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Aus: Ausgabe vom 27.02.2024, Seite 16 / Sport
Leichtathletik

Wenn Mihambo in Form ist

Werbung für die Leichtathletik: So war das 11. Istaf Indoor in Berlin
Von Sören Bär
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Gleich der erste Versuch sitzt: Malaika Mihambo beim Istaf Indoor (23.2.2024)

Der Umzug des seit 1921 im Spätsommer ausgetragenen traditionellen Internationales Stadionfests (Istaf) vom Berliner Westend zum Ostbahnhof, aus dem Olympiastadion unter das Dach der Mercedes-Benz-Arena, ist gelungen. Das Publikum ließ sich die Chance, im Winter hochkarätigen Sport zu verfolgen, auch bei der elften Indoor­auflage am Donnerstag nicht entgehen: 12.150 Zuschauer bildeten eine eindrucksvolle Kulisse. Im Sandwich zwischen der Deutschen Meisterschaft in Leipzig am vergangenen und der Europameisterschaft in Glasgow am kommenden Wochenende terminiert, bot sich den Athleten die Gelegenheit, sich in Bestform für die EM zu bringen. Das erste Ausrufezeichen setzte Maxcel Amo Manu (Italien), der mit 7,15 Sekunden im 60-Meter-Parasprint einen neuen Meetingrekord aufstellte und Olivier Hendriks (Niederlande, 7,44) und Johannes Floors (7,69) distanzierte. Über 60 Meter Hürden verwies die Ungarin Gréta Kerekes (8,01) Nooralotta Neziri (Finnland, 8,05) und Veronica Besana (Italien, 8,08) auf die Plätze zwei und drei. Marlene Meier, der mit 8,09 eine persönliche Bestzeit gelang, und Ricarda Lobe liefen auf vier und fünf ein. Über die gleiche Hürdenstrecke gab bei den Männern Favorit Daniel Roberts (USA, 7,52) David King (Großbritannien, 7,59) und Job Geerds (Niederlande, 7,66) das Nachsehen. Der 20jährige Manuel Mordi (7,70) erreichte einen respektablen fünften Rang, während Tim Eikermann im Vorlauf ausschied.

Einen erwarteten Triumph verbuchte die Italienerin Zaynab Dosso im 60-Meter-Sprint mit 7,09 Sekunden. Zoe Hobbs (Neuseeland, 7,19) und Daryll Neita (Großbritannien, 7,20) gesellten sich zu ihr auf das Treppchen, wohingegen Alexandra Burghardt und Rebekka Haase auf den Plätzen fünf und sechs hinterherliefen. Die gebürtige Zschopauerin Haase hatte in Leipzig noch Gold über 60 Meter und 200 Meter gewonnen, konnte sich aber in Berlin als Vorlaufvierte überhaupt nur um den Hauch von fünf Tausendstel für den Endlauf qualifizieren. Als bester männlicher Sprinter erwies sich in einem spannenden Rennen Emmanuel Eseme (Kamerun) mit 6,59 Sekunden, der erst mit dem Zieleinlauf den Österreicher Markus Fuchs (6,60) überholte. Hinter Reynier Mena (Kuba, 6,61) musste Robin Ganter (6,66) mit Platz vier vorliebnehmen. Den Stabhochsprung dominierte Vizeweltmeister Ernest John Obiena (Philippinen), der mit 5,93 Meter einen neuen Asienrekord aufstellte. Hinter Tray Oates (USA, 5,75 Meter) und Robert Sobera (Polen, 5,66 Meter) sicherte sich Torben Blech mit ebenfalls 5,66 Metern den vierten Platz.

Höhepunkt aus deutscher Perspektive war der Triumph der Olympiasiegerin von 2021, Malaika Mihambo, im Weitsprung. Die 30jährige lieferte bereits in Leipzig mit 6,93 Metern einen Nachweis ihrer frappierenden Form. Sie beeindruckte gleich im ersten Versuch mit 6,78 Metern. Doch der Wettbewerb war hochklassig besetzt, und nachdem Mihambo nur 6,45 Meter und dann gar drei ungültige Versuche folgen ließ, kamen die final auf zwei und drei rangierenden Annik Kälin (Schweiz) und Larissa Iapichino (Italien) mit jeweils 6,75 Metern nahe heran. Mit ihrem fulminanten letzten Versuch auf 6,95 Meter perfektionierte Mihambo die Dramaturgie des Spektakels. Fun Fact: In den Sprungwettbewerben wurden alle Akteure von ihrer Lieblingsmusik unterstützt. Das Publikum klatschte unerschrocken mit. Für Mikaelle Assani (6,69 m) reichte es zu Rang vier, während Laura Raquel Müller (6,64 Meter), angepeitscht von AC/DC, auf Platz fünf landete.

Mihambo hat ihre Hallensaison nun beendet und konzentriert sich auf die Olympiavorbereitung. Das trübt die Medaillenchancen bei der Hallen-EM in Schottland. Wolfgang Heinig, 73jährige Trainerlegende und gegenwärtig Coach der 1.500-Meter- und 3.000-Meter-Hallenmeisterin Gesa Krause, brachte das Dilemma kürzlich auf den Punkt: »Selbst wenn alle gesund sind, haben wir nur noch eine Handvoll Leute, die etwas reißen können. Nicht nur die Holländer, auch die Schweiz oder Slowenien haben sich hochprofessionell aufgestellt. Dagegen wird schon geschmunzelt, wenn andere auf uns schauen.« Das beklagenswerte Niveau erinnert an jenes der westdeutschen Leichtathletik vor 1990, während die gezielte DDR-Sportförderung deren Überlegenheit bei Titelkämpfen begründete.

Den spektakulären Abschluss bildete das Diskusduell von vier Männern und Frauen im Modus »jeder gegen jede«. Weltmeister Kristjan Čeh (Slowenien) warf mit 65,72 Metern Meetingrekord. Auch der deutsche Champ Henrik Janssen (61,92 Meter), Daniel Jasinski (61,91 Meter) und Exolympiasieger Christoph Harting (60,41 Meter) übertrafen 60 Meter. Doch die weiblichen Diskusasse zeigten sich auf Augenhöhe: Hinter Jorinde van Klinken (Niederlande, 63,50 Meter) boten die Olympiazweite Kristin Pudenz (63,38 Meter), Shancie Craft (62,68 Meter) und Julia Harting (60,61 Meter) ansprechende Weiten. Nach vier Runden, in denen alle Sieger mit zwei Punkten belohnt wurden und alle Unterlegenen einen Punkt erhielten, waren die Männer am Ende eines gelungenen Leichtathletikabends mit 28:22 die Gewinner.

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