Herzlichen Glückwunsch, SPD: »Ick werfe Dir olle Kamellen!«
Von Pierre Deason-Tomory
Die SPD ist 160 Jahre alt geworden, bin etwas angefasst. Habe als Jenosse sechs von die 160 Jahre wat für die Revolutzjon jetan, dann wusst ick: Diese Pachtei will se imma noch nich! Und nie war se so SPD wie heute.
Früher haben die Sozen Frieden verlangt und Kriegskredite bewilligt, olle Kamellen. Jetzt beantragen sie 100 Milliarden und liefern Panzer. Früher hat man die Republik gefordert und die Revolution massakriert, olle Kamellen. 1990 hat man eine gemeinsame Verfassung verhindert und den Osten annektiert. Die SPD war schon immer für das Koalitionsrecht der Arbeiter? Wenn es von Lokführern angewendet wird, baut die Nahles ein Gewerkschaftsermächtigungsgesetz. 1933 wurden Sozis Flüchtlinge (außer die Noskes), 1993 haben sie das Asylrecht ausgehöhlt, jetzt schaffen sie es ab.
Ich bin ungerecht. Der Willy hat schon was hinbekommen. Gekniet für die Schuld anderer, Arbeiterkinder an die Unis gelassen, Frauen aus der Leibeigenschaft ihrer Ehemänner geholt, Pierre Deason einen deutschen Pass geschenkt, doch dann musste er zurücktreten. Er wollte einen Mehr-Demokratie-Wagen einführen, so etwas kriegt bei uns keinen TÜV.
Also Lasalle dich knutschen, alte Tante SPD! Du riechst wie olle Hertha nach zweite Liga, wie Wilmersdorfer Witwe unterm Arm, aber du wirst noch gebraucht: als Mätresse der CDU und Puffmutter der FDP. Du gehst mit der Zeit, und wer mit der Zeit geht, geht irgendwann mit jedem – und vorüber.
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Danke sagt Dr. D. Jahn