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Aus: Ausgabe vom 01.12.2023, Seite 16 / Sport
Beim Fananwalt

Der Mann auf dem Zaun

Von René Lau
Der Fananwalt_Logo ONLINE.jpg

In Zeiten wie diesen, wo viel über Fußballfans diskutiert wird, ist es wichtig, darauf hinzuweisen, was Fankultur bedeutet und wie einfach es sein kann, sie zu respektieren. Nicht jeder Fan lebt sie hüpfend, singend in der Kurve. Familien oder ältere Fans verfolgen das Spiel vielleicht lieber auf einem Sitzplatz. Die Wucht und Begeisterung, die aus der Kurve durchs gesamte Stadion zieht, vereint aber alle.

Kaum jemandem entgeht, dass Vorsänger mit dem Rücken zum Spielfeld vor der Kurve stehen und den Support durch den Fanblock organisieren. Sie sind diejenigen, die am meisten Zeit und Geld investieren und gleichzeitig selbst am wenigsten vom Spiel sehen. Denn der Vorsänger, auch Capo genannt, ist nicht bloß bei den Heimspielen vor Ort, er ist bei jedem Spiel seiner Mannschaft zugegen. Meine volle Hochachtung haben die Jungs für ihren unermüdlichen Einsatz für ihren Herzensverein.

Normalerweise steht der Capo auf einem Podest, mitunter auf dem Zaun. Dass er nichts Böses, etwa das Übersteigen des Zaunes, gar das Erstürmen des Platzes, im Sinn hat, weiß jeder. Nicht so die strengen Ordnungshüter der Stadt Freiburg. Sie listen minutiös auf, wann und wie sich der Capo auf oder am Zaun bewegt. Denn in Freiburg gibt es nicht nur eine Stadionordnung des Vereins, sondern auch eine sogenannte Stadionverordnung der Stadt Freiburg. Die war 2022 schon einmal Thema dieser Kolumne.

Im August dieses Jahres nun war der SV Werder zu Gast in Freiburg. Mehrere Vorsänger saßen auf dem Zaun, um die Stimmung zu entfachen. Zwei von ihnen erhielten jetzt Bußgeldbescheide, da sie gegen besagte Stadionverordnung verstoßen haben sollen. Ja, täglich grüßt das Murmeltier: Bereits Mai 2023 war’s das gleiche Prozedere gegenüber Capos aus Bremen. Dass Fanszenen Geld sammeln, um solche Bußgelder solidarisch zu begleichen, bedarf keiner Erwähnung.

Wie steht es um den SC Freiburg? Ein Verein, der überall dafür gelobt wird, dass er bodenständig geblieben ist und dem großen Kommerz trotzt. Richtig so – doch wo bleiben die offenen Worte, die Praxis der Stadt zu kritisieren? Gerade ein Klub wie Freiburg sollte sich stark machen für die Fankultur. Es gibt längst viel zu viele Vereine, die vor Verbänden und Behörden zu Kreuze kriechen.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

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