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Gegründet 1947 Sa. / So., 13. / 14. April 2024, Nr. 87
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Aus: Ausgabe vom 17.02.2024, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Borschtsch

Von Maxi Wunder

»Ihrer moralischen Hochwertigkeit versichert sich die extreme Mitte seit Wochen mit Demos für die Ampelregierung!« beginnt Udo seinen Vortrag unmittelbar vor dem Abendessen, damit ihm überhaupt jemand zuhört. »Dabei betreibt die Kriegshetze! Was für eine Verdrängungsleistung, wenn man bedenkt, dass die deutsche Geschichte voller Lehren über die Grausamkeit ihrer Kriege ist – vor allem in Osteuropa. Nun haben wir die Zweiprozenthürde bei Militärausgaben genommen – zum ersten Mal in unserer NATO-Geschichte, Applaus! Wer braucht schon ein solides soziales Netz, wenn man statt dessen Panzer und Kampfflugzeuge finanzieren kann?« lästert Udo.

»Motor dieser Höchstleistung ist die deutsche Russophobie. Und vom ultimativen Bösewicht kauft man nichts, schon gar kein preiswertes Gas, das bisher den – wenn auch ungleich verteilten – deutschen Wohlstand garantiert hatte, auf den sich das Land so viel einbildete. Statt dessen jetzt Frackinggas für das Dreifache vom Hauptschlächter, den USA. Die korrupte Ukraine wird medial als tapferes Widerstandsnest gegen ein totalitäres, alles verschlingendes Horrorimperium inszeniert, das unsere Freiheit mit zuwenig Schrottwaffen verteidigen muss, und wir sind schuld, wenn sich der Sieg hinzieht. Hier zeigt sich einmal mehr, dass die Kunst, Konflikte einseitig zu betrachten und sich auf die Seite der Flaschen zu schlagen, eine Königsdisziplin der Deutschen ist!« Udo schaut irritiert auf sein Skript. »Ich meinte, auf die Seite der Falschen …«

»Bist du bald fertig?« fragt Rossi. »Nein!« antwortet Udo bockig. »Dr. Bartel hat gesagt, wenn ich nicht ausspreche, was mich quält, lauf’ ich irgendwann Amok!« – »Jetzt kommen noch Genozid und Lauterbach«, befürchte ich und starre sehnsüchtig auf die dampfende Suppenterrine. Rossi lüftet den Deckel: »Aaah, Bluuut! Lasst uns Blut saufen!« ruft sie mit blitzenden Augen. »Jahaaa!« stimmt Udo ein in den unseligen Reigen. »Töten und töten lassen, dafür plündert die Kassen! Das ist deutsche Staatsraison!« Ängstlich schaue ich den Topf … Es ist Gott sein Dank nur:

Borschtsch

500 g Suppenfleisch in einem Topf mit zwei Litern kaltem Wasser aufsetzen. Sobald das Wasser aufkocht, Schaum abschöpfen und zwei Lorbeerblätter zufügen. Fleisch 90 Minuten köcheln lassen. Zwei Zwiebeln und zwei Knoblauch­zehen schälen und würfeln. Zwei Möhren schälen und in Streifen reiben. Zwei Knollen Rote Bete raspeln. Eine rote Paprika entkernen und in dünne Streifen schneiden. Drei Tomaten in Würfel schneiden. Öl in einer Pfanne erhitzen und Zwiebeln und Knoblauch leicht anrösten. Möhren, Paprika, Tomaten und drei EL Tomatenmark hinzugeben und zehn Minuten braten. Anschließend die Rote Bete zufügen und nochmals fünf Minuten braten. 200 g Weißkohl in feine Streifen schneiden. Lorbeerblätter und Fleisch aus dem Topf nehmen und das gebratene Gemüse hineingeben. Fleisch in kleine Würfel schneiden und zurück in den Topf geben. Kohl hinzufügen und das Ganze aufkochen lassen. Dann köcheln lassen und mit Pfeffer und Salz abschmecken. Ein halbes Bund Dill in Fähnchen schneiden. Borschtsch mit dem Dill und einem Klecks saurer Sahne servieren.

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