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Aus: Ausgabe vom 20.04.2024, Seite 4 (Beilage) / Wochenendbeilage
Pressefoto des Jahres

Ohne Retusche

Die World Press Photos 2024
Von Ina Sembdner
Die Palästinenserin Inas Abu Maamar ­umarmt die Leiche ihrer fünfjährigen Nichte, die am 17. Oktober 2023 bei einem israelischen Luftangriff in Khan Junis starb. Foto: Mohammed Salem
Der Demenzkranke 91jährige Dada Paul Rakotazandriny bereitet sich mit seiner fünfjährigen Enkelin Odliatemix Rafaraniriana auf den Kirchgang vor (Antananarivo/Madagaskar, 12.3.2023). Foto: Lee-Ann Olwage
Freiwillige Sanitäter im Einsatz an einem »­Stabilisationspunkt« der ukrainischen Armee, Nähe Bachmut. Foto: Julija Kotschetow
Foto der Serie »The Two Walls« (2019–2023) von Alejandro ­Cegarra über die härter werdende Politik Mexikos gegen Migranten
Junge auf einem Fußballfeld im tunesischen ­Chott-Essalam. Foto: Zied Ben Romdhane
»Red Skies, Green Waters«. Nachbarn beim Spiel im venezolanischen Punta de Mata, während der Himmel von einer der weltweit größten Gasfackeln erhellt wird. Foto: Adriana Loureiro Fernández
»Fighting, Not Sinking«. Lotomau Fiafia (Jg. 1952) und sein Enkel zeigen, wo sich die Strandlinie ihrer Heimatinsel Kioa (Fidschi) zu seiner Jugend befand, um die Folgen der Erderhitzung zu illustrieren (8.8.2023). Foto: Eddie Jim

Es ist kein Foto, »das man feiern müsse«, erklärt Mohammed Salem. Der im Gazastreifen lebende palästinensische Fotojournalist, der seit 2003 für die Agentur Reuters arbeitet, ist am Donnerstag von der World Press Foundation mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden. Das Siegerbild von Salem zeigt die 36jährige Palästinenserin Inas Abu Maamar, die schluchzend die in Laken gehüllte Leiche ihrer Nichte Saly in einer Leichenhalle hält. Das Bild entstand am 17. Oktober 2023 im Nasser-Krankenhaus in Khan Junis, wo Familien nach Angehörigen suchten, die während der israelischen Bombardierung der palästinensischen Enklave getötet worden waren. Auch Salys Mutter und Schwester starben bei dem Angriff. Salem »hofft, dass sich die Welt mit dieser Auszeichnung noch stärker der menschlichen Auswirkungen des Krieges, insbesondere auf Kinder, bewusst wird«, erklärte Rickey Rogers, Globalredakteur Bild für Reuters, bei der Zeremonie in Amsterdam.

Die Südafrikanerin Lee-Ann Olwage erhielt den Preis für die Fotostory des Jahres. Ihre Reportage »Valim-babena« für das Magazin Geo über den Umgang mit Demenzkranken in Madagaskar »bringt eine wichtige soziologische Perspektive ans Licht, die die kulturübergreifende Isolation älterer Menschen hinterfragt und sie statt dessen mit Würde und Fürsorge darstellt«, urteilte die Jury. Die sich als visuelle Geschichtenerzählerin begreifende Künstlerin bereicherte im März auch die aktuelle jW-Feminismusbeilage mit ihren Bildern queerer Menschen in den Townships Südafrikas. Der aus Venezuela stammende Fotograf Alejandro Cegarra wurde in der Kategorie langfristige Projekte ausgezeichnet. Er hat über die Jahre die Folgen einer verschärften Asylpolitik in Mexiko in Zusammenarbeit mit den USA dokumentiert. Die Bilder seien gleichzeitig schonungslos und respektvoll, urteilte die Jury. In der Kategorie offenes Format wurde die ukrainische Fotografin Julija Kotschetowa für ihr Projekt »Krieg ist persönlich« ausgezeichnet. Für die Jury »eine komplexe Erforschung der emotionalen und psychologischen Folgen von Konflikten, die nicht nur Verlust, Schmerz, Verzweiflung und Resignation, sondern auch Hoffnung und Widerstandskraft zum Ausdruck bringen«.

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