai-Bündnis vertretenen Gruppen ja auch das ganze Jahr über aktiv. Wir als OA versuchen zum Beispiel in den Stadtteilen präsent und ansprechbar zu sein sowie als Nachbarn gemeinsam die Kämpfe unserer Klasse zu führen.

Zuletzt haben sich zahlreiche »Offene Treffen gegen Krieg und Faschismus« in der Region gegründet. Eines davon ruft nun in Erlangen erstmals zur revolutionären 1.-Mai-Demo vor dem »Revo« in Nürnberg auf. Was tut sich vor Ort?

Es ist absolut notwendig, sich zu organisieren, wenn man etwas verändern will. Es ist außerdem wichtig, dass die radikale Linke das auch in der Fläche tut. Darum begrüßen wir Initiativen wie in Erlangen und wünschen viel Erfolg!

Was sollte die politische Linke in diesem Land am 1. Mai tun, um in die Kämpfe vor Ort zu intervenieren?

Die radikale Linke sollte diese Kämpfe im Alltag mitführen und am 1. Mai sichtbar machen, worum es im Kleinen und im Großen geht. Dabei sollte sie deutlich machen, dass Tageskämpfe unverzichtbar sind, aber unser Ziel nicht eine Verbesserung der herrschenden Zustände ist, sondern dass wir eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung wollen und brauchen. Damit das sicht- und hörbar wird, müssen wir uns zeigen und laut sein. Wir wollen auch Gruppen kennenlernen, mit denen wir vielleicht im Alltag wenig zu tun haben und versuchen, gemeinsame Kämpfe zu entwickeln und die Vernetzung voranzutreiben. Mit den vielen tollen revolutionären Maidemonstrationen, die es mittlerweile im deutschsprachigen Raum gibt, ist die radikale Linke an dem Tag so gut wahrnehmbar wie an keinem anderen des Jahres.

Daniel Meier ist aktiv in der »Organisierten Autonomie« (OA) in Nürnberg

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