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Aus: Ausgabe vom 18.04.2024, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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»Literarisch-politisches Denkmal«

Zu jW vom 13./14.4.: »Die unbesiegbare Kolonne«

Zufall oder nicht – es spricht für die journalistische Qualität der jW, dass in der gleichen Nummer sowohl an den heroischen langen Marsch der »Kolonne Prestes« in Brasilien erinnert wird, und gleichzeitig an die vom Genossen Peter Sodann geschaffene Bibliothek der in der DDR geleisteten Buchproduktion, die dann nach 1989 bewusst und gezielt der Massenvernichtung anheimfiel.

In dieser Bibliothek befindet sich zweifelsohne das Buch von Jorge Amado, der mit dem Werk »Caballero de la Esperanza« für Luís Carlos Prestes ein würdiges literarisch-politisches Denkmal gesetzt hat. Die Originalversion wurde 1942 verfasst und also gleich, genau wie Prestes und seine Anhänger, verfolgt und verboten. Es erschien dann auch auf spanisch, später auf französisch und schließlich 1952 auf deutsch bei Volk und Welt in der noch sehr jungen DDR.

Dieser Verlag hat dann unzählige weitere sozialkritische Autoren aus Lateinamerika übersetzt und so einem Teil der deutschsprachigen Leserschaft zugänglich gemacht. 1964, nach dem Putsch der Militärjunta in Brasilien, verschwand Amados Buch erneut aus allen Buchhandlungen, und nach 1989 eben auch aus dem »neuen« Deutschland.

René Lechleiter, Zürich

Verlust

Zu jW vom 9.4.: »Ein Mann der Bücher«

Die Schauspieler und Brüder Elmar und Fritz Wepper sind kurz nacheinander gestorben, jetzt auch noch der Schauspieler Peter Sodann. Alle drei spielten im deutschen Fernsehen Kommissare und waren natürlich auch in anderen Rollen zu sehen.

Peter Sodann (1936–2024) war auch Regisseur und Theaterintendant, daneben war er mit dem Politiker und ehemaligen Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung Norbert Blüm (1935–2020) als »Rentner auf dem dritten Bildungsweg«, so der Titel ihres Kabarettprogramms, im Jahr 2007 auf deutschen Bühnen unterwegs.

Die Fernsehlandschaft hat mit Peter Sodann wieder einen wunderbaren Menschen und Schauspieler verloren.

Klaus P. Jaworek, Büchenbach

»DDR-Schulbildung«

Zu jW vom 13./14.4.: »›Dimitroff contra Göring‹«

Erinnert sei an die beharrliche Praxis bzw. Tradition der DDR-Schulbildung intensivste Aufklärung betreffs Faschismus in Deutschland zu leisten. Es gab, vor allem in jungen Jahren, zum Besuch in der Gedenkstätte des KZ Buchenwald dazu Veranstaltungen mit überlebenden betroffenen Zeitzeugen, die große Wirkung hatten. Kinofilme, Hörspiele etc. waren Bestandteil unserer Erziehung und spiegeln sich bis heute noch oft in ostdeutschen Ansichten wider. Ein besonders eindrucksvolles Erlebnis war 1961 ein Besuch mit der Schulklasse im originalen Gerichtssaal des Georgi-Dimitroff-Museums in Leipzig (einst Reichsgericht, nun Bundesverwaltungsgericht), bei dem wir die Tonaufnahme des Wortwechsels zwischen Göring und Dimitroff hören konnten. Meine Nachfrage 2002 ergab: »Das ist in irgendeinem Archiv und der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich.« Eine Recherche dazu könnte angesichts des heute dringlichen, teils diffusen »Kampfes gegen rechts« inkl. inflationärem gegenseitigem Naziverdachts nützlich sein.

Richard Jawurek, Markkleeberg

»Theoretische Fertigsoße «

Zu jW vom 11.4.: »Erfolgreiche Diffusion«

Das wirkliche Übel dieser »Bewegung« (Antideutsche, jW) ist ihre völlige Unfähigkeit gewesen, auch nur eine irgendwie stringente logische theoretische Kritik zu entwickeln, an manchen Stellen möchte man sagen, dass sie es eventuell sogar nie vorhatten. Letztlich handelte es sich um das linke Pendant zu den Schwurblerbewegungen, deren Basis das bräsige Deutsche des rechten Bürgertums ist, also jenem Spießertum aus »harter Arbeit«, »Steuerzahler«-Ichs und kapitalistischer deutscher Landidylle, mit dem man sich so gerne vereint sah, zur Vermeidung eines neuen »Dritten Reiches«. Dass man inzwischen genau darauf zusteuert, wurde nie bemerkt. Dass diese fettige theoretische Fertigsoße inzwischen die bourgeoise Mitte, der Franzose nennt sie treffend das »juste milieu«, die Schweinsh»Achse des Guten« umhüllend, erreicht hat, also die Politik, Leitmedien und Großbürgertum mit Schlagworten versorgt, siehe Partei »Bündnis 90/Die Grünen«, auch nicht.

Ernst Blutig, Würzburg

Fernab des Abgrundes

Zu jW vom 15.4.: »Nahost vor Flächenbrand«

»Das iranische Regime hat mit seiner Provokation die Region an den Rand des Abgrundes geführt«, so die deutsche Außenministerin am 14. April 2024 in der »Tagesschau«. Dabei ging es dem iranischen Regime vor allem um die Innenpolitik. Um seine Glaubwürdigkeit gegenüber den eigenen Bürgern und den Verbündeten in der Region nicht zu verlieren, musste es reagieren. Die Tötung hochrangiger iranischer Militärs einfach nur hinzunehmen, war ihnen nicht länger zuzumuten. Dass das iranische Regime dabei eine »Annäherung an den Rand des Abgrundes« vermeiden wollte, zeigen sowohl die Art und der Einsatz der militärischen Mittel als auch die vorherige Ankündigung der »Provokation«. Da war es wohl eher die israelische Regierung, die mit ihren Tötungen im Libanon, im Irak und Syrien die Region »an den Rand des Abgrundes« führt. Zuletzt mit dem Angriff auf das iranische Konsulat in Bagdad. Dazu von der Außenministerin kein Wort.

Christian Helms, Dresden

Dass das iranische Regime dabei eine ›Annäherung an den Rand des Abgrundes‹ vermeiden wollte, zeigen sowohl die Art und der Einsatz der militärischen Mittel als auch die vorherige Ankündigung der ›Provokation‹.

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