Gegründet 1947 Dienstag, 23. April 2024, Nr. 95
Die junge Welt wird von 2767 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 31.01.2024, Seite 15 / Antifaschismus
Rechtsruck in Frankreich

Le Pen denkt an ihre Zukunft

Rassemblement National distanziert sich nach Potsdamer Treffen von AfD
Von Hansgeorg Hermann
imago0364520981h.jpg
Marine Le Pen hat ihre Gründe, der AfD zumindest öffentlich die kalte Schulter zu zeigen (14.11.2023)

Marine Le Pen, Anführerin des französischen Rassemblement National (RN), will offenbar eine gewisse Distanz zu den in der AfD organisierten deutschen Freunden bewahren. Ihre »Drohung«, die AfD-Abgeordneten aus der gemeinsamen Fraktion im Europaparlament ausschließen zu lassen, hat allerdings eher innenpolitische Gründe. Das vordergründige Abrücken von den deutschen Brüdern und Schwestern, die mit ihren »Remigrationsideen« auch in Frankreich für Aufregung gesorgt hatten, ist vor allem der rechten Konkurrenz zu Hause geschuldet.

Den Begriff »Remigration«, die massenweise Ausweisung von Menschen »ohne französische Identität«, hatte der Pariser Faschistenführer Éric Zemmour während des Präsidentschaftswahlkampfes im März 2022 aufgebracht. Er vervollständigt bis heute Zemmours Theorie vom »grand remplacement« – dem vermeintlichen Austausch der Ethnien, bei dem im Laufe der Jahre die »einheimische Bevölkerung« als Minderheit zurückbliebe und eingewanderte – meist muslimische – Nordafrikaner die Macht übernehmen würden.

Le Pens jahrelanges Bemühen, den ursprünglich von ihrem Vater Jean-Marie Le Pen gegründeten und über mehrere Jahrzehnte von altem und neuem Faschismus geprägten Front National – von seiner Tochter im Juni 2018 in Rassemblement umbenannt – zu »entdiabolisieren«, hatte der Partei sowohl in der bürgerlichen Mitte als auch in den wirtschaftlich an den Rand abgedrängten Bevölkerungsschichten einen rasanten Aufstieg beschert. Auch weil der aktuelle Staatschef Emmanuel Macron mit seiner dem Großkapital geschuldeten Gesellschaftspolitik den Faschisten die Türen zur Macht weit geöffnet hat, gilt Le Pen inzwischen als mögliche Favoritin für die Präsidentschaftswahl 2027. Le Pens »Distanz« zu den bisherigen Partnern in Deutschland, so liest sich nun jetzt ein Interview, das der Pariser Politologe und Faschismusspezialist Jean-Yves Camus vor zwei Jahren der Zeitung Ouest-France gegeben hatte, soll offenbar der eigenen, nicht mehr so fernen politischen Zukunft dienen.

2 Wochen kostenlos testen

Die Grenzen in Europa wurden bereits 1999 durch militärische Gewalt verschoben. Heute wie damals berichtet die Tageszeitung junge Welt über Aufrüstung und mediales Kriegsgetrommel. Kriegstüchtigkeit wird zur neuen Normalität erklärt. Nicht mit uns!

Informieren Sie sich durch die junge Welt: Testen Sie für zwei Wochen die gedruckte Zeitung. Sie bekommen sie kostenlos in Ihren Briefkasten. Das Angebot endet automatisch und muss nicht abbestellt werden.

Mehr aus: Antifaschismus