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Aus: Ausgabe vom 05.12.2023, Seite 8 / Abgeschrieben

Offener Brief an die deutsche Klimabewegung

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Greta Thunberg (M.) auf einer Demonstration in Amsterdam (12.11.2023)

In einem offenen Brief von »Occupy COP 27« an die Klimabewegung in Deutschland unter dem Titel »Was hat Gaza mit der Klimakrise zu tun?« heißt es:

In diesen Tagen startet die COP 28, die UN-Klimakonferenz, in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese sind eine der weltweit größten Ausbeuter fossiler Brennstoffe und werden vom Chef eines nationalen Ölkonzerns geleitet. Während dieses zweifelhafte Unterfangen anläuft, findet gleichzeitig in der Region die Katastrophe in Gaza statt.

Am 20. Oktober hielt Greta Thunberg, eine Klimaaktivistin, die wie kein*e andere*r in diesem Jahrhundert den moralischen Kompass der Welt verschoben hat, ein Schild hoch, auf dem zu lesen war: »Stand with Gaza«. Während viele in der Klimabewegung Greta Thunbergs Haltung begrüßten, waren viele andere mit ihrer Botschaft nicht einverstanden. Die stärkste Verurteilung kam von hier – aus Deutschland.

Die Bundesvorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, verurteilte Greta Thunberg für den Missbrauch des »absolut notwendigen Anliegens des Klimaschutzes«, während Fridays For Future Deutschland ankündigte, alle Verbindungen zur internationalen Bewegung zu kappen. (…) Am 2. November reagierte Ende Gelände ähnlich und schrieb: »Eine befreite Gesellschaft kann nur existieren, wenn wir Antisemitismus keinen Raum bieten.«

Denjenigen unter euch, die dies lesen, möchten wir versichern, dass das Engagement eurer Bewegungen gegen den Rassismus gegen Juden wichtig und höchst bewundernswert ist. Dennoch spiegeln diese Reaktionen auf Thunbergs Aussage auf gefährliche Weise ein weitverbreitetes Muster wider, das Kritik an der israelischen Politik mit Antisemitismus gleichsetzt. (…)

Es gibt unzählige Artikel, Videos und Posts über die gewalttätigen Angriffe militanter Palästinenser auf Israelis am 7. Oktober und die Gewalt, die das israelische Militär seitdem gegen die Palästinenser*innen in Gaza ausübt. Weniger bekannt ist ein Ereignis, das zwei Tage nach den Angriffen der Hamas stattfand. Israel wies Chevron, den US-amerikanischen Betreiber des Tamar-Gasfeldes, unter Berufung auf Sicherheitsbedenken an, die Produktion einzustellen. Das bedeutete, dass der Gashahn von Israel nach Ägypten zugedreht wurde, welche ihrerseits den Export von LNG in die EU einstellten, woraufhin die Gaspreise hier in die Höhe schnellten. Obwohl deutsche Politiker*innen ihre moralische Verpflichtung gegenüber Israel betonen, ist klar, dass Deutschlands eigener Energiebedarf eine nicht minder große Rolle bei der unerschütterlichen Unterstützung des Staates spielt. Weiter nördlich liegt Israels Leviathan-Feld, eine »Kohlenstoffbombe«, die schätzungsweise 1,1 Gigatonnen Kohlendioxid produzieren soll. Während das israelische Militär Bomben auf Gaza abwarf, nutzte das israelische Energieministerium die Zeit, um neue Explorationslizenzen zu verkaufen und BP bestätigte ihr Angebot für einen 45prozentigen Anteil am Leviathan-Feld, das gemeinsam mit der staatlichen Ölgesellschaft von Abu Dhabi, geleitet von COP 28-Präsident Sultan Ahmed Al-Dschaber, abgegeben wurde. (…)

Die Verbindungen zwischen dem Gazastreifen und der Klimakrise herzustellen und sich gegen Israels koloniale Klimaverbrechen auszusprechen, ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir unserem politischen Grundkonsens gerecht werden wollen, wie er im Aktionskonsens von Ende Gelände so deutlich zum Ausdruck kommt: »Wir stellen uns gegen jeden Antisemitismus und gegen alle Formen der Ausbeutung und Unterdrückung.« (…)

Ihr habt immer wieder eure Stimmen wunderbar erhoben: »Wehrt euch, leistet Widerstand gegen das Erdgas in diesem Land.« Wir bitten euch, dasselbe Lied anzustimmen – wie ihr es gegenüber anderen Klimaverschmutzern tut – so auch gegenüber Israel, das nicht nur innerhalb seiner eigenen Grenzen Erdgas ausbeutet, sondern auch die Absicht bekundet hat, weiteres Land im Gazastreifen zu annektieren, was die Förderung von noch mehr fossilen Brennstoffen in neu kolonisiertem Gebiet bedeuten würde.

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