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Aus: Ausgabe vom 05.04.2024, Seite 5 / Inland
Energiepolitik

Erneuerbare auf dem Vormarsch

Energieverbrauch sinkt: Kohlekraftwerke sind nicht ausgelastet, aber die Landschaft wird weiter zerstört
Von Wolfgang Pomrehn
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Stromerzeugung auf See: Offshorewindparks kilometerweit draußen bei bis zu vierzig Metern Meerestiefe

Der deutsche Energieverbrauch ist im vergangenen Jahr stark zurückgegangen und befindet sich auf einem Tiefstand, wie er zuletzt 1990 erreicht wurde. Das geht aus dem am Donnerstag vorgestellten Jahresbericht der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervor, einer Einrichtung verschiedener Verbände der Energiewirtschaft.

Demnach wurden 2023 in Kraftwerken, Heizungen und im Verkehr knapp drei Billionen Kilowattstunden eingesetzt; 8,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Hauptenergieträger ist nach wie vor das vor allem im Verkehr und zum Heizen verwendete Mineralöl mit 36 Prozent, gefolgt von Erdgas mit 25 Prozent. Der Anteil der erneuerbaren Energieträger, die hauptsächlich Strom liefern, betrug knapp 20 Prozent. Strom wird allerdings zu mehr als der Hälfte aus Sonne, Wind und Co. produziert, wo sie am einfachsten einzusetzen sind. Solarenergie, Erdwärme und Biomasse liefern zudem auch Warmwasser und Raumwärme. Der Marktanteil der Stein- und Braunkohlekraftwerke ging hingegen weiter zurück und kam zusammen nur noch auf knapp 17 Prozent.

Wider Erwarten hatte die 2022 beschlossene Laufzeitverlängerung für einige Kohlekraftwerke nicht zu deren vermehrten Nutzung geführt. Der Import von Steinkohle nahm weiter ab, und auch die mit heimischer Kohle arbeitenden Braunkohlekraftwerke sind inzwischen meist chronisch unterbeschäftigt. Entsprechend gingen Ende März, wie seit längerem geplant, 15 kleinere und größere Kohlekraftwerke endgültig vom Netz. Allerdings hält dies die Bergbaukonzerne RWE und LEAG nicht davon ab, die Landschaftszerstörung in den Revieren weiter voranzutreiben. Derweil spielte Atomenergie für die Versorgung zuletzt nur noch eine untergeordnete Rolle. Die letzten Kraftwerke wurden Ende April 2023 abgeschaltet.

Auch zu Beginn 2024 ist ein Wiederanstieg des Energiebedarfs nicht in Sicht, wie am Stromverbrauch abzulesen ist. Für den Gesamtenergieverbrauch liegen noch keine neueren Zahlen vor, aber der Bedarf an elektrischer Energie verharrte im ersten Quartal 2024 auf dem Vorjahresniveau, das so niedrig war wie seit langem nicht und selbst deutlich unter dem der vorhergehenden, durch Krisen und wirtschaftliche Turbulenzen gekennzeichneten Pandemiejahre lag.

Der starke Rückgang hat mehrere Ursachen. Zum einen ist da die schwache Konjunktur. Die deutsche Wirtschaftsleistung ist im vergangenen Jahr etwas geschrumpft, und die Erholung lässt auf sich warten. Besonders die energieintensiven Industrien haben deutlich weniger produziert, aber auch in den meisten anderen Zweigen des verarbeitenden Gewerbes gingen die Produktionszahlen zurück. Zum anderen ist der Energieeinsatz auch in den Privathaushalten, im Handel und im Gebäudesektor rückläufig. Nur im Verkehrssektor ist er annähernd konstant. Anders als beim Heizen und beim Stromverbrauch scheinen dort die Preiserhöhungen der vergangenen zwei Jahre nicht zu sparsamerem Verhalten zu führen. Der durchschnittliche Strompreis für Privathaushalte und Kleingewerbe lag 2023 nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft bei 45,73 Cent pro Kilowattstunde und ist inzwischen auf 42,22 Cent zurückgegangen. Damit liegt er noch immer rund 30 Prozent über dem Niveau von 2021.

Deutschland hat auch im vergangenen Jahr, wie schon seit langem, den überwiegenden Teil seines Energiebedarfs importiert. Nur ein Drittel wurde im Inland gewonnen, und zwar inzwischen zu mehr als der Hälfte aus erneuerbaren Energieträgern. Der Abbau von Steinkohle ist hingegen eingestellt, und die Braunkohleförderung ging nach den Zahlen der Arbeitsgemeinschaft um 23 Prozent zurück. Auch Erdgas wird hierzulande immer weniger aus dem Boden gepumpt, sondern zumeist eingeführt. Nach den Zahlen der Bundesnetzagentur ist Norwegen inzwischen mit 43 Prozent zum wichtigsten Lieferanten aufgestiegen. Allerdings wird über die neuen Flüssiggasterminals an der Küste sowie über den Umweg Belgien und Niederlande im größeren Umfang verflüssigtes Erdgas eingeführt, das meist aus den USA stammt und dort unter besonders klimaschädlichen Bedingungen gewonnen wird.

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