junge Welt: Jetzt am Kiosk!
Gegründet 1947 Donnerstag, 23. März 2023, Nr. 70
Die junge Welt wird von 2701 GenossInnen herausgegeben
junge Welt: Jetzt am Kiosk! junge Welt: Jetzt am Kiosk!
junge Welt: Jetzt am Kiosk!
Aus: Ausgabe vom 27.01.2023, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Justizreform

Kapitalflucht aus Israel

Fintech-Konzern und Risikofonds kündigen wegen Justizreform Rückzug an
Von Alexander Reich
ISRAEL-POLITICS-PROTESTS-TECH.JPG
»Keine Demokratie, kein Hightech«; »Auch ohne ChatGPT wissen wir, dass ihr falsch liegt« – Demonstration am Dienstag in Tel Aviv

Das israelische Fintech-Unternehmen Papaya Global hat am Donnerstag angekündigt, wegen der geplanten Justizreform der Regierung Benjamin Netanjahus »alle Gelder aus Israel abzuziehen«. Wie Gründerin und Konzernchefin Einat Guez weiter mitteilte, würden durch Abschaffung der Gewaltenteilung die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derart verschlechtert, dass dieser »schmerzhafte Schritt notwendig« sei. Guez hatte am Wochenende bei einer Demo in Tel Aviv gegen die Reform agitiert.

Ihr Unternehmen bietet Dienstleistungen im Bereich von Gehaltsabrechnungen an. Zu den 700 Kunden gehören Weltkonzerne wie Microsoft oder Toyota. Zuletzt wurde der Unternehmenswert auf umgerechnet 3,4 Milliarden Euro geschätzt, wie die Jerusalem Post am Donnerstag schrieb.

Auch die von den Risikokapitalfonds »Disruptive« und »Disruptive AI« verwalteten 250 Millionen US-Dollar sollen aus Israel abgezogen werden, wie Gründer Tal Barnoach gegenüber der Wirtschaftstageszeitung Calcalist vom Donnerstag erklärte. Netanjahus »Staatsstreich« werde »wirtschaftliche Instabilität« schaffen, Investoren würden der »Gnade einer Regierung« ausgesetzt, »die tun kann, was sie will«. Das Geld der Fonds solle fortan bei Banken im Ausland liegen.

Kürzlich hatte der Chef der Bank of Israel, Amir Yaron, vor den wirtschaftlichen Auswirkungen der Reform gewarnt. Netanjahu hatte das Vorhaben am Mittwoch noch einmal bekräftigt. Künftig soll eine Parlamentsmehrheit auch grundgesetzwidrige Entscheidungen treffen, der Oberste Gerichtshof überstimmt werden können. Außerdem soll das Gremium zur Ernennung von Richtern neu zusammengesetzt werden.

Drei Wochen kostenlos lesen

Wir sollten uns mal kennenlernen: Die Tageszeitung junge Welt berichtet anders als die meisten Medien. Sie bezieht eine aufklärerische Position ohne Besserwisserei und wirkt durch Argumente, Qualität, Unterhaltsamkeit und Biss.

Testen Sie jetzt die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) kostenlos. Danach ist Schluss, das Probeabo endet automatisch.

Mehr aus: Kapital & Arbeit

Drei Wochen lang gratis gedruckte junge Welt lesen: Das Probeabo endet automatisch, muss nicht abbestellt werden.