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Aus: Ausgabe vom 10.04.2024, Seite 3 / Schwerpunkt
Waffenschmieden

Totschlagendes Verkaufsargument

»Getestet in Gaza«: Israels Kriegswerkzeug auf Waffenmessen schwer nachgefragt
Von Jakob Reimann
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Niedlicher Name, zerstörerischer Auftrag: Die unbemannten Bulldozer »Panda« (Grenze Israel/Gaza, 2.3.2024)

Chile hat israelische Firmen von der Teilnahme an der internationalen Luft- und Raumfahrtmesse FIDAE ausgeschlossen. Die fünftägige Militärmesse, die am Montag in der chilenischen Hauptstadt begann, gilt als größte und wichtigste ihrer Art in der südlichen Hemisphäre. Israel wolle »in Santiago seinen Einfluss auf den Handel mit Kriegsmaterial in Lateinamerika geltend machen«, hieß es dazu im März beim Onlineportal Amerika 21. Der linke Präsident Gabriel Boric erhielt für diese Entscheidung breite Unterstützung aus der Bevölkerung. Auch auf der »Dubai Airshow«, die Mitte November stattfand, blieben die Stände der israelischen Rüstungsschmieden leer – »abgesperrt mit rotem Klebeband«, hieß es dazu bei Haaretz. Wenige Wochen nach Kriegsbeginn in Gaza war die Präsenz israelischer Rüstungskonzerne in den Vereinigten Arabischen Emiraten – das Königshaus kritisierte Tel Aviv öffentlich – nur schwer vermittelbar.

Ein gänzlich anderes Bild hingegen auf der »Singapore Airshow«, der größten und wichtigsten Waffenmesse Asiens. Bei dem Event Ende Februar – einer der an den »TAURUS-Leaks« beteiligten Luftwaffenoffiziere war ebenfalls vor Ort – schien das Elend in Gaza weit weg und israelisches Kriegswerkzeug schwer gefragt. Die asiatischen Kunden, schrieb Haaretz am Freitag, »interessierten sich für Systeme, die sich auf dem Schlachtfeld bewährt haben«. Die Wirksamkeit der vorgestellten israelischen Waffen »wurde durch frische Beweise von den Schlachtfeldern in Gaza und im Libanon untermauert«; der israelische Pavillon wurde zur »Pilgerstätte für zahlreiche ausländische Delegationen«.

Seit langem nutzt das israelische Militär seine Kriegseinsätze in Gaza, um die neuesten Waffen der innovativen Rüstungsschmieden des Landes zu testen. Im aktuellen Krieg wurde vielfach »mit dem Einsatz von Robotern und ferngesteuerten Hunden experimentiert«, schrieb Haaretz Anfang März. Auch der »Panda«, ein ferngesteuerter, unbemannter Bulldozer, wurde erstmals in Gaza eingesetzt, um dort Häuser zu zerstören. »Israelische Startups hoffen auf Export kampferprobter KI-Militärtechnologie«, titelte das japanische Magazin Nikkei Asia Ende März; durch den Einsatz im Gazakrieg sei die Präzision vieler Waffensysteme deutlich verbessert worden. »Getestet in Gaza« hat sich lange zum israelischen Qualitätssiegel und totschlagenden Verkaufsargument gemausert.

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