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Aus: Ausgabe vom 26.01.2024, Seite 8 / Ansichten

Immer weiter

Deutsche Kriegsplanung
Von Arnold Schölzel
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Da wäre einer gerne Panzerkommandant: Verteidigungsminister Pistorius auf Truppenbesuch in Augustdorf (1.2.2023)

Die »Zeitenwende« rumort im Oberstübchen des deutschen politischen Personals und gewann in der vergangenen Woche neue Konturen. Am Freitag erklärte Kriegsminister Boris Pistorius im Tagesspiegel: »Unsere Experten rechnen mit einem Zeitraum von fünf bis acht Jahren, in dem das möglich sein könnte.« Nämlich ein Angriff Russlands auf die NATO. Einem Wahn folgen immer die andern. Am Montag begann folgerichtig das größte Manöver der NATO seit dem Ende der Sowjetunion vor mehr als 30 Jahren – logistische Drehscheibe für rund 90.000 Soldaten ist die Bundesrepublik. Am Dienstag verkündete NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel, der Pakt habe soeben auf Drängen Berlins Munition vor allem für Kiews Truppen im Umfang von 1,1 Milliarden Euro vertraglich vereinbart. Insgesamt hat die NATO demnach bereits knapp zehn Milliarden Euro für die Aufrüstung der Ukraine ausgegeben.

Am Mittwoch berichtete das Handelsblatt vom Vorschlag Großbritanniens, deutsche »TAURUS«-Raketen zu übernehmen und dafür im Ringtausch eigene Geschosse geringerer Reichweite an Kiew zu liefern. Ebenfalls am Mittwoch erklärte der slowakische Ministerpräsident Robert Fico bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Olaf Scholz im Berliner Bundeskanzleramt mehrfach: »Wir glauben nicht daran, dass der Konflikt in der Ukraine militärisch gelöst werden kann.« Scholz hatte zuvor seinen Aberglauben an solche »Lösung« bekräftigt. Eine Ursache für die Differenz: Fico vertritt die Interessen seines Landes, Scholz die der USA und damit die an einem langen Krieg gegen Russland. Er gab zudem in einem am selben Tag veröffentlichten Zeit-Interview eine Art Marschbefehl für die EU aus, wonach die »auf lange Sicht« die Verteidigung der Ukraine sicherzustellen habe. Auf seine Initiative hin kommen die EU-Staats- und -Regierungschefs am 1. Februar zusammen, um auf Waffenhilfe für Kiew zu schwören.

Am Donnerstag schließlich machte der dpa-Bericht über den Inlandsdetailplan für den direkt gegen Russland zu führenden Krieg die Runde. Bis 2029 oder 2032 darf da selbstverständlich das Sterben von Ukrainern für die NATO auf keinen Fall aufhören. Die Einzelpläne für den Angriffskrieg gegen Russland waren übrigens auf dem NATO-Gipfel im Sommer 2023 in Vilnius verabschiedet worden.

Das Bild neuer deutscher Militarisierung wird komplett. Wenn ein slowakischer Regierungschef Krieg für falsch hält und, wie es Fico am Mittwoch tat, vor mehr Opfern und Toten in der Ukraine warnt, kann ein deutscher Kriegskanzler keine Rücksicht auf solche Sentimentalitäten aus kleinen Staaten nehmen. Da aber auch Donald Trump im US-Wahlkampf mit Frieden droht und damit Präsident werden könnte, soll nicht nur die BRD, sondern gleich die ganze EU kriegstüchtig werden. Unter deutscher Führung, versteht sich, muss der Krieg weitergehen. Auf lange Sicht.

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  • Leserbrief von Wolfgang Schmetterer (26. Januar 2024 um 12:38 Uhr)
    Erich Kästners »Die andere Möglichkeit« ist aktueller denn je – sieht man davon ab, dass keine Kriege gewonnen werden müssen, um dem Wahnsinn (immer wieder) anheimzufallen.
  • Leserbrief von B. S. aus Ammerland (26. Januar 2024 um 12:27 Uhr)
    Pistorius »Bruder Blattschuss« und seine Kollegin» Kurze Hose, Holzgewehr« Strack-Zimmermann, die »Unbestechliche«, wollen aus völliger Verzweiflung bereits die Leute verheizen, die aus den Staaten kommen, die keine Aufnahme hier finden. Ein »ehrlicher« Plan unserer »Rüstungslobbyisten«. Diese Art der Söldnerwerbung schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Wer sich dafür entscheidet, kann den Deutschen Pass ergattern, es sei denn er/sie brauchen keine Abschiebung mehr, weil Blattschuss. Frage: Was geschieht mit Invaliden? Trotzdem abschieben? Aber der »Provinz-Soze« Pistorius möchte gerne als der in die Geschichte eingehen, der das schafft, woran die »Kaiserlichen Pickelhauben« und die Heere der »Braunau-Jünger« gescheitert sind. Nur Russland und Putin auszuschalten, wird auch der (Noch-)»Beliebteste Politiker Deutschlands« nicht mehr schaffen. Vorher wird er aufgrund der vernichtenden Wahlniederlagen aus dem Verkehr gezogen. Wollen wir hoffen, er feiert nicht seine »Auferstehung« in einer GroKo.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Franz S. (26. Januar 2024 um 11:50 Uhr)
    »Scholz hatte zuvor seinen Aberglauben an solche ›Lösung‹ bekräftigt. Eine Ursache für die Differenz: Fico vertritt die Interessen seines Landes, Scholz die der USA und damit die an einem langen Krieg gegen Russland.« Eine beeindruckende Leistung des kleinen Scholz. Vertritt doch glatt die Interessen der USA. Wedelt da der Schwanz mit dem Hund bzw. hat der Kanzler der BRD die gesamte deutsche Kapitalistenklasse unter seiner Kontrolle? Muss der Marxismus-Leninismus neu geschrieben werden? Der Verlag 8. Mai hat ja Erfahrung mit kritischen Neuausgaben. Weiter unten im Kommentar heißt es plötzlich: »Unter deutscher Führung, versteht sich, muss der Krieg weitergehen.« Was ist nun Sache?
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (26. Januar 2024 um 10:30 Uhr)
    Keine Sorge, Herr Schölzel! Europa zeigt keine Gefahr, es altert und schrumpft, und die jungen Generationen erben mehr als genug, sodass sie zufrieden bleiben. Hier hat niemand mehr den Wunsch, zu kämpfen. Zwar wird es nicht gelehrt, aber die Demographie, die letztendlich über die Geschichte entscheidet, zeigt, dass junge aufstrebende Menschen für sich und ihre Zukunft kämpfen. Seit Mitte der Siebziger schrumpft Deutschland kontinuierlich. Die letzte nennenswerte Bewegung waren die 68er, seitdem ist es ruhig geblieben. Wer sollte schon kämpfen und vor allem wofür? Der ehemalige Wohlstand schwindet langsam, aber auch das stellt kein Problem dar, denn die Jugend ist nicht bereit, Leistung zu erbringen. Selbst im Sport ist für sie ein Sieg heutzutage kaum von Bedeutung, geschweige denn ein echter Kampf. Es mag sein, dass ein falsches Bild einer neuen deutschen Militarisierung auf dem Papier steht, aber keine Bange – mit den Woke- und Gendergenerationen kann man nicht einmal einen Blumentopf gewinnen.
  • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin (26. Januar 2024 um 10:04 Uhr)
    Wer stoppt eigentlich dieses Mal diese fanatischen Idioten? Wieder erst ein russischer Winter an der Wolga?
  • Leserbrief von Bernd Hohl aus Kempen (26. Januar 2024 um 01:26 Uhr)
    Die »kleine« Slowakei hat mehr »Eier in der Hose« als der Wirtschaftsgigant BRD. Ein wichtiges – für die BRD beschämendes – Faktum für objektive Historiker kommender Zeiten!

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