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Aus: Ausgabe vom 21.02.2024, Seite 8 / Feuilleton
Red Books Day 2024

»Wir wollen mit Büchern politisch intervenieren«

»Red Books Day«: Kleinere linke Verlage stehen vor ökonomischen Herausforderungen. Ein Gespräch mit Glenn Jäger
Interview: Fabian Linder
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Lesen, lesen, lesen: Der Tag zelebriert die Veröffentlichung des Kommunistischen Manifests

An diesem Mittwoch wird international der »Red Books Day« begangen. Worum handelt es sich dabei?

Den »Red Books Day« gibt es seit 2020, initiiert wurde er aus dem globalen Süden. Länder wie Indien, Südkorea, Venezuela, Brasilien oder Indonesien stehen hier im Fokus. Es gibt erste Vernetzungen von linken Verlagen und Buchhandelsstrukturen, zudem Veranstaltungen etc. Das begrüßen wir sehr. Begangen wird der Tag nicht zufällig am 21. Februar: Es ist das Datum, an dem 1848 das Kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels veröffentlicht wurde. Es geht darum, die Lektüre marxistischer Klassiker zu fördern, aber auch darum, antikoloniale Kämpfe zu flankieren und sich neofaschistischen Entwicklungen entgegenzustellen. Aufklärung im besten Sinne also. Für diese Tradition stehen auch wir beim Papyrossa-Verlag.

Unter welchen Bedingungen arbeiten linke Verlage hierzulande?

Die Kritik an einer Monopolisierung von Buchhandelsstrukturen ist auch im deutschsprachigen Raum von Bedeutung. Die Unterstützung des stationären Buchhandels, vor allem der kleineren, gut sortierten Buchhandlungen, ist essentiell. Was die Publikationskultur angeht, so sind wir in Deutschland vergleichsweise privilegiert: Die Kollegen vom Dietz-Verlag pflegen die Marx-Engels-Werke, die junge Welt bzw. der Verlag 8. Mai verfügt über die deutschsprachigen Rechte an den Lenin-Werken. Und doch stehen auch kleinere linke Verlage immer wieder vor ökonomischen und verlegerischen Herausforderungen. Zumal Schriften von Che Guevara über Naomi Klein bis Achille Mbembe von großen Publikumsverlagen herausgegeben werden. Finanziell können sie sich Übersetzungen und Lizenzen besser leisten, und politisch tut denen das nicht weh.

Wie steht es jenseits der Klassiker um die Übersetzungen internationaler Werke?

Grundsätzlich ist der Aufwand enorm groß, zu den Lizenzgebühren kommt vor allem die Übersetzung selbst. Den Druck hinzugerechnet, kann da schnelle eine fünfstellige Summe zusammenkommen, bevor das erste Buch verkauft ist. Wir als Verlag können uns das nur in Ausnahmefällen leisten und müssen uns vorher sicher sein, dass wir einen Titel auch buchhändlerisch »plazieren« können.

Was für Beispiele finden sich hierzu in Ihrem Verlagsprogramm?

Am meisten haben wir aus dem Italienischen übersetzt. Etwa »Eine kurze Geschichte der Demokratie« von Luciano Canfora, das international für Aufsehen gesorgt hatte. Und mehr noch das Werk von Domenico Losurdo, von dem wir rund zehn Titel im Programm haben. Für den marxistischen Philosophen Losurdo ist die antikoloniale Frage bzw. die von Krieg und Frieden von zentraler Bedeutung, wie nicht zuletzt sein Buch »Eine Welt ohne Krieg« zeigt. Bei manch europäischen Linken eckte er mit seinen Positionen auch schon mal an, siehe etwa das Werk »Der westliche Marxismus«. Losurdo wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, unsere Grüße gehen nicht zuletzt nach Brasilien, wo sein Erbe besonders gepflegt wird.

Welchen weiteren Themen widmet Ihr Verlag sich mit Übersetzungen?

2023 konnten wir »Die Jakarta-Methode« des US-amerikanischen Autors Vincent Bevins herausgeben. Das Buch wurde in mehr als 15 Sprachen übersetzt und zeigt, wie US-gestützte Staatsstreiche, sei es Indonesien 1965 oder Chile 1973, die Welt bis heute prägen. Bevins arbeitete in Südostasien und Brasilien als Korrespondent großer Medien und bringt zugleich Schicksal und Kämpfe des globalen Südens auf den Punkt.

Können Sie etwas zu den Aussichten für Ihr Programm sagen?

Aus aktuellem Anlass arbeiten wir derzeit an der Übersetzung eines ähnlichen Kalibers: Mit ihrem Buch »Secret Power« geht die italienische Publizistin Stefania Maurizi der Geschichte von Wikileaks bzw. dem Angriff auf Julian Assange nach. Maurizi hatte bereits früh für große italienische Medien wie La Repubblica oder L’Espresso mit Wikileaks kooperiert und Dokumente wie die afghanischen Kriegstagebücher ausgewertet. Als gestandene Journalistin weiß sie, welche herausragende Bedeutung der Fall für die Pressefreiheit hat. Mit derlei Büchern wollen wir in politische Auseinandersetzungen intervenieren – wie es sich auch der »Red Books Day« auf die Fahnen schreibt.

Glenn Jäger arbeitet für den Papyrossa-Verlag und übersetzte zuletzt »Die Jakarta-Methode« von Vincent Bevins

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