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Aus: Ausgabe vom 01.12.2023, Seite 11 / Feuilleton
Nachruf

Erfolg ohne Ruhm

Sie schuf Pittiplatsch. Jetzt ist Inge Trisch im Alter von 89 Jahren gestorben
Von Felix Bartels
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Im Grunde Anarcho: Pittiplatsch

Schnippeldischnappeldi Scher, ich bin der Meister Nadelöhr. Damit fing alles an. Am 17. Juni 1962 erschien Pittiplatsch, der liebenswürdige Kobold mit lauter Unfug im Hirn, im Kinderfernsehen der DDR, in der Sendung des musikalischen Schneiders Meister Nadelöhr. Später erhielt Pitti einen eigenen Sendeplatz im Abendgruß des Sandmännchens. Gemeinsam mit der Ente Schnatterinchen, die bereits seit 1959 den Schneider begleitet hatte und deretwegen jedes Kind östlich der Elbe wusste, dass Enten nicht quaken, sondern »nak nak« machen. In ihrer Sendung bewohnten Pitti und Schnatterinchen eine Art Garten, in den während der 70er Jahre noch der melancholische Hund Moppi einzog, der gelegentlich aus seiner Tonne kroch, um den beiden anderen mitzuteilen, dass ihm im Grunde alles zu schnell gehe.

Gesprochen wurde Pittiplatsch von Heinz Schröder, erfunden von Inge Trisch. Ihr Konzept »Pittiplatsch«, später leicht entschärft, schien neuartig im damals eher brav aufgestellten Kinderfernsehen. Im Grunde war der braune Kobold mit weißem Iro und fusseligem Zickenbart ein Anarchist, ohne Anspruch allerdings, die Welt zu verbrennen, pardon: zu verbessern. Sein Teint fiele heute wohl wegen Blackfacing dem Rotstift zum Opfer. Was er sagte, war und blieb harmlos, auffällig allenfalls, dass er stets in der dritten Person von sich sprach: »Pitti ist traurig« usw. Eine Eigenheit, die nicht nur von Lothar Matthäus, sondern auch von Kindern bekannt ist. Und Kindlichkeit ist die einzige Spielart der Egozentrik, die sich halbwegs ertragen lässt.

Es gibt wohl kaum einen Künstler, bei dem die Diskrepanz zwischen Erfolg und Ruhm so groß ist wie bei Inge Trisch. Unzweifelhaft ist Pittiplatsch eine poetische Weltgestalt innerhalb der Kinderkultur, vergleichbar Ronja aus der »Räubertochter« oder Max aus den »Wilden Kerlen« oder Peterchen aus der »Mondfahrt«. Seine Schöpferin verschwand vollständig hinter ihrem Homunkulus. Geboren am 27. Februar 1934 in Greifswald, verlor sie im Alter von zwölf Jahren ihre alleinerziehende Mutter und verbrachte den Rest der Jugend in einem Kinderheim. Mit 18 Jahren begann sie ein Studium der Pädagogik an der Jugendhochschule »Wilhelm Pieck«. In den 50er Jahren arbeitete Trisch für den Verlag Junge Welt bei der Zeitschrift Fröhlich sein und singen. Als Fernsehredakteurin schuf sie neben Pittiplatsch weitere Figuren, etwa die Berliner Kinder Paul und Stine. Bis zur Abwicklung der TV-Anstalt hat Inge Trisch mit der Schauspielerin Ellen Tiedtke die Kindersendung »Ellentie« gestaltet. Nach dem Ende der DDR war sie nur noch gelegentlich als TV-Autorin tätig, für die Sender RBB und MDR. Am 12. November starb Inge Trisch im Alter von 89 Jahren.

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