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Aus: Ausgabe vom 29.11.2023, Seite 5 / Inland
Energiepolitik

Millionen Arme frieren

Statistisches Bundesamt legt Zahlen vor. Kanzler kündigt Ende der Strom- und Gaspreisbremsen an
Von Gudrun Giese
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Für immer mehr mit schmalem Salär nicht mehr leistbar: Elektrischer Heizlüfter bleibt im Keller

Heizen ist teuer und das Geld bei immer mehr Menschen knapp. In der Folge sparen sich viele eine warme Wohnung und frieren daheim. Das Statistische Bundesamt (Destatis) meldete am Dienstag, dass im vergangenen Jahr 5,5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik in Haushalten lebten, die nach ihrer eigenen Einschätzung das eigene Zuhause wegen fehlender finanzieller Mittel nicht angemessen beheizen konnten.

Die Zahl entspricht etwa 6,6 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung und bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine Verdoppelung. Als Grund für den Anstieg nannten die Statistiker den Anstieg der Energiepreise nach Beginn des Ukraine-Krieges. Die vorgelegten Daten sind Ergebnisse der europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC). Dabei handelt es sich um die amtliche Hauptdatenquelle für die Messung von Armutsgefährdung und Lebensbedingungen in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Überdurchschnittlich sparten Alleinerziehende, kinderreiche Familien und Singles am Heizen ihrer Wohnung. Die Haushalte der Alleinerziehenden nutzten mit 14,1 Prozent am stärksten diese Kürzungsmaßnahme, 9,7 Prozent der Haushalte mit zwei Erwachsenen und mindestens drei Kindern sowie 7,3 Prozent der Haushalte mit einer Person. Dabei war die Lage in der Bundesrepublik verglichen mit anderen EU-Staaten nicht einmal die schlimmste: Mit 6,6 Prozent Bevölkerungsanteil, der beim Heizen sparte, lag Deutschland unter dem EU-Durchschnitt von rund 9,3 Prozent. Laut Statistik gaben Menschen in Bulgarien mit 22,5 Prozent für 2022 am häufigsten an, ihre Wohnung nicht angemessen heizen zu können. In Zypern lag der Anteil bei 19,2, in Griechenland bei 18,7 Prozent. Am wenigsten mussten die Finnen (1,4 Prozent), die Luxemburger (2,1 Prozent) und die Slowenen (2,6 Prozent) zu Hause frieren.

Die Wiesbadener Statistiker wiesen in ihrer Mitteilung zur EU-SILC-Erhebung darauf hin, dass die Angaben zum Heizen im Ermessen der Befragten gelegen hätten. Es wurde nicht nach einer konkreten Wohnraumtemperatur gefragt. Die Selbsteinschätzung der Haushalte zum angemessenen Heizen der Wohnung sei eines der Kriterien zur Messung der materiellen und sozialen Entbehrung. Dazu zählten weitere Faktoren wie etwa Geldmangel für eine jährliche Urlaubswoche außerhalb des eigenen Zuhauses, zu wenig finanzielle Mittel für eine vollwertige Mahlzeit an jedem zweiten Tag (!) sowie für unerwartete Ausgaben. Insgesamt gibt es 13 solcher Definitionen. Erfülle ein Haushalt mindestens sieben der 13 Kriterien, so Destatis, gelte er als erheblich materiell und sozial depriviert.

Derweil hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) das Ende der Strom- und Gaspreisbremsen zum Beginn des kommenden Jahres angekündigt. In einer Regierungserklärung zur Haushaltslage sagte er am Dienstag im Bundestag, es seien wieder Strom- und Gastarife verfügbar, die zwar über denen vor Beginn der Energiekrise lägen, aber unter den Obergrenzen der Preisbremsen. Außerdem seien die Gasspeicher »so gut gefüllt, dass wir nicht mit plötzlichen Preissprüngen rechnen«. Sollte sich Energie unerwartet dramatisch verteuern, sei die Bundesregierung in der Lage, kurzfristig zu handeln, so Scholz. Für Haushalte, die schon jetzt zu wenig Geld fürs Heizen haben, hatte er aber nichts zu bieten.

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  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (29. November 2023 um 09:24 Uhr)
    Nach ihren eigenen Angaben: »Das Statistische Bundesamt meldete am Dienstag, dass im vergangenen Jahr 5,5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik in Haushalten lebten, die nach ihrer eigenen Einschätzung das eigene Zuhause wegen fehlender finanzieller Mittel nicht angemessen beheizen konnten.« Dementsprechend meine Schlussfolgerung, dass diese Haushalte ausschließlich nur auf die Erderwärmung hoffen können, weil gerade die Bundesregierung durch Geldknappheit eher auf die soziale Kürzungen getrimmt wird.

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