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Aus: Ausgabe vom 04.12.2023, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Sand in den Augen

Zu jW vom 27.11.: »Kommunistische Plattform: Angriffe auf Identität der Linkspartei zurückweisen«

Die Richtung der Partei Die Linke (PDL) ging auch beim Augsburger Bundesparteitag weiter konsequent nach rechts in Richtung Ökoliberalismus und kann zudem auch bald mit ihrem inhaltlichen Schwenk den Seeheimer Kreis der SPD verstärken. Es ist traurig, wenn man ansehen muss, wie sich die Kommunistische Plattform in der Linken Sand in die Augen streut über die Durchsetzungsmöglichkeit ihrer politischen Forderungen innerhalb dieser Partei. Diese Illusion wurde ihnen auch beim jetzigen Parteitag genommen, denn sie konnten keinen einzigen ihrer vielen Änderungsanträge zum Leitantrag des Wahlprogramms zur Europawahl 2024 durchsetzen.

Die vom Parteivorstand in Berlin genannten Hunderten Neueintritte in die PDL nach dem Austritt von Sahra Wagenknecht und Co. lassen einen weiteren verstärken Rechtsschwenk vermuten. Wenn jetzt aktuell auf einer Versammlung des Karl-Liebknecht-Kreises in Brandenburg zusammen mit dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten sowie Außen- und Sicherheitsexperten Alexander Neu die Hälfte aller anwesenden Mitglieder die Partei verlassen hat (…), dann trägt nach absehbarer weiterer Abwanderung mit der Gründung der neuen Wagenknecht-Partei die KPF bald als letzte das marxistische »Fähnlein der sieben Aufrechten« in der sich schon immer anmaßend Die Linke nennenden Partei.

Will die KPF dieses verwässerte Programm, das kaum mehr marxistische Inhalte besitzt, wirklich auch zukünftig noch mittragen? Wäre es nicht vielmehr konsequent in der Tradition vom Jahreswechsel 1918/1919 die Partei zu verlassen und sich der DKP oder auch dem dann neu gegründeten BSW anzuschließen? Es ist verständlicherweise schwer, wenn man eine Partei verlässt, für die man jahrzehntelang sein Herzblut gegeben hat, viele Tage geopfert hat, aber dieser Schritt ist angesichts der aktuellen Entwicklung nicht mehr zu vermeiden.

Wolfgang Ackermann, z. Zt. Bergen (Norwegen)

Glasklar und brillant

Zu jW vom 27.11.: »Für den Frieden in die Kälte«

Eine sehr gute Rede bei der Auftaktkundgebung der Großdemo in Berlin am 25. November hat Gabriele Krone-Schmalz gehalten; inhaltlich glasklar, rednerisch brillant vorgetragen! Da sie selbst davon betroffen ist, ging es ihr in ihrer Rede auch um die militant-autoritäre Ausgrenzungswut gegenüber Andersdenkenden und eine hysterisch gewordene Cancel Culture.

Der Begriff Kapitalismus kam in keiner der Reden, die ich gehört habe, vor. Das finde ich bemerkenswert, denn es gibt ja bekanntlich nicht wenige Zeitgenossen, die mit Jean Jaurès davon überzeugt sind, dass Krieg im Kapitalismus angelegt ist wie Regen in der Wolke. Der DGB und die hauptamtlichen Funktionäre seiner Mitgliedsgewerkschaften hielten es (vielleicht mit wenigen Ausnahmen) für richtig, diese Demo zu schwänzen. So fand sich schlussendlich unter den Rednerinnen und Rednern der Auftakt- bzw. Abschlusskundgebung auch niemand, der/die im Namen des DGB oder einer Einzelgewerkschaft gesprochen hätte. Burgfrieden wahren und antimilitaristische Abweichler disziplinieren ist und bleibt in kriegerischen Zeiten allererste DGB-Verpflichtung. Erst recht, wenn die Sozen mitregieren! (…)

Hermann Taubenberger, Dannenberg (Elbe)

Polikliniken

Zu jW vom 29.11.: »Patienten ohne Praxis«

(…) Wenn ich die Zeitung aufschlage und die Meldungen sehe, weiß ich nicht, wo ich anfangen soll, und mir fehlen einfach in Hass, Verzweiflung und Zorn die Worte. Als Kind der DDR komme ich mir vor wie in einer sozialen Hölle. Mein früherer Staat war dagegen sozial, kulturell, interdisziplinär medizinisch wie bildungspolitisch paradiesisch.

Damals in der alten BRD ging es auch nur dem Schein nach sozial besser zu als heute, eben weil es den anderen sozialistischen Staat gab. Der Separatist Konrad Adenauer hatte dies sogar zugegeben. Das heißt doch nichts anderes, als dass seinerzeit die Imperialisten wegen der sozialen Vorbildwirkung der DDR Angst hatten um sich und die alte Ordnung. (…)

Aus meiner Erfahrung arbeiteten in den früheren Polikliniken der DDR Fachärzte unterschiedlicher Humangebiete, aber keine Hausärzte – nach Möglichkeit Internisten. Die gehören in die unmittelbare Wohnnähe, mit einer entsprechenden medizinischen Grundausstattung auch eben für Hausbesuche. So konnte meine Hausärztin beispielsweise Blut abnehmen, eine Gastroskopie oder ein EKG in der Praxis machen. In der Poliklinik rief der Orthopäde wegen eines kranken Knöchelpatienten bei entsprechendem Verdacht schlicht seinen Kollegen, einen Facharzt für Venenerkrankungen an, gegebenenfalls mit der Bemerkung, den Patienten X vorbeizuschicken, und der bekam gleich einen Termin, musste sich also nicht als Bittsteller anstellen. Aber so etwas funktionierte nur im Sozialismus, wo es keine Gebührenordnung für Ärzte oder Zahnärzte gab. Jene hatten auch nicht mit Abrechnungen, wie sie heute nerven, zu tun, weil der Staat einfach sozial handelte und nicht nach Profitinteressen.

E. Rasmus, per E-Mail

»Kein Blumentopf«

Zu jW vom 28.11.: »Gazakrieg: Forderung nach politischer Lösung«

Nach den vorliegenden Informationen über die Verlängerung der Waffenruhe in Gaza sind es insbesondere arabische Staaten in der Region, die hier einen diplomatischen Erfolg erzielt haben. Sie hatten das diplomatische Heft in der Hand, nicht der globale Norden. Das ist bemerkenswert. Die Diplomatie hat wieder die Initiative erlangt gegenüber den außer Rand und Band geratenen Ultranationalisten in Israel und deren Unterstützern im Westen. EU und USA gewinnen hier keinen Blumentopf mehr (…).

Detlev Reichel, Tshwane (Südafrika)

Die arabischen Staaten hatten das diplomatische Heft in der Hand, nicht der globale Norden.

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