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Aus: Ausgabe vom 27.03.2024, Seite 15 / Antifaschismus
Antifaschismus der KPÖ

Erbe des Widerstands

Österreich: KPÖ-Politikerin beharrt in Diskussion über Umbenennung auf historischer Bezeichnung
Von Barbara Eder
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Am Rednerpult: Claudia Klimt-Weithaler bei einer Sitzung des Steiermaerkischen Landtags (Graz, 24.5.2016)

Die Wahlerfolge in den österreichischen Bundesländern Salzburg und Steiermark ließen zu Beginn dieser Woche Diskussionen um die Selbstbezeichnung der Kommunistischen Partei Österreich (KPÖ) erneut aufflammen. Anlässlich des Ergebnisses der Salzburger Bürgermeisterwahl lud das Ö 1-»Abendjournal« des ORF am Montag abend zum Studiogespräch. Moderatorin Astrid Plank debattierte mit dem Historiker Helmut Konrad, den Journalisten Herbert Lackner und Oliver Pink sowie der KPÖ-Klubobfrau im steirischen Landtag, Claudia Klimt-Weithaler, über den angeblich »umstrittenen Namen«. Klimt-Weithaler verteidigte das Attribut »kommunistisch« unter anderem mit Rekurs auf die dazugehörige Geschichte des Antifaschismus in Österreich.

Von den vier Regionen Österreichs, in denen Partisanenverbände aus den Bergen heraus operierten und aktiv Widerstand gegen das Naziregime leisteten, waren jene in den Bundesländern Salzburg und Steiermark besonders effektiv. Bereits im Jahr 1933 existierte in Krumpen bei Trofaiach ein Partisanentreffpunkt im Lokal der Familie Edlinger. Noch während der Februarkämpfe des Jahres 1934 setzten sich steirische Antifaschisten gegen die zunehmende Repression zur Wehr. Im November 1943 fand vor Ort die Gründungskonferenz der »Österreichischen Freiheitsfront« (ÖFF) statt – mit dem Ziel, die Partisanengruppen des Landes zu vereinen und den Widerstandskampf zu koordinieren.

Ab Juni 1941 verübten steirische Eisenbahner in mehreren Bahnhöfen im Großraum Leoben systematisch Sabotageaktionen. Bergmänner hatten in klandestiner Tätigkeit über Jahre hinweg ein Lager mit aus dem Bergbaubetrieb gestohlenen Sprengkapseln angelegt. Silvester Heider, Sepp Filz, Anton Wagner, Ferdinand Andrejowitsch, Max Muchitsch und Heinrich Kohnhauser bildeten die »Kampfgruppe Leoben-Donawitz« in der zweitgrößten Stadt nach der Landeshauptstadt Graz. In Judenburg bauten Bruno Rauch und Johann Schleich mit der Leobener Gruppe in enger Verbindung stehende Partisanengruppe auf. Im slowenisch-steirischen Grenzgebiet rund um Deutschlandsberg agierte die »Kampfgruppe Steiermark«, bestehend aus Martin Michelli, Johann Pech, Siegfried Pichler und Alexander Soukup, die in ständigem Austausch mit der »Kampfgruppe Koralm« stand. Leo Engelmann, Ubald Pasetzky, Hugo Müller und Franz Muhri zählten zu ihren Mitgliedern.

Während der antifaschistische Widerstand in der Steiermark besonders früh einsetzte, gehörte die Partisanenbewegung im oberen Salzkammergut und dem Ausseerland gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zu einer der zahlenmäßig größten. Josef »Sepp« Plieseis, Alois Straubinger und Karl Gitzoller gründeten 1943 in Bad Ischl einen Vorläufer der Widerstandsgruppe »Willy-Fred«. Im August 1944 nannte sich der Zusammenschluss »Willy« und bestand aus sechs bis acht Personen. Im Frühjahr 1944 bezeichnete sich die auf 35 Personen angewachsene Einheit nunmehr als »Fred«, mit Jahresende lautete ihr Tarnname »Willy-Fred« und sie hatte mehr als 500 Mitglieder. Partisaninnen bildeten das Rückgrat der Einheit: Leni Egger, Maria Huemer, Zilli Langeder, Elsa Moser, Theresia Weiß, Maria Plieseis und Amalia »Mali« Ziegleder übernahmen dahingehend zentrale Aufgaben. Die vormalige Sozialdemokratin Maria Sams, die nach den Februarkämpfen des Jahres 1934 Mitglied der KPÖ geworden war, galt als »Partisanenmutter aus Bad Ischl« und übermittelte wichtige Nachrichten zwischen den dezentral agierenden Mitgliedern.

Agnes Primocic, die aus einer Halleiner Arbeiterfamilie kam und früh Betriebsrätin in der dortigen Tabakfabrik wurde, war seit dem Februar 1934 wegen illegalisierten Aktionen mehrfach inhaftiert gewesen, ab 1938 wurde sie für die Rote Hilfe aktiv und zu einem einjährigen Hilfsdienst beim Roten Kreuz zwangsverpflichtet. Die aus dieser Zeit aufbewahrte Uniform half ihr dabei, im April 1945 die Flucht von 17 Häftlingen aus einem Außenlager des Konzentrationslagers Dachau im Steinbruch von Hallein zu organisieren. Hinweise auf wiederkehrende Häftlingstransporte sowie deren vorübergehende Inhaftierungen in der Nähe von St. Michael erhielt Agnes Primocic von Theresia »Resi« Pesendorfer, letztere war seit 1935 Mitglied der KPÖ.

Nicht nur die steirische KPÖ-Politikerin Klimt-Weithaler berief sich in Verteidigung des Namens auf die Geschichte des Naziwiderstands österreichischer Kommunistinnen und Kommunisten. Auf den Namen seiner Partei und die Verbrechen, die unter dem Attribut »kommunistisch« verübt worden seien, angesprochen, verwies auch Kay-Michael Dankl im ZIB-2-Interview des Fernsehsenders ORF 2 am 11. März auf das Verdienst einer Widerstandskämpferin und späteren kommunistischen Kommunalpolitikerin: Agnes Primocic aus Hallein. Anders als christliche-soziale Opponenten, die im Zusammenhang mit der KPÖ zuletzt von einer »toxischen Marke« gesprochen hatten, beharren Dankl und Klimt-Weithaler auf der antifaschistischen Vergangenheit – mit Verweis auf die Befreiung vom Naziterror.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Martin M. aus Paris (26. März 2024 um 22:00 Uhr)
    Artikel mit informativem Hintergrund zum österreichischen Widerstand. Allein ein Name reicht freilich nicht aus, um eine Partei zu beurteilen, sondern deren Handlungen, Theorien und programmatischen Inhalten. Die spanische kommunistische Partei (PCE), die sozialistische Arbeiterpartei Spaniens (PSOE), die französische Parti Socialiste, etc. haben schon lange mit dem Sozialismus bzw. einer progressiven Politik gebrochen.

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