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Aus: Ausgabe vom 03.04.2024, Seite 15 / Antifaschismus
KZ-Verband Österreich

»Wir können dazu nicht schweigen«

Warum es wichtig ist, dass der österreichische KZ-Verband sich auch als »antiimperialistisch« definiert. Ein Gespräch mit Ernst Wolrab
Von Dieter Reinisch, Wien
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Mitglieder des KZ-Verbands bei der 77. Internationalen Befreiungsfeier im ehemaligen KZ Mauthausen (15.5.2022)

Sie unterstützen eine geplante Statutenänderung des KZ-Verbands Wien. Einem Antrag zufolge soll sich dieser als »antiimperialistisch« verstehen. Was steckt dahinter?

Der Kampf gegen imperialistische Tendenzen soll in das Statut aufgenommen werden. Es ist auch ein Auftrag der Überlebenden des KZ Mauthausen, das sich in der Nähe der österreichischen Stadt Linz befand. Sie haben sich mit dem sogenannten Mauthausen-Schwur zum Kampf gegen den Imperialismus verpflichtet und da sicherlich nicht nur den deutschen gemeint. Dieser war für Europa der schrecklichste, mit sechs Millionen jüdischen Toten und 20 Millionen weiteren sowjetischen und russischen Toten. Der Völkermord geschah nicht nur an den Juden, sondern auch an den Roma, Sinti und der osteuropäischen Bevölkerung.

Was besagt der Mauthausen-Schwur?

Er wurde am 16. Mai 1945 von den Insassen des KZ Mauthausen abgelegt. In dem Text, der nach der Befreiung des Lagers verlesen wurde, heißt es: »Der vieljährige Aufenthalt im Lager hat in uns das Verständnis für die Werte einer Verbrüderung der Völker vertieft. Treu diesen Idealen schwören wir, solidarisch und im gemeinsamen Einverständnis, den weiteren Kampf gegen Imperialismus und nationale Verhetzung zu führen. So, wie die Welt durch die gemeinsame Anstrengung aller Völker von der Bedrohung durch die hitlerische Übermacht befreit wurde, so müssen wir diese erkämpfte Freiheit als das gemeinsame Gut aller Völker betrachten.« Diesem Schwur haben alle Häftlingsgruppen zugestimmt. Auch ich fühle mich ihm verpflichtet.

Wieso war der Antiimperialismus in den Statuten bisher nicht enthalten?

Die Gründer des KZ-Verbands waren überwiegend aus dem Lager in Buchenwald. Das Statut basiert daher vor allem auf dem sogenannten Buchenwald-Schwur. Ich glaube, es ist wichtig, das größte und einzige Vernichtungslager in Österreich und den dort geleisteten Schwur in die Statuten für einen antifaschistischen Verband in Österreich aufzunehmen, der sich als Nachfolgeorganisation der Überlebenden und Widerstandskämpfer fühlt.

Wieso sollte das gerade jetzt geschehen?

Weil der Imperialismus und die USA mit ihren Hegemoniebestrebungen und Satelliten ihre Weltmachtvorrangstellung verlieren. Gerade in Israel, dessen größter Verbündeter und Geldgeber die USA sind, versucht der Imperialismus seinen Einflussbereich im Nahen Osten zu behalten. Die israelische Regierung besteht aus Ultrarechten und Faschisten und will wie ein freches Kind nicht auf die Befehle der USA hören. Statt dessen wird die Politik des zionistischen Nationalismus verfolgt. Die Vertreibung der indigenen Bevölkerung Palästinas soll durchgesetzt werden. Das hat nichts mit jüdischer Religion zu tun, die hier für Staatspolitik missbraucht wird. Wenn Kritik daran mit Antisemitismus bezeichnet wird, ist das Rassismus gegen die arabischen Völker. Ich bin für eine Zweistaatenlösung, wie sie die UNO in den Grenzen von 1967 fordert. Alle palästinensischen Flüchtlinge sollen ein Rückkehrrecht haben, wie es die UNRWA (UN-Palästinenserhilfswerk, jW) fordert, und Österreich muss wieder die UNRWA unterstützen.

Das geht aber über Erinnerungskultur an die Verbrechen des deutschen Faschismus hinaus. Worin sehen Sie die Aufgaben des KZ-Verbands?

Es ist richtig, dass es über Erinnerungskultur hinausgeht. Aber wenn man sich als antifaschistischer Verband der Widerstandskämpfer sieht, dann ist es notwendig, auf aktuelle Ereignisse einzugehen. Die Faschisten haben nicht 1945 aufgehört. Es gab Putsche in Lateinamerika und imperialistische Kriege der USA. Der Faschismus ist die höchste Form des Imperialismus. Wenn wir ersteren bekämpfen wollen, können wir zu letzterem nicht schweigen.

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