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Aus: Ausgabe vom 03.04.2024, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Arbeitsbedingungen in Italien

Agrarindustrielle vor Gericht

Italien: Gewerkschaft in Umbrien rügt extreme Ausbeutung und Erpressung von Landarbeitern
Von Gerhard Feldbauer
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Hungerlöhne und pure Plackerei: Alltag auf den Feldern bei der Ernte

Nach Anzeigen der Gewerkschaft CGIL kommen demnächst Landwirtschaftsunternehmer und Manager in der Region Abruzzen wegen schamloser Ausbeutung von Landarbeitern vor Gericht. Angeklagt werden ein Italiener und eine Italienerin, die Präsident bzw. Vorstandsmitglied einer sozialen Genossenschaft sind. Ihre Opfer werden in den frühen Morgenstunden an einigen vorher festgelegten Sammelstellen in der Nähe des Bahnhofs von Perugia auf Transporter verladen, wie die Plattform Collettiva der CGIL am Dienstag schilderte. »Sie werden wie Tiere zusammengetrieben und dann auf die Felder gebracht, wo sie bis zu zehn, elf Stunden am Tag auf verschiedenen Bauernhöfen in der Umgebung arbeiten, teilweise für nur drei Euro pro Stunde.« Das Zentrum der Menschenhändler befindet sich bei Panicale am Trasimenischen See. Der Ort 30 Kilometer südwestlich von Perugia ist Mitglied der Vereinigung mit dem sinnigen Namen I borghi più belli d’Italia (Die schönsten Orte Italiens). Von dort aus werden die Landarbeiter auf Bauernhöfe in den Provinzen Perugia, Grosseto, Arezzo und Siena verteilt.

»Wir berichten hier«, betont die CGIL auf ihrer Plattform, »nicht über Apulien (eine Region in Süditalien, jW) oder Rosarno (Region Reggio Calabria, jW), wo diese Sklavenhaltermethoden stadtbekannt sind. Sondern wir befinden uns im sogenannten grünen Herzen Italiens, in Umbrien, genauer gesagt in Perugia«, wo in den vergangenen Wochen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft unter der Leitung von Raffaele Cantone diese »besorgniserregenden Gangstermethoden« in der Landwirtschaft untersucht und zu einer Anklage gebracht haben. Die Ermittlungen hätten eindeutig ergeben, dass die Arbeiter für die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis zu diesen Arbeitsbedingungen erpresst und missbraucht wurden, so CGIL.

In dem Verfahren wurde die Gewerkschaft für die Beschäftigten in der Agrarwirtschaft, FLAI-CGIL von Umbrien, als Kläger und Zivilpartei zugelassen, weil sie die ausbeuterischen Bedingungen, denen zahlreiche Arbeiter unterworfen wurden, aufgedeckt hatte. Dabei kam auch ans Licht, dass an den illegalen Rekrutierungen mindestens weitere fünf Personen beteiligt gewesen sein sollen. Sie hätten den Arbeitern von dem Hungerlohn noch einen Teil für ein Bett in einem heruntergekommenen Bauernhaus auf dem Land abgezogen. An der Spitze dieses »Ausbeutungssystems« habe ein landwirtschaftlicher Unternehmer mit türkischer Staatsangehörigkeit gestanden, von dem bei der Verhaftung 230.000 Euro beschlagnahmt wurden. Der Beginn der Prozesse ist für Anfang Juni angesetzt.

Diese Zustände herrschen unter einer Regionalregierung der ultrarechten Brüder Italiens (FdI) von Giorgia Meloni, die im März gerade wieder die Wahlen in Umbrien gewonnen und den Verkehrsunternehmer Marco Marsilio im Amt bestätigt hat. Sein Gegner, der Professor und Universitätsdirektor Luciano D’Amico, ein vom sozialdemokratischen Partito Democratico (PD) aufgestellter unabhängiger Kandidat, hatte appelliert, gegen Korruption und Armut vorzugehen. Auf einer Kundgebung vor der Handelskammer der Region hatte Ministerpräsidentin Meloni die Unternehmer aufgerufen, das zu verhindern, da dies sonst »verheerende Auswirkungen« haben würde. Die Wahl ist geheim und so wird man nicht erfahren, ob auch die jetzt angeklagten Unternehmer und Manager für ihren »Kollegen« Marsilio gestimmt hatten.

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