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Aus: Ausgabe vom 15.04.2024, Seite 16 / Sport
Tennis

Favoritensturz in Monte Carlo

Der Auftakt der Sandplatzsaison im Herrentennis verlief doch überraschend
Von Jan Decker
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Setzte ein Zeichen, aber welches? Novak Đoković (Monaco, 13.4.2024)

Alles neu macht der April: Mit dem prestigeträchtigen ATP-Masters-1000 in Monte ­Carlo startete vergangene Woche auch im Herren­tennis die Sandplatzsaison, die in diesem Jahr auf gleich zwei Höhepunkte zusteuert: die obligatorischen French Open ab Ende Mai in Paris und zwei Monate später an besagter Stelle das Tennisturnier der Olympischen Sommerspiele 2024. Dadurch hatte Monte Carlo für alle Sandplatzspieler diesmal noch mehr als sonst den Charakter eines Vorbereitungsturniers. Für viele Tennisstars ist es ein Heimspiel, wohnen sie doch seit Björn Borgs Zeiten bevorzugt in der Steueroase Monaco.

Die Ausgangslage war ebenfalls spannend, weil der 14malige French-Open-Sieger und König auf Sand, ­Rafael Nadal, fehlte – seine Verletzungspause dauert schon viel zu lange. Aber ein fehlender König kann das Geschehen ja beleben. Zudem musste der auch schon 36jährige Novak Đoković, der im Sommer unbedingt sein erstes Olympiagold im Tennis holen will, im Fürstentum ein Ausrufezeichen setzen, nachdem er neulich nach dem verpatzten Turnier in Indian Wells seinen Langzeittrainer Goran Ivanišević vor die Tür gesetzt hatte …

Ansonsten rätselte die Tenniswelt vor Monte Carlo über nichts so sehr wie über die seit Monaten abfallende Formkurve des jungen Dänen Holger Rune, der 2023 im Finale des Turniers gestanden hatte. Dann kam noch die Absage des Spaniers Carlos Alcaraz, der in Indian Wells unter anderem einen eigentlich perfekt spielenden Jannik Sinner aus dem Turnier geworfen hatte und gegen Alexander Zverev beinahe nur durch den kuriosen Angriff eines Bienenvolks auf dem Platz gestoppt worden wäre. Er musste wegen einer Armverletzung kurzfristig zurückziehen.

Die ersten beiden Runden waren dann wenig überraschend: Dass Jan-Lennard Struff den in der Weltrangliste etwas besser stehenden Sebastián Báez nach umkämpften drei Sätzen rauswarf, wundert angesichts seiner starken letzten Monate nicht, auch die nächste Station Borna Ćorić meisterte er souverän. Der Hartplatzspezialist Daniil ­Medwedew, Wohnsitz Monte Carlo, hebelte den Oldie und Publikumsliebling Gaël Monfils aus, Titelverteidiger Andrei Rubljow scheiterte an Alexei Popyrins schnörkellosem Spiel oder an der eigenen Divenhaftigkeit. Nein, alles keine Sensation.

Holger Rune knickte unterdessen nicht ein und fand gegen einen anderen Oldie mit Topform, den 32jährigen ­Grigor Dimitrow, zu guten Lösungen. Ihm folgten die Turnierfavoriten Đoković und Sinner ins Viertelfinale. Nicht aber die Intimfeinde Zverev und Medwedew: Alexander Zverev egalisierte gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas im zweiten Satz noch ein 0:5, bevor er im Tiebreak verlor, ein waschechter Krimi. Medwedew verlor auch, vor allem die Nerven, nachdem er gegen seinen russischen Landsmann Karen Chatschanow bei 5:4 im zweiten Satz den Satzgewinn hergeschenkt hatte und anschließend einen Ball seines Gegners im Aus gesehen haben wollte, woraufhin sich ein hitziges Wortgefecht mit dem Schiedsrichter entwickelte. Nach dem Spielverlust krachte Medwedews Schläger wie ein Geschoss ins Netz. Purer Frust. Aber sein lauerndes Spiel passt auch nicht recht zum rutschigen Sand.

Jannik Sinner, auf dem Weg zur Nummer zwei der Welt, lieferte sich im Viertelfinale mit dem wieder erstarkten Holger Rune einen wilden Schlagabtausch und kam nur dank mehrerer Fehler des Gegners weiter. Ja, die Magie des Sandplatzes ist eben seine spezielle Mischung aus Langsamkeit und Schnelligkeit. Dieses Tennis-Voodoo beherrschte in Monte Carlo nach Zverevs Patzer ­Stefanos Tsitsipas am besten, er warf erst mal Chatschanow raus. Ebenfalls ins Halbfinale kam ein taktisch kompletter Novak Đoković, der Alex de Minaur zwar ins Spiel kommen ließ, aber durch viele Attacken am Netz oft genug nervte und schließlich gewann. Und dann gab es ja noch Casper Ruud, Edelgewächs von Rafael Nadals Tennis­akademie auf Mallorca und dort gewissermaßen mit Sand zwischen den Zähnen aufgewachsen, den mal wieder niemand auf der Rechnung hatte. Er schaltete Alejandro Tabilo, Hubert Hurkacz sowie Ugo Humbert aus. Die Halbfinals standen. Und brachten den überraschenden doppelten Favoritensturz: Ruud überwand Đoković (6:4, 1:6, 6:4) und Tsitsipas wiederum Sinner (6:4, 3:6, 6:4). Beide waren dabei nicht zwingend überlegen, sondern profitierten in dieser entscheidenden Runde davon, dass die beiden besten Spieler der Welt etwas fahrig agierten. Das Finale am Sonntag (nach Redaktionsschluss, jW) sollten demnach ein Norweger und ein Grieche bestreiten, Wohnsitze übrigens Oslo und Monte Carlo.

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